08.03.2018 - 17:12 Uhr
Schwandorf

Fortsetzung Schwandorfer Klavierfrühling Norwegische Klänge emotional vorgetragen

Auch wenn Edvard Grieg, der vor 175 Jahren geboren wurde und in seiner Musik den Charakter seiner Heimat Norwegen und deren Kultur prägt, nicht wie Schumann oder Brahms klingt, haben seine Klangvorstellungen die allgemeine Sprache der Musik bereichert. Seine entwickelten Klangfarben faszinieren die Hörer damals wie heute.

(Von links): Kurt Seibert (Festivalleiter), Sung-Ah Park (Pianistin), Carmen Dreßler (Cellistin), Alia Kheirbek (Pianistin), Kristin Einarsdóttir Mantyla (Sopranistin) und Hanns-Martin Schreiber (Moderator) freuten sich über den guten Besuch im Oberpfälzer Künstlerhaus. Bild: Reinhold Tietz
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Von Reinhold Tietz

So freut sich Moderator Hanns-Martin Schreibe am Dienstag über ein gut gefülltes Auditorium im Saal des Oberpfälzer Künstlerhaus und weist auf die Besonderheit des Abends hin: Alle gespielten Werke stammen von Grieg. Die zuerst gespielte "Sonate für Violoncello und Klavier a-moll" op 36 ist typisch für den emotionalen Umgang mit musikalischen Ausdrucksformen, wie ihn Grieg pflegte. Carmen Dreßler (Violoncello) und Alia Kheirbek (Klavier) gelingt eine virtuose und zugleich äußerst gefühlvolle Interpretation. Das beginnt schon mit den Anfangsakkorden des Klaviers, steigert sich, wenn das Cello aus der Akkordfolge eine wundersame Melodie herauslockt. Leidenschaftliche Stürme geben dem "Allegro agitato" eine stets wuchtige, düstere Tonsprache im Zusammenspiel beider Instrumente.

Ruheloses "Allegro"

Das folgende "Andante molto tranquillo" ist zwar fundamental sehr ruhig klingend, enthält jedoch Ausbrüche, die sowohl an den 1. Satz erinnern als auch die den Satz prägende Melodie eklatant steigern. Das Finale, ein ruheloses "Allegro", leitet das Cello allein ein. Dann flottes Zusammenspiel, das immer wieder aufgewühlt wird. Einige Ruhepunkte, wenn zum Beispiel das Cello mit Pizzikato eine Klaviermelodie bereichert, sind nur kurze Momente zwischen weiteren Steigerungen. Ein leidenschaftlicher Schluss krönt Griegs glanzvolles Werk, dessen Interpretation das Publikum völlig begeistert.

Charmante Melodien

Nach der Pause folgen die Humoresken op 19, drei Klavierstücke unter dem Motto "Aus dem Volksleben". Sung-Ah Park interpretiert die charmanten Melodien, die laut Hanns-Martin Schreiber italienischer Herkunft sind und mit nordischem Tonverständnis verknüpft werden. Zuerst ertönt "Auf den Bergen", eine liebliche Melodie, die durch eine Vielzahl von klar verknüpfenden Akkorden verschönert wird.

"Norwegischer Brautzug im Vorüberziehen" nennt sich das nächste Stück. Es zieht rhythmisch fest vorbei. Volle Melodien verschönern den Weg. Das dritte Stück nennt sich "Aus dem Karneval" und ist entsprechend lebhaft. Melodiös, wie bei Grieg üblich, aber auch herausfordernd stellt sich die Musik vor. Sung-Ah Park spielt völlig angemessen die vielen musikalischen Aussagen.

Der Liederzyklus "Das Kind der Berge" op 67 folgt. Sung-Ah Park begleitet die Sopranistin Kristin Einarsdóttir Mantyla in den acht von ihr stimmungsvoll gesungenen Liedern, die von erfüllter und unerfüllter Liebe handeln und dementsprechend emotional gestaltet sind. Die Sängerin kommt aus Island und singt norwegisch (auch das "in Vielfalt geeint"), erreicht damit eine durchdringende Wirkung. Schreiber gibt zu jedem Lied eine kurze passende deutsche Einführung. Rauschender Beifall belohnt die Leistung der beiden Musikerinnen. Insgesamt bereichert die "Homage à Edvard Grieg" die Kenntnis von der und das Verständnis für die Musik dieses norwegischen Tondichters.

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