13.04.2004 - 00:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Zu Gast bei den 20. Weidener Literaturtagen: der Autor Wolfsmehl - Teil IV Bewundernde Blickrichtung nach Osten

von Stefan Voit Kontakt Profil

Mit dem vierbändigen Werk "Aus dem Tagebuch eines deutschen Toten" machte der Autor Wolfsmehl alias Michael Kumeth, der im Schwandorfer Landkreis lebt und arbeitet auf sich aufmerksam. Es folgten der KZ-Thriller "Zeit der Übertrefflichkeit" und das Drama "Königshaut". Wolfsmehl versteht es, aktuelle Themen der Zeit auf spannende und kritische Weise aufzuarbeiten und in spannende Schrift- und Bühnenformen zu packen.

Ein weiterer Höhepunkt seiner schriftstellerischen Laufbahn ist das Hörspiel "Königshaut". Für diese Produktion, die mit viel positiver Kritik bedacht wurde, konnte er "Focus"-Chef Helmut Markwort und Schauspieler Klaus Maria Brandauer gewinnen. Dieser Hörgenuss ist an 2. Mai in einer Matinee mit anschließender Podiumsdiskussion im Weidener Neue Welt Kino zu hören. Die Veranstaltung ist Auftakt zur Hauptwoche der 20. Literaturtage. Die Kulturredaktion führte mit Wolfsmehl dieses Interview.

"Mitten in Europa - eine Chance für die Literatur" ist Thema der Literaturtage: Braucht die Literatur eine Chance - oder ist sie immer ihren eigenen Weg gegangen?

Wolfsmehl: Für mich war der deutsche Literaturbetrieb viele Jahre wie eine Festung ohne Tor und Fernster, die ich irgendwann im Stabhochsprung genommen habe. Aus dieser Erfahrung heraus - aber auch um die Seichteweile-Buchkommerz-Schwemme zu stoppen - , sage ich, nicht die Literatur braucht eine Chance, sondern die Autorinnen und Autoren, die sie mit Herzblut und Fleiß produzieren und ihre eigenen Wege gehen.

Weiden liegt in der geographischen Mitte des gewachsenen Europas. Wo liegt Ihrer Meinung nach das pulsierende Zentrum Europas?

Wolfsmehl: Während der Weidener Literaturtage in Weiden. Für den Rest des Jahres in Paris

Was bedeutet die Osterweiterung für uns Deutsche? Und welche Aufgaben kann die Kunst dabei leisten?

Wolfsmehl: Die Osterweiterung bedeutet, daß wir Deutsche in Zukunft nicht nur mit dem Zug nach Vladivostok fahren, sondern auch mit dem Auto. Die Aufgabe der Kunst besteht hierbei darin, die Autofahrt möglichst unterhaltsam zu gestalten.

Wir wirkt sich das neue Zusammenwachsen auf die Kultur bzw. auch auf Ihre Arbeit aus?

Wolfsmehl: Ich versuche möglichst viele Theaterstücke und Hörbücher in möglichst vielen Sprachen zu produzieren.

Wird sich unsere Blickrichtung vom Westen her verändern, oder werden wir weiterhin nur vorsichtig nach Osten blicken?

Wolfsmehl: Meine Blickrichtung ging, was die Literatur betraf, immer bewundernd nach Osten. Franz Kafka in Tschechien, Bruno Schulz in Polen und Dostojewski in Russland sind Koordinaten, die es sich von Generation zu Generation lohnt, auf der literarischen Landkarte zu entdecken. Politisch ist mein Blick getrübt. Putin ist, siehe Tschetschenien, kein Friedensstifter; er ist eine vom KGB ausgebildete undurchschaubare Figur.

Welche Erfahrungen haben Sie bislang mit dem Osten gemacht? Haben Sie diese literarisch umgesetzt?

Wolfsmehl: Ich bin nach Prag gereist und von Nepal aus über die Grenze nach Tibet. Alles was dazwischen liegt, kenne ich nicht. Russland ist und bleibt für mich aus der Ferne betrachtet ein Land mit vielen dunklen Geheimnissen. Es erinnert mich an Kafkas Erzählung "Das Schloß".

Was erwarten Sie von den Literaturtagen in Weiden?

Wolfsmehl: Ich lasse alles auf mich zukommen. Weiden ist eine tolle Stadt. Die Menschen erscheinen mir freundlicher als anderswo. Darauf freue ich mich.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.