Statt-Theater gastiert im Felsenkeller
Die Welt als Wespen-Orakel

Tobias Ostermeier, Inge Faez und Matthias Leitner (von links) gaben im Felsenkeller zwei Gastspiele. Bild: Hirsch
Kultur
Schwandorf
15.09.2017
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Wenn sich der Martin aus Würselen mit den Mächtigen aus Istanbul, Moskau und Berlin im Schwandorfer Felsenkeller trifft, müssen die Drei vom Regensburger Statt-Theater die Finger im Spiel haben. Tatsächlich landet die Crew aus dem Kellertheater in der Winklergasse einen neuen Coup, den mittlerweile 38. Wieder gelang es Werner Robold, das Trio Inge Faes, Matthias Leitner und Tobias Ostermeier für zwei Auftritte in den Kulturkeller an der Fronberger Straße zu holen.

Der Retro-Wahnsinn

"Smalltalk" zum Aufwärmen. Inge Faez frotzelt über Schönheit und Alter, ihre Partner suchen sich die ersten "Opfer" im Publikum. Wie beneiden sie doch den vor ihnen sitzenden Schwandorfer Oberbürgermeister Anderas Feller, der schwedische Gardinen nur vom Hörensagen kennt. Im Gegensatz zum Regensburger. Die Donau-Metropole ist mit ihrem Stadtoberhaupt über Nacht in ganz Deutschland berühmt geworden. In der Bildzeitung und bei Anne Will. "Regensburg is a Stod, die was hod" intonierten das Trio im Blues-Rhythmus. Vor allem hat es ein schönes Stadion und Fußballer in der zweiten Liga. Aber wie lange.

Auf der Retro-Schiene bewegt sich Tobias Ostermeier, wenn er bis ins kleinste Detail beschreibt, wie er sich der Entwicklung der musikalischen Tonträger angepasst hat. Von der Schallplatte bis zum Streamingdienst Spotify. Und jetzt muss er in der Zeitung lesen: "Die Schallplatte feiert ihr Comeback". Der Retro-Wahnsinn ist ausgebrochen. Mit zwölf auf einem Marmeladenbrot sitzenden Wespen versucht Matthias Leitner, die Welt zu erklären. Den Lottospielern gibt er zu verstehen: "Das ist genauso vielversprechend wie Goldwäsche in der Naab". Trotzdem geben die Leute im Schnitt pro Jahr 400 Euro für Lotto aus. Das Geld sollten sie lieber dem Werner Robold geben, "damit er im Felsenkeller eine hydraulische Drehbühne und einen Orchestergraben einbauen kann".

Gegen den Zeitgeist

Auf Deutschland kommen gigantische Reparationszahlungen zu. Der Türke verlangt Entschädigung für die Kreuzzüge nach Istanbul und der Kreml-Chef Geld für den Verlust der DDR. Die Kellerkinder des Statt-Theaters bieten den Zeitläufen die Stirn, singen und spielen gegen den Zeitgeist, durchleuchten die Phrasendrescher und drehen genüsslich an der Wortschraube. Ganz im Sinne ihres Kabarett-Titels: "Kann denn #twittern #sünde sein".
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