24.07.2017 - 15:32 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Große Ausstellung im Oberpfälzer Künstlerhaus Der Wald als Inspiration

"Die besondere Beziehung des deutschen Bürgers zu seinem Wald spiegelt sich in Märchen und Mythen, in der Poesie, in der bildenden Kunst und in der Musik wider". Mit diesen Worten begrüßte Andrea Lamest, Leiterin des Oberpfälzer Künstlerhauses, die Gäste zur Eröffnung der Ausstellung "Finding the Forest" am Sonntag in der Kebbelvilla.

Bis 10. September ist im Oberpfälzer Künstlerhaus die Ausstellung "Finding the Forest" zu sehen. Am Sonntag war Eröffnung. Bild: Hirsch
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Der Wald diene als Projektionsfläche, als ein letztes Kleinod inmitten einer durchorganisierten, geordneten und berechenbaren Wirklichkeit. Als Sinnbild von Ursprünglichkeit sei der deutsche Wald von vielen Malern verewigt worden. Mittlerweile sei er allerdings nicht mehr unberührte Natur, sondern ein Ergebnis effektiver Forstwirtschaft, so Andrea Lamest. Als wohltuend und originell empfand zweite Bürgermeisterin Ulrike Roidl die neu angelegte Rasenfläche am Eingang zum Oberpfälzer Künstlerhauses. Und der Wald, er sei für sie ein "Rückzugslebensraum".

Sinn und Wahnsinn

Dominic Jähner studiert an der Akademie der bildenden Künste in Nürnberg und beschäftigt sich mit stets wiederkehrenden Fragen unserer Zeit: Wozu führt der technische und digitale Fortschritt? Wie verändert sich dabei unsere Identität? In welcher Verantwortung steht die Wissenschaft? "Dabei interessiert mich der Sinn und vor allem der Wahnsinn", sagte er. Er will in einem Video die Ruhe, Idylle und den Erholungswert des Waldes zeigen und wie sich die handelnden Personen mit dem Lebensraum identifizieren.

Susanne Neumann lebt in Wien, Italien und Waldsassen. Ihr Werk "Sacro Bosco" (heiliger Wald) kombiniert Malerei, Objekt und Installation und ist eine Folge ihrer Auseinandersetzung mit den Bayerischen Staatsforsten. In Waldsassen sah sie sich mit der Ausbeutung des Waldes konfrontiert. Nicht nur die Erntemengen seien ihrer Ansicht nach unangemessen, sondern auch die Art und Weise der Ernte. Die oft mehrteiligen Bilder von Susanne Neumann zeigen den heimatlichen Wald kurz vor und nach dem Einsatz der Erntemaschinen. Eindrucksvoll beschreibt sie mit Farbe den vorgefundenen Lebensraum, den lebendigen Organismus.

Die kalifornische Performance- und Videokünstlerin Sasha Petrenko war vor zwei Jahren als Stipendiatin im Künstlerhaus II zu Gast und ging täglich in den nahe gelegenen Wald rund um Fronberg. Dabei entstand das Video "Lessons from the Forest" mit wechselnden deutschen und englischen Texten und Untertiteln. Petrenko thematisiert in diesem fünfminütigen Streifen den Klimawandel, die Monokultur und die Artenvielfalt, die ein Ökosystem zum Überleben braucht. Der Wald ist für Petrenko in erster Linie Lebensraum, der Respekt und Schutz bedarf.

Die Bildwelten von Anna Maria Schönrock (Nürnberg) bestehen aus Figuren im Raum, schemenhaft skizziert. Mensch, Pferd, Hund, Federvieh, Katze: Bruchstückhafte Sequenzen wechseln sich ab mit Bildern, die etwas mehr von der Geschichte preiszugeben scheinen, jedoch nie alles verraten. Ihre Protagonisten scheinen mit der Malerei verwoben, bisweilen ist der Übergang von Figur zum Hintergrund fließend. Dies kommt vor allem in ihrem Stillleben zum Tragen. In Schönrocks Arbeiten sind Tiere als ebenbürtige Wesen dargestellt.

Führung am 20. August

Mit der Ausstellung "Finding the Forest" startet das Oberpfälzer Künstlerhaus in die zweite Hälfte des Jahresprogramms 2017. Am 20. August um 14.30 Uhr führen die Künstler persönlich durch die Ausstellung, die bis 10. September zu sehen ist.

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