12.03.2018 - 20:00 Uhr
Schwandorf

Ivan Klansky beim Schwandorfer Klavierfrühling Wertvolle musikalische Entdeckungen

Von Reinhold Tietz

Ganz entspannt präsentiert sich der tschechische Pianist Ivan Klansky nach dem Konzert am Flügel im Künstlerhaus. Bild: Tietz
von Reinhold TietzProfil

Schwandorf. Es hätten ruhig noch ein paar Besucher mehr kommen können. Etliche Stühle bleiben unbesetzt. Die Anwesenden jedoch genießen einen Klavierabend mit Werken der tschechischen Komponisten Leos Janacek, Lubos Fiser und Bedrich Smetana im Rahmen des Mottos "In Vielfalt geeint". Von Smetana und Janacek gibt es berühmte Werke, etwa "Die Moldau" oder die "Sinfonietta". Jetzt Musikstücke zu entdecken, die man nur ganz selten hört, erweist sich als feine Erweiterung der Musikkenntnisse.

Besonderer Zeitspanne

Zuerst wird von Leos Janacek das 1. Heft der Sammlung "Auf verwachsenem Pfade" vorgetragen. Die zehn Vortragsstücke vermitteln jeweils die Stimmung, wie sie in der Überschrift angedeutet wird. So sind "Unsere Abende" eine erinnerungswerte besondere Zeitspanne. "Ein verwehtes Blatt" ist weg - die Suche danach vergebens. "Kommt mit!" wird musikalisch einladend gestaltet. Heroisch erklingt die Hymne an die "Friedeker Mutter Gottes", ruhelos im Ablauf die Darstellung des Redeschwalls "Sie schwatzten wie die Schwalben". Wesentlich ruhiger die Stimmung bei "Es stockt das Wort!", wobei Ausbrüchen gleich Einhalt geboten wird.

Den intensiven Wunsch, eine "Gute Nacht!" zu genießen, äußert man als nächstes. Etwas elegisch wird es im Stück "So namenlos bange", weil man nicht weiß, was womöglich Fatales kommen wird. Dieses Gefühl steigert sich "In Tränen" noch. Aber siehe da: "Das Käuzchen ist nicht fortgeflogen", was gemäß der optimistischen Stimmung nur heißen kann, es gibt durchaus noch Chancen auf Besserung.

Enorme Herausforderung

Ivan Klansky bewältigt sowohl die enormen technischen Herausforderungen tadellos, ihm gelingt es darüber hinaus, die harmonischen und dynamischen Motive in jedem Stück glaubhaft stimmungsvoll dem Publikum nahezubringen. Vom gleichen Komponisten folgt die zweisätzige "Sonate 1. X. 1905" mit dem Titel "Z ulice", also "Von der Straße". Anlass für die Entstehung ist die Erschießung eines Tischlers bei einer Straßendemonstration für eine tschechische Universität in Brünn am angegebenen Tag. Dementsprechend verarbeiten die Sätze "Predtucha = Die Ahnung" und "Smrt = Der Tod" ein sowohl trauriges wie wütendes Gedenken an den Toten.

Etwas leichter zu verstehen ist die einsätzige "Sonate Nr. 5" von Lubos Fiser, die 1979 entstanden ist. Es gibt keine Satzüberschriften - jeder Zuhörer kann sich seine eigene Idee von der Stimmung machen. Von Bedrich Smetana ertönen dann die "Trois Polkas de Salon" op 7, also drei Tänze in gefälliger Aussage, aber gleichermaßen auch bewusster Bemühung um nationale Identität, was für Smetana immer - wie besonders der Zyklus "Mein Vaterland" zeigt - von entscheidender Wichtigkeit ist.

Als letztes Werk erklingt die "Konzertetüde gis - moll" op 17, ein rasantes ruheloses Werk, dessen Thema von vielen Läufen und Akkorden umspielt wird. Ein fulminantes Ende des hochinteressanten Programms, das etliche Neuentdeckungen bietet. Zwei Zugaben folgen noch. Einmal aus den Bagatellen von 1844 die Nummer 7 mit dem Titel "Liebe". Wie die Überschrift vorgibt, ist das Thema lieblich und wird in dieser Weise als bezaubernde Melodie dargestellt. Ein Abschied stellt dann die Wiedergabe von "Gute Nacht und schöne Träume" dar, womit sich der Pianist von seinem begeisterten Publikum verabschiedet.

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