05.06.2004 - 00:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Drei Münchner Künstlerinnen stellen gemeinsam im Oberpfälzer Künstlerhaus aus - Vernissage am ...: Blick über den Tellerrand hinaus

von Thorsten Schreiber Kontakt Profil

Einen Kunstgenuss der besonderen Art bietet das Oberpfälzer Künstlerhaus vom 6. Juni bis 18. Juli: Drei Münchner Künstlerinnen präsentieren erstmals gemeinsam ihre Werke, überwiegend Installationen. "Sachen, die wir hier nicht so häufig zeigen", meint Leiter Heiner Riepl. Denn normalerweise gebe es vor allem Arbeiten aus den traditionellen Bereichen Malerei, Grafik und Plastik zu sehen. Und normalerweise konzentriere sich das Haus auch auf Künstler aus dem ostbayerischen Raum. Aber hin und wieder "blicken wir über den Tellerrand hinaus", sagte Riepl.

Die Gruppe wurde vom Kurator Neue Münchner Künstlergenossenschaft "zusammengestellt, weil sie eine gute Spannung erzeugen könnte". Ausgestellt haben die drei jungen Damen noch nie miteinander, "wir kennen uns aber vom Studium her", versichert Nausikaa Hacker. Sie ist seit 1990 freiberuflich als Bildhauerin tätig und verwendet Objekte, Fotos, Skulpturen, Material und Vorgehensweisen als Bausatz. Dadurch entstehen situations- und raumbedingte Installationen. Für die Ausstellung in Schwandorf hat die Künstlerin zwei Werke neu geschaffen.

Arbeiten aus Wachs

Im Erdgeschoss ist ein etwa drei mal fünf Meter großes Wachsbild zu sehen. Entstanden ist dabei "eine ganz bewegte, laufende Struktur", erklärt Hacker. Grund: die unterschiedliche Konsistenz des heißen Ausgangsmaterials. Das Werke lasse dem Betrachter "viel Raum für Interpretationen, hat aber vor allem mit Erinnerung und Nicht-wirklich-fassen-Können zu tun", meint die Künstlerin. Deren zweite Arbeit ist ebenfalls aus Wachs. Kleine Figuren sind an Boden und Decke eines Raums mit Nylonfäden verbunden. Darüber hinaus präsentiert sie diverse Zeichnungen und fertige Werke aus ihrem Fundus.

Im Repertoire von Stefanie Unruh befinden sich Installationen, Zeichnungen und Videos. Sie behandeln die Thematik Liebe und Glück in unserer Konsumgesellschaft. Die Künstlerin geht mit den Begriffen ironisch und spielerisch um. Zum Beispiel in der Zeichentrickanimation "Carry And Marry", zu Deutsch etwa "Trage und heirate". Dort setzt sich Unruh mit diversen Beziehungsgeschichten auseinander.

Passend dazu sind Collagen mit Textelementen aus Heiratsannoncen und Bildern von Models aus Werbeprospekten. "Ich arbeite mit Vorlagen und ganz alltäglichen Gegenständen", erklärt Unruh. Zu sehen ist außerdem ein überdimensionaler Kulturbeutel namens "Zigeunerjunge" und weitere Zeichnungen, "Möbelensembles aus Buntstift".

Feld aus Kissen

Annamirl Weishäupls Werke schließlich "bilden Gerüste der Wahrnehmung und spielen auf sinnlich materielle Weise mit einer geistigen Interpretation des Alltags". Die Künstlerin hat sich vor allem auf Arbeiten mit Plexiglas spezialisiert. In mehreren Räumen werden die Scheiben der Fenster durch ihre Installationen ersetzt. Die Künstlerin schreibt mit vielen kleinen Löchern Worte wie "woher", "wohin", "Gott", "Jehova" oder "Allah" in die Scheiben. "Oft sieht man erst auf den zweiten Blick, dass da etwas steht, weil es ein bisschen zieht", sagt Weishäupl. Im Dachgeschoss des Künstlerhauses präsentiert sie außerdem eine große, mehrteilige Arbeit: 30 Kissen hat sie dabei in den Raum geworfen und "wie ein Feld angeordnet". Dieses Werke "verwandelt ganz subtil die Realität des Betrachters" und soll "Geistiges an den Körper binden". Entstanden ist diese Arbeit nach dem 11. September 2001, Weishäupl hat damit ihre Eindrücke nach den Terroranschlägen auf das New Yorker World Trade Center verarbeitet.

Eröffnet wird die Ausstellung mit einer Vernissage am 6. Juni um 11 Uhr. Bis 18. Juli ist sie mittwochs und donnerstags von 12 bis 18 Uhr und sonntags von 11 bis 16 Uhr geöffnet, zusätzliche Termine nach Vereinbarung. Weitere Informationen gibt es unter Telefon 09431/9716.

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