09.03.2018 - 20:00 Uhr
Schwandorf

Fortsetzung Schwandorger Klavierfrühling Impressionen in virtuoser Gestaltung

Von Reinhold Tietz

Gut gefüllt ist wieder einmal der Saal des Oberpfälzer Künstlerhauses beim Konzert von Wolfgang Manz in der Reihe des Schwandorfer Klavierfrühlings. Bild: Tietz
von Reinhold TietzProfil

Schwandorf. "In Vielfalt geeint" ist die Struktur der abendländischen Musik und ebenso deutlich ist die Entwicklung des musikalischen Denkens in den Abenden des Klavierfrühlings präsent. Von der Romantik beziehungsweise Neoklassik über Impressionismus bis zur Moderne des 20. Jahrhunderts reicht die Bandbreite der einzelnen Konzerte. So wird in dem Konzert am Donnerstagabend der französische Impressionismus als Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert dargestellt.

Der vielgelobte Pianist Wolfgang Manz widmet sich Klavierwerken der berühmtesten Vertreter dieser Stilrichtung: Claude Debussy und Maurice Ravel. Zuerst interpretiert er Debussys "Suite bergamasque". Sie besteht aus vier Sätzen, von denen jeder eine eigene Gefühlswelt vermittelt. Das rührt von der teilweise traditionellen einzelnen Bezeichnung her. So ist das "Prelude" zwar als Vorspiel verstehbar, aber in weit gespannter Tonfülle. Das "Ménuet" ist tänzerisch, aber ohne Trio. "Clair de lune" gestaltet den Mondenschein zart und vermittelt die Ruhe einer friedvollen Nacht. Dagegen ist "Passepied" ruhelos und schnell in der Gestaltung seiner riesigen Melodie.

Das Publikum im gutgefüllten Saal des Oberpfälzer Künstlerhauses spendet großen Beifall für die absolut angemessene Deutung durch Wolfgang Manz. Er setzt fort mit Klavierwerken von Maurice Ravel. Zuerst erklingt "Jeux d'eau" in weichen Klängen, welche den Farbreichtum von Wasserspielen verdeutlichen. Die Impressionen Ravel sind ebenso packend wie die von Debussy, jedoch hat jeder der beiden seine Individualität. Es gelingt Manz hervorragend, diese Eigenheiten herauszuarbeiten. Die "Valses nobles et sentimentales" schließen sich an. Auch in diesen acht Charakterstücken ist die Tonalität weit gespannt, um die Stimmungen darzustellen, die Ravel in seinen Kompositionen zum Ausdruck bringen will und die der Pianist engagiert umsetzt.

Nach der Pause erklingen wieder Werke von Debussy. Zuerst die "Images II" von 1907, die viele neue harmonische Ansatzpunkte verwirklichen. In "Les cloches à travers les feuilles" tönen die Klänge der Glocken von nah und fern und verschwimmen oft. "La lune descend sur le temple qui fut" zeigt eine feinsinnige dauernde Bewegung, "Poissons d'or" beweist, wie ruhelos sich Fische bewegen. Auch hier ist Wolfgang Manz tadellos in seiner Gestaltungsfähigkeit.

Den Schluss und eigentlich nicht mehr vorstellbaren Höhepunkt des Abends bilden Auszüge aus den 1913 erschienenen "Préludes 2. Heft", die der Pianist in unvorstellbarer und sofort faszinierender Virtuosität spielt. Die verschiedenen vorgestellten Stimmungen erklingen oft in äußerst rasantem Tempo, nicht nur, wenn die Überschrift "Feuerwerk" lautet. Auch den äußersten Kontrast zwischen Pianissimo und Fortissimo, der oft direkt zu verwirklichen ist, gestaltet Manz in überzeugender Weise.

Das Publikum ist hingerissen von seinem atemraubenden Spiel, das den Stücken voll gerecht wird. Als Zugabe ertönt das 8. Stück aus den "Préludes 1. Heft" mit dem Titel "La Fille aux cheveux de lin" in leiser, feiner Klanggestaltung. Die Übergangszeit des Impressionismus - treffender hätte sie nicht dargestellt werden können.

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