Ausstellung mit Installationen von Christian Schnurer im Oberpfälzer Künstlerhaus
Ein "Heimspiel" mit "Argonaut Mathilda"

Die weite Ferne als Kindheitstraum: Christian Schnurer baute eine riesige Abschussrampe als künstlerische Skizze dieser Idee. Bilder: Kempf (2)
Kultur
Schwandorf
13.04.2013
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Ein "Heimspiel" hat der gebürtige Schwandorfer Künstler Christian Schnurer vom 14. April bis 19. Mai im Oberpfälzer Künstlerhaus. Den Besucher erwarten Objekte mit besonderen Geschichten: Sie alle verbindet die vom Künstler gewählten Rahmenthemen "Heimat" und "Ferne". Eine im Vorhof des Künstlerhauses installierte "Abschussrampe" signalisiert den Menschheitstraum des Abhebens aus der gewohnten Umgebung, des schnellen Sich-Entfernens.

Verträumter Bub

Die Materialcollagen von Christian Schnurer bestehen aus Fundstücken, die, ihrem eigentlichen funktionalen Kontext entzogen, weiterbearbeitet und in neue Sinnzusammenhänge überführt werden. Der Künstler spürt das Fernweh, setzt es mit der Fantasie eines verschmitzt-verspielten Jungen um und in Szene. "In jedem Künstler steckt wohl ein Kind, das sammeln und basteln will. Auch in mir", erzählt der Künstler mit einem Augenzwinkern, "so sammele und bastele ich - und Buben sind meine größten Fans!" Die Rakete sei "die Skizze eines Traums".
Ein großformatiges Bild im Treppenaufgang zeigt eine Landschaft mit einem Jungen, der - mit beiden Beinen fest auf dem Heimatboden - sehnsuchtsvoll in die Ferne blickt. Das Bild scheint symbolhaft für das Fernweh von Christian Schnurer zu stehen, der mit einer spektakulären Aktion 2010 von sich reden machte. Der Oberpfälzer reiste damals von München, wo er mittlerweile lebt und arbeitet, in die damalige Kulturhauptstadt Europas, nach Istanbul. In Zeiten des Massentourismus ein wenig atemlos machendes Ziel.

Atemlos macht aber die Schilderung, wenn Schnurer von den Hintergründen und der eigentlichen Reise erzählt. Sein Reisegefährt ist in der Ausstellung zu sehen, ein Filmbericht dokumentiert das Abenteuer, mit dem er die zunehmende Abschottung Europas kommentieren wollte. Seine Kunstaktion einer interkontinentalen Expedition nannte er "Argonaut Mathilda": Im September 2010 machte er sich in einem alten tschechischen Velorex-Oldtimer mit durchschnittlich 60 Stundenkilometern auf die zehntägige Reise.

Den Bosporus sperren?

In Istanbul angekommen, baute er das "Landvehikel" in ein "amphibisches Vehikel" um. Sinn des Umbaus war, mit dem Schwimmfahrzeug den Bosporus zu überqueren, um so von Europa nach Asien zu gelangen. Der Plan war in der Umsetzung schwierig: Nicht nur technische Probleme traten auf, in der Türkei waren zahlreiche Verwaltungshürden zu nehmen. Kann man den Bosporus einfach sperren lassen, um ihn mit einem Amphibienfahrzeug unbehelligt zu überqueren? Man kann. Sofern die Admiralität und der zuständige Gouverneur zustimmen. Und sie stimmten zu. Schnurer erklärt: "Die Reise und ihr Ziel sind der Beweis, dass individuelle Freizügigkeit möglich sind."

Ein Pflasterstein ist Zentrum eines weiteren Kunstprojektes, das in der Ausstellung präsentiert wird. Er war eine Auftragsarbeit - der Stein sollte eine Schaufensterscheibe durchschlagen. Jedoch war die Wucht, die sein Gewicht auslöste, zu gering, um die Idee umzusetzen. Also goss ihn der Künstler in Blei, und das Ziel wurde erreicht. Jetzt sind der Originalstein, sein "Blei-Kollege", die Glasscheibe und ein mehrdimensionales Gemälde des Steins in der Ausstellung zu sehen. Sinn der Stein-Aktion: der Protest gegen den maßlosen Konsum.

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"Heimspiel": 14. April (Vernissage um 11 Uhr) bis 19. Mai, Oberpfälzer Künstlerhaus, Fronberger Straße 31, Schwandorf-Fronberg. Öffnungszeiten: Mittwoch und Donnerstag 12 bis 18 Uhr, Sonntag 11 bis 16 Uhr. Telefon 09431/9716,E-Mail: opf.kuenstlerhaus@schwandof.de.
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