28.01.2018 - 20:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Polt und die Well-Brüder in der Oberpfalzhalle Demokrat oder Demograttler

Schwandorf, das ist für die Well-Brüder aus dem Biermoos die Perle im Wackersdorfer Land. "Eurem Altlandrat Hans Schuierer gehört schon lang ein Denkmal gesetzt", singen die Brüder am Freitag in der Oberpfalzhalle. Und Gerhard Polt? Sinniert über Demokraten. Und Demograttler.

von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Klar, dass die Auseinandersetzung um die Wiederaufarbeitungsanlge in den Begrüßungs-Gstanzln zur Sprache kommen muss. Für die "Blosn", damals noch mit Hans Well, ist die Zeit des Widerstands eng mit dem Karrierebeginn verbunden. Legendär die Auftritte im Hüttendorf oder auf dem großen WAA-Festival auf dem Burglengenfelder Lanzenanger, als die "Toten Hosen" erkennen mussten, dass es wohl die drei Brüder sind, die den echten Punk abliefern.

Die neu formierten Well-Brüder - Stofferl, Michael und Karl - sind aber nicht unterwegs, um in Nostalgie zu schwelgen, sondern auf der Höhe der Zeit. Oberbürgermeister Andreas Feller wird gleich mal ausgesungen: "Der macht, was er mog - solang er den Wopperer vorher frogt".

Überhaupt sei klar, warum Wackersdorf "immer mehr Firmen aus Schwandorf weglockt". Weil der OB, seit er einen Chauffeur hat, "oiwei im Wirtshaus hockt". Dass "der Meierhofer" seine "Prachtbauten" stehen lässt, auch wenn die Friedrich-Ebert-Straße umgebaut wird, hat sich auch bis ins Biermoos rumgesprochen.

"Wo fang ma o? Da heads auf!" Für Gerhard Polt besonders dann, wenn die Lokalpresse im heimischen Hausen vom "Mega-Event" berichtet, aber nichts davon vermeldet, dass beim 125-Jährigen der Feuerwehr so viel Rollbraten verspeist wurde, wie noch nie. Wobei dringend zu ergänzen ist, dass der von einer bekannten Großschlachterei im bayerischen Süden gesponserte Braten ein "Rückläufer" war. "Der war schon in Afghanistan, dann hamman mir griagt." Eine Frau ist dann zwar in der Intensivstation gelandet, aber die hat wohl eine der elf verkauften Fischsemmeln erwischt.

Enzian zur Prävention

Viel wichtiger ist sowieso, dass 21000 Liter Bier ("das Weißbier nicht eingerechnet") im Zelt vertilgt wurden, 2604 ganze Hendl und 3814 Paar Schweinswürstel. Besonderes Lob gibt's auch für die Feuerwehrjugend. Die hatte die Enzian-Bar aufgebaut. Pro Stamperl haben die jungen Leute 10 Cent für den guten Zweck spendiert - und 1620 Euro für die Drogenprävention gespendet. Zum Feuerwehrfest gibt's natürlich die große Feuerwehrmusik von keinem geringeren als Georg Friedrich Händel. Der ist auf seiner Reise von Wien nach London natürlich in Hausen im Kreisverkehr hängen geblieben. Vier Sätze fürs neue Feuerwehrhaus - Stofferl Well brilliert auf der Bach-Trompete.

Apropos Jugend: Wenn schon die Eltern keine Zeit fürs "Bubi" haben - der eigentlich Geoffrey heißt - dann muss Opa Polt ran. Ist ja auch viel lebensnäher, wenn der Opa dem Bubi vom Krieg erzählt, als irgendein junger Lehrer, oder die Medien. "Eieiei Korea, der Russ' kummt oiwei näha", das sind die Volkslieder nach Opas Geschmack. Schließlich muss der Bubi die Demokratie lernen. "Hamma früher nicht ghabt, hamma aber auch nicht braucht". Wichtig also: Ein echter Demokrat, der braucht "ein Geld, an Diridari". Sonst ist er bestenfalls "ein Demograttler". Sonst nix.

Die Weltpolitik ist für den Opa dann auch schnell erklärt: Wer keine Demokratie will, wird vom Ami bombardiert. Die Bombardierten kommen dann zu uns. "Des nennt ma dann Bombenerfolg." Ein bisserl muss er deshalb dem Bubi auch auf die Finger schauen. Damit der mit seinen zwei neuen Kameraden nicht auf dumme Gedanken kommt, wo doch "in der alten Volksschule ein Asylantenheim gebaut wird."

Ob als Opa oder indischer Pfarrer, der Bayern in höchstem Auftrag von Kardinal Marx rekatholisieren soll (Vielleicht mit einer Espresse-Maschine zur Frühmesse? Und Oblaten aus Karlsbad, die nicht so fad schmecken?): Es ist fast wie im richtigen Leben, Schicht für Schicht schabt er die dünnen Deckmäntelchen gesellschaftlicher Korrektheit ab. Das beherrscht der 75-Jährige wie kein anderer. Das nervende "Okayy" der aufgedrehten Radiomoderatorin nagelt er an die Wand, als "Alkoholsportler", dessen Sohn einen Alternativberuf ergreifen will: Kampftrinker. Da darf die alte Dame schwadronieren, dass die "Schratzn" aus der Nachbarschaft nicht mehr grüßen und ihre Art der praktischen Pädagogik vorschlagen. "Früher hast ihm eine g'langt, dann hat er gegrüßt, der Schratz." Und überhaupt: Intolerant sei er auch noch, der Nachbarsbub. "Gegen irgendeinen Laktose. Kommt alles aus dem Ausland herein." Arm dran, die Kinder, die Englisch lernen müssen, "bevor sie Dutzidutzi formulieren können."

Asyl für Deppen

Bei soviel Polt-Power sind die Well-Brüder keineswegs musikalische Lückenfüller, sondern kongeniale Partner. Egal ob bei Stofferls Rap für die Milchbauern oder den Gstanzln zum "Haus der bayersichen Geschichte". Ob da die Erstschrift der Guttenbergschen Doktorarbeit zu sehen sein wird? Als neue Guttenberg-Bibel? Und die AfD? Bekommt als "Asyl für Deppen" genau einen Satz ab, Punkt, aus.

Die viersprachige Ansage der grandiosen Alphorn-Synfonie ist natürlich Polts Part, im Frack. Und ohne "E-Mambele" samt Hüftschwung entlässt die ausverkaufte Oberpfalzhalle Polt und die Well-Brüder natürlich nicht. Schade, dass sie nicht öfter in der Perle des Wackersdorfer Lands zu Gast sind.

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