01.05.2017 - 20:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

„SADTheater“ inszenierte bei Konrad-Max-Kunz-Tagen „Vorhang! Bitte verlassen Sie die Bühne“ Brillantes Verwirrspiel auf der Bühne

Die Besucher strömten in den Sperlstadel Fronberg. Zwar hieß das Stück des "SADTheaters", das gespielt wurde "Vorhang! Bitte verlassen Sie die Bühne!" von John Chapman. Zum Glück hielten sich die Schauspieler nicht daran. Denn als der Vorhang sich öffnete, folgte ein sehenswertes Stück, das zwischen Fiktion und scheinbarer Wirklichkeit schwankte.

Das Theater-Ensemble überzeugte bei ihrem Auftritt für das Stück "Vorhang! Bitte verlassen Sie die Bühne". Bild: tie
von Reinhold TietzProfil

Die beiden Paare auf der Bühne waren mitten in die Handlung einer Komödie involviert. Rupert (Michael Sandner) vertraute der Wirkung seines farblich sehr auffälligen Anzugs ebenso wie der Wirkung seiner großen Stimme, mit der er seine Argumente präsentierte. Seine Frau Sarah (Christina Kostka) blieb dagegen zurückhaltend. Sie wollte die Scheidung von Rupert. Deshalb sind die beiden Gäste nicht zufällig gewählt. Charles (Sebastian Wagner) und Madge (Ilona Glück) arbeiten als Anwälte und sollten ihre Freunde juristisch beraten.

Beide Darsteller pflegten gemäß ihres Berufsbildes eine überlegte Sprechweise. Das verlief solange gut, bis Rupert sich nicht mehr beherrschen konnte. Plötzlich stieg er mitten in der Vorstellung aus seiner Rolle aus und warf seiner realen Ehefrau Madge ihre scheinbar tatsächliche Affäre mit Charles vor. Beeindruckend, wie sich Michael Sandner immer effektiver und intensiver in seine Vorwürfe hineinsteigerte. Der gesamte Verlauf der Komödie wurde von diesem Denken am Rand zwischen Theaterspiel und Realität geprägt - bei Akteuren und Zuschauern - und löste mit den Aussagen, die auf Gedankengänge zwischen Wirklichkeit und Wunsch hinwiesen, bei den Anwesenden immer wieder Erkenntnisse aus, die oft genug in Lachsalven mündeten.

Schmunzeln und Lachen

Ernste Probleme wurden gemäß den Vorgaben des Autors so vorgebracht, dass sie Schmunzeln und Lachen der Zuschauer bewirkten. Dazu trugen auch die weiteren Personen des Stücks bei. Eher ruhig war das Auftreten von Schwester Brown (Karin Mager), die aber damit das Wunschbild einer Betreuerin verkörperte. Gegensätzlich dazu war das Erscheinen von Schwiegermutter Dorothy Cullen (Margit Berkmann), die es schnell schaffte, dass sich die Eskalation der realen Gefühle weiter entwickelte. Ihr gelang es, sich bei den Anwesenden gleichermaßen unbeliebt zu machen. Sogar der seinen Beruf hingebungsvoll verkörpernde Souffleur Jeffrey (Andreas Karl) schaffte nur durch seine Berufserfahrung, einigermaßen ruhig zu bleiben. Der Streit zwischen dem offensiven Rupert und dem eher ängstlichen Charles steigerte sich immer weiter, bis Edward, der Vater, erschien und mit seiner Attitüde als gealterter Schauspieler, der aber noch tadellos aus Shakespeares Stücken zitieren kann, eine neue Dimension in Chapmans Theaterstück eröffnete.

Dirk Dürholz bewies in seiner Rolle, wie nervenaufreibend es sein kann, wenn man als Schauspieler nicht den gewünschten Erfolg erzielt und deshalb Alkohol als Beruhigungsmittel für sich entdeckt. Nicht immer seien seiner Ansicht nach die Preisverleihungen für gute Schauspielarbeit nachvollziehbar. Wie weit das auch in der Realität so abläuft, sei dahingestellt.

Jedenfalls erwies sich die Regiearbeit von Christina Fink-Rester hervorragend geeignet, die Charaktere und die Dramatik des Stücks temporeich vorzuführen. Am Ende wälzten sich etliche am Boden. Ob sie sich nun gegenseitig umbringen oder sich umarmend versöhnen wollten, das weiß man auch im wirklichen Leben nicht immer ganz genau.

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