02.11.2017 - 20:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

WAA-Film: Ex-Landrat Hans Schuierer trifft sein Film-Double Johannes Zeiler Die Legende und ihr Double

Es geschah an einem Ort, den Hans Schuierer immer schätzte. Die Kantine des Schwandorfer Landratsamts: Hausmannskost, vertrauliche Gespräche und Stelle so mancher Entscheidung. 21 Jahre nach seiner Pensionierung traf der Altlandrat dort einen Mann, der ihn nun in einem Film über die WAA Wackersdorf spielt.

Die erste Begegnung dauerte gerade einmal eine halbe Stunde, obgleich ganz sicher vieles zu erörtern gewesen wäre: Der Schwandorfer Altlandrat Hans Schuierer (86, vorne im Bild) traf den aus der Steiermark stammenden Schauspieler Johannes Zeiler (47), der in einem Film um den Widerstand gegen die atomare Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf die Rolle des 1996 in Pension gegangenen Landrats übernommen hat. Bild: Houschka
von Autor HOUProfil

Draußen, rings um den von Peter Mayer gestalteten Brunnen vor dem Landratsamt, wurden Szenen gedreht. Drinnen, in der Kantine, saß Hans Schuierer. Von seinem Wohnsitz im nahen Klardorf hergefahren, um erstmals jemanden zu treffen, der seine Rolle in einem momentan entstehenden Film um die Wiederaufarbeitungsanlage Wackersdorf (WAA) spielt.

"Eine Herausforderung"

Schuierer, in vier Monaten 87 Jahre alt, war gespannt. Denn obgleich dieser von dem aus Sulzbach-Rosenberg stammenden Ingo Fliess produzierte und von Regissseur Oliver Haffner in Szene gesetzte Film seit Jahren in der Planung und Umsetzung war, sollte er den Hauptdarsteller Johannes Zeiler erstmals sehen. Einen Mann aus der österreichischen Steiermark, der später im Trenchcoat eintrat und sagte: "Eine Herausforderung für mich".

Wird der 1970 geborene Zeiler dieser Aufgabe gerecht? Man muss abwarten, bis der WAA-Film nächstes Jahr in die deutschen Kinos kommt. Es gibt viele spannende Fragen: Kann Zeiler den oberpfälzischen Dialekt widergeben? Hat der Schauspieler das stets einfache Leben des Widerständlers aus SPD-Reihen verinnerlicht? Weiß er, dass diese Ikone der Sozialdemokratie im äußersten Fall wie sein Vater unter den Nazi-Schergen auch ins Gefängnis gegangen wäre?

Er habe sich im Vorfeld vieles angeschaut, was über Schuierer im Internet zu sehen ist, sagt Zeiler. Die Auseinandersetzungen am WAA-Bauzaun von Wackersdorf kennt der 47-Jährige über Informationen aus seiner Jugend. Ähnlich wie Produzent Ingo Fliess. Der war als junger Mann vor Ort im Taxöldener Forst und ließ wissen, dass dort etwas geschah, das er so nicht wollte und zutiefst ablehnte.

Erinnerungen erwachen

Das erste Treffen zwischen einer politisch bundesweit bekannten SPD-Legende und einem Schauspieler, dem nun dessen Part in einer für heutige Verhältnisse schier unglaublichen Konfrontation zukommt. Damals eine Nagelprobe für die Demokratie. Nicht vorstellbar für nachwachsende Generationen. "Dieses Geschehen muss festgehalten werden", unterstrich Ingo Fliess im Dialog mit Hans Schuierer. Dabei verdeutlichte der Produzent: Es wird wohl kein Film werden, in dem Franz Josef Strauß und seine CSU-Weggefährten gut wegkommen. Gleichwohl gebe es Unterstützung durch die bayerische Filmförderung. Zeiten können sich ja auch ändern. Selbst im Freistaat.

Am Tisch wurden Erinnerungen wach. Wie man Hans Schuierer (erfolglos) durch die Justiz entmachten wollte. Welche Heiterkeit der damalige Innenminister August Lang erntete, als er mitteilen ließ, Demonstranten würden ihr Honorar in russischen Rubel erhalten. Und wie man Lokalreporter bei Zeitungsverlegern in die Ecke stalinistischer Kommunisten zu drängen versuchte. Mit dem Ziel, sie wegzukriegen. Weil geschriebene Meinung kontraproduktiv erschien.

Man darf gespannt sein. Hans Schuierer ist es. "Für mich", sagte er nach dem Treffen mit seinem Double draußen auf dem Gang, "ist es wichtig, jungen Menschen zu schildern, was damals zwischen 1982 und 1989 geschehen ist."

In einem Landstrich, dessen Bürger sich nicht für dumm und willfährig verkaufen ließen. Schuierer hatte seinerzeit 73 Prozent der Wählersympathie. Wer ihn entmachten wollte, hätte die Armee schicken müssen.

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