24.12.2015 - 02:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Stadtmuseum Schwandorf Ausstellung "Wie bei Mutti - Kochen, Backen, Wohnen für Kinderhände"

Schon allein der Aufbau und die Präsentation der unzähligen Teile im Miniformat kosten Zeit und Geduld. Diese Zeit und Geduld sollten sich auch die Besucher der Ausstellung im Schwandorfer Stadtmuseum nehmen, denn sie will mehr als nur eine schöne Winterausstellung von Puppenstuben und -küchen sein.

Die älteste Puppenküche der Ausstellung - eine Leihgabe des Stadtmuseums Weidens - ist, wie die echten Küchen um 1900, in braun gehalten. Sie hat bereits einen geschlossenen Herd, aber noch einen Rauchfang. Die Lebkuchen-Deko ist allerdings neueren Datums. Bilder: Götz (4)
von Autor ELDProfil

Der Titel "Wie bei Mutti - Kochen, Backen, Wohnen für Kinderhände" lässt keinen Zweifel daran, worum es geht: Um das Bestreben jedes Kindes in der Erwachsenenwelt "mitzuspielen", dazu zu gehören, sich groß zu fühlen, zu helfen. Bei der Hausarbeit zum Beispiel. Museumsleiterin Eva Maria Keil spricht ganz bewusst von einer Winterausstellung. Für sie ist der Begriff "Weihnachtsausstellung" zu kurz gefasst. Dass Puppenküchen und -häuser sowie die passenden Küchenutensilien und -accessoires "das Christkind brachte" will sie dabei nicht leugnen. Oftmals wurden die Spielsachen nach Weihnachten weggeräumt und lagen am nächsten Heiligen Abend, mit Neuheiten ergänzt, wieder unterm Christbaum.

Rollengerechte Erziehung

Die Puppenhäuser mit Küche, Schlaf- und Wohnzimmer bilden die Erwachsenenwelt in Miniatur und kindgerecht ab, wobei aber kindgerecht nicht die Triebfeder für die Erschaffung der Spielzeugwelt war. Ein Buch in der Ausstellung aus den Anfängen des 20. Jahrhunderts nennt martialisch die Kinder "Mütterchens Hilfstruppen". Aber nur vordergründig geht es um Unterstützung bei der Hausarbeit, maßgeblich geht es um rollengerechte Erziehung.

"Mädchen sollten sich in ihre spätere Rolle als Hausfrau hineinspielen", sagt Keil. Die Moden und technischen Entwicklungen bei Wohnen, Essen und Kochen spiegeln sich in der Welt der Puppenküche ebenfalls wieder. Dem Geldbeutel der Eltern ist es geschuldet, ob die Mädchen ein großbürgerliches Haus mit mehreren Stockwerken oder eine Zweizimmerwohnung führen. Das Spielzeug ist im Gegensatz zu heute nicht aus Plastik. Da gab es feine Puppenservice, exakt dem Speiseservice der Mama nachgebildet. Herde waren aus Blech, Möbel aus Holz - oft von einem Schreiner handgefertigt, auf Haltbarkeit und Langlebigkeit ausgerichtet. Das Material wandelte sich in den 60-er und 70-er Jahren hin zum schließlich in den 90-ern dominierenden bruchsicheren, leichten, ungefährlichen Plastik. Waren früher die Puppenherde zum Kochen da - befeuert zum Teil mit Esbit - und die Mixer zum Rühren von Teig oder die Bügeleisen zum Bügeln der Puppenwäsche, wird heute nur noch so getan als ob.

Der Ausstellungsrundgang vom Anfang bis zum Ende des 19. Jahrhunderts endet in einer modernen Kochstelle aus Plastik. Alles ist da und nichts funktioniert. "Die Leute sind vorsichtig geworden", sagt Keil. Spielen entfernt sich vom Realen und den Gefahren. Die Mädchen von einst mussten bei ihrer "Hausarbeit" ständig beaufsichtigt werden, schließlich konnten sie sich die Finger verbrennen und noch weitaus mehr "anstellen". Heute ist Spielzeug, dass keine Beaufsichtigung verlangt, die Regel. Der Kaffeeröster "Quieta" hat die "Gefahren" echter Spielsachen erkannt und mit seinem Plastikservice in den 50-er und 60-er Jahren gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Er spendierte beim Kauf seiner Erzeugnisse jeweils ein Teil eines Services. Kinder wurden auf diesem Wege nebenbei mit Firmennamen vertraut gemacht. Weil diese Zugaben auf das Sammeln ganzer Serien ausgelegt waren, forcierten sie den Kauf des Produktes. Auch diese frühen Kaufanreize klammert die Schau nicht aus. Wer hier neben dem großen Ganzen auch das Detail im Blick hat, für den ist diese Ausstellung eine unerschöpfliche Quelle der Kultur- und Sozialgeschichte des 20. Jahrhunderts.

Regensburger Sammlerin

Die Objekte stammen größtenteils von zwei Regensburger Sammlerinnen (Mutter und Tochter), die nicht genannt werden wollen. Ergänzt werden diese Exponate mit Stücken aus dem eigenen Depot und Leihgaben von den Stadtmuseen Nittenau und Weiden sowie vom Oberpfälzer Volkskundemuseum Burglengenfeld. Sie spannen einen Bogen von 1900 etwa bis zum Ende des 20. Jahrhunderts. Wie Keil aus Quellen weiß, gab es zwar schon im 17. und 18. Jahrhundert Spielzeugöfen oder Küchengeschirr. Dies sei aber rar und für private Sammler inzwischen nahezu unerschwinglich.

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