31.03.2007 - 00:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Jeff Beer beendet Ausstellung im Oberpfälzer Künstlerhaus mit einem Konzert voller ... Vater, Tochter und Multi-Percussion

von Susanne WolkeProfil

"Das Künstlerhaus ist eine der schönsten Ausstellungsstätten der Oberpfalz", hat Jeff Beer unlängst in einem Interview mit dem "Neuen Tag" gesagt. "Es erschien mir schon immer ideal, hier einmal aus allen meinen Sparten eine Art subkutan verknüpften Kosmos aufzubauen." Mit der Ausstellung "VERPUPPUNGEN V" ist ihm das vollends gelungen.

Nachdem bis zum Donnerstag 100 Arbeiten Jeff Beers aus den Bereichen Malerei, Grafik, Farbholzschnitt, Skulptur und Fotografie gezeigt worden waren, endete die Schau schließlich mit einem Konzert. Zur Aufführung kamen ausschließlich Eigenkompositionen des Multitalents. "Für mich ist das ein Fest", sagte der in Gumpen im Landkreis Tirschenreuth lebende Jeff Beer zu den zahlreich erschienenen Gästen.

Ein Fest der Klänge

Ein Fest der Klänge war es in der Tat. Denn Beer, der an der Staatlichen Hochschule für Musik in Würzburg Komposition, Klavier und Schlaginstrumente studiert hat und der seit seinen ersten großen Erfolgen in Bonn und Paris international konzertiert, zog sämtliche Register seines Könnens. Von Perkussion über Gesang bis hin zu Klavier war alles dabei.

Einen wichtigen Raum nahm natürlich das Schlagzeug ein. Großen Beifall erntete wie bereits bei der Vernissage ein Stück, bei dem der Komponist eigentlich zunächst Zweifel hatte, ob es nicht "zu spröde" sei für eine Aufführung. Doch die zehn Jahre Entwicklungszeit, die Jeff Beer in sein Solostück für die große Trommel investiert hat, haben sich gelohnt. "Nach der Vernissage habe ich so viele Rückfragen bekommen, dass ich es noch einmal aufführe", sagte er. "Warka" heißt die Komposition, und sie ist etwas Besonderes - allein schon wegen der Tatsache, dass die Trommel hier erstmals solistisch eingesetzt wird.

"Das Potential der großen Trommel wurde nie erschlossen", so Jeff Beer. Er hat es erstmals getan. 27 Klänge entlockte er dem Instrument: dumpfe, dröhnende, hallende, klopfende - Jeff Beer benutzte beim Trommeln seinen Unterarm als Dämpfer, variierte beim Schlagen den Handballenanteil und nutzte die Auswirkung der Fingernägel auf den Klang aus. Dass er auch mit einem Minimum an Klangmaterial eine ungeahnte Wirkung hervorrufen kann, bewies Jeff Beer mit der Komposition "Mira", die er an der Marimba zur Aufführung brachte. Nur vier Töne dienten ihm dazu, durch Spreizung, Staffelung und Umschichtung eine Melodie zu schaffen, die in ihrer Spannweite von meditativen bis hin zu nervösen und hektischen Klängen reichte.

Ihr Finale fand die Trommeldarbietung Jeff Beers schließlich in einer Multi-Percussion mit reiner Metallpalette: Becken, Tamtams, Triangeln, Glocken und Gongs. Ein Höhepunkt des Abends waren auch die selten zu hörenden "ISIS-Gesänge".

Gesänge für Sopran

Für die Aufführung dieser Gesänge für Sopran solo konnte Jeff Beer Angelika Luz gewinnen. Die international erfolgreiche Sopranistin hatte bereits 1996 die Uraufführung der großen Fassung der ISIS besorgt - ursprünglich ein abendfüllendes Kammermusiktheater, das Jeff Beer gemeinsam mit dem Oberpfälzer Autor Werner Fritsch konzipiert hat und das sich um den Mythos von Isis und Osiris rankt. In Schwandorf wurde eine Auswahl von sechs Gesängen vorgetragen. Angelika Luz, die als Spezialistin für extreme Partituren gilt, meisterte die interpretatorisch sehr anspruchsvollen Gesänge mit Bravour. Eine ganz besondere Darbietung hatte sich Jeff Beer für den Schluss aufbewahrt: Er trat erstmals gemeinsam mit seiner 17-jährigen Tochter Raphaela auf. Der Vater am Klavier - an sich schon eine Besonderheit, da sich Jeff Beer ausdrücklich nicht als Pianist bezeichnet -, die Tochter an der Geige: In dieser Verteilung improvisierten die beiden gemeinsam.

Als Grundlage dienten Elemente des Orgelstücks "Three drawings", aus der Feder von Jeff Beer. Das Resultat war eine atemberaubende und mitreißende Improvisation. Raphaela Beer, die unter anderem bei Andras David in Regensburg Geigenunterricht genommen hat, legte solch ein Können an den Tag, dass der Vater ihr nach der Aufführung spontan um den Hals fiel.

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