Vergnüglicher Leseabend mit Michael Heuberger und der Satire "Moosgrillia" von Konrad Max Kunz
"Chorsingen geht doch weit über das Pur-Vokale hinaus!"

Kultur
Schwandorf
20.04.2013
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Eine Chorgründung im Dachauer Moos anno 1866. Der Dirigent ist gewählt, ebenso Kassier und Schriftführer. Vorm geistigen Auge flattert bereits die prächtige Vereinsfahne, mit der man freudetrunken von Sängerfest zu Sängerfest eilt. Sänger? Zugegeben, da ist man jetzt nicht ganz so gut aufgestellt, aber für Ein- bis Zweistimmiges sollte es doch reichen. Und überhaupt: "Singen im Chor, das geht doch weit über das Pur-Vokale hinaus!"

Bissige Beobachtungen

Das schreibt einer, der es wissen muss: Der 1812 in Schwandorf geborene Konrad Max Kunz, der sich Mitte des 19. Jahrhunderts nicht nur als Komponist der Bayernhymne einen Namen gemacht hat, sondern auch als zentrale Figur in der damaligen Chor- und Sängerbewegung. Ihm zu Ehren feiert die Stadt Schwandorf alljährlich ein Musik- und Kulturfestival, das in diesem Jahr auch den Schriftsteller Konrad Max Kunz beleuchtet. Viele Besucher zog es am Donnerstagabend zur Lesung ins Oberpfälzer Künstlerhaus, wo der Regensburger Schauspieler Michael Heuberger die fiktive Geschichte von der Gründung der "Moosgau-Sängergenossenschaft Moosgrillia" lebendig werden ließ. Eine herrlich bissige Satire über die Auswüchse im Männerchorwesen, die der erfahrene Chorleiter Kunz im Jahr 1866 verfasste. Und Kunz kannte seine Pappenheimer. Die "Liedertafler", die sich weniger dem Einüben von Chorliteratur, aber mit Übereifer und bewundernswerter Akribie den Fragen der äußeren Präsentation widmeten. Deren Vereinsmeiereien und Rangeleien bis spät in die Nacht und die nicht unerhebliche Rolle von Alkohol bei der Beschlussfindung. Und es finden sich auch Seitenhiebe auf das damalige Musikgeschehen. Auf den Siegeszug von Kunz' Zeitgenossen Richard Wagner, dem der Oberpfälzer unüberhörbar skeptisch gegenüberstand.

"Bayerns größter Hit"

Unüberhörbar zeitgenössisch der "Soundtrack", den das wunderbare Duo Norbert Vollath und Michael Reisinger an diesem Abend beisteuerte. Mit Akkordeon und Blasinstrumenten umrahmte es die Texte mal bayerisch derb, mal ruhig verhalten, mal augenzwinkernd im lärmenden Free-Jazz-Style.

Und wer genau hinhörte, entdeckte immer wieder Anklänge an die Bayernhymne, "Bayerns größten Hit". Unter gleichnamigen Titel ist auch das Buch von Kunz-Kenner und Festivalleiter Thomas Göttinger erschienen, in dessen Anhang man die "Moosgrillia"-Satire nachlesen kann.
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