09.03.2018 - 13:06 Uhr
Schwandorf

Zum 90. Geburtstag von Karlheinz Böhm Ein Kaiser für die Ewigkeit

Er war Schauspieler und sorgte auch als Helfer der Menschheit international für Aufsehen. Am 16. März 2018 wäre Karlheinz Böhm 90 Jahre alt geworden. Erinnerungen an einen Mann, der immer wieder auch in der Oberpfalz war.

von Autor HOUProfil

Es gab kein Festessen. Kantinenkost kam auf die Teller, als ihn der damalige Schwandorfer Landrat Hans Schuierer erstmals zu Gast hatte. Kaum hatte Karlheinz Böhm den Raum betreten, verstummten alle Gespräche. Die Augen ruhten auf diesem Mann, von dem eine schier unglaubliche Faszination ausging. Ihm selbst war solche Popularität mitunter peinlich. Fast schon entschuldigend sagte er: "Aber ich brauche diese Bekanntheit, um für mein Anliegen zu werben." Als Mensch, der für andere Menschen eine Lawine der Hilfsbereitschaft ins Rollen brachte.

Karlheinz Böhm starb am 29. Mai 2014 in seiner österreichischen Wahlheimat Grödig bei Salzburg. In wenigen Tagen, am 16. März 2018, wäre er 90 Jahre alt geworden. Ein Anlass zur Rückschau auf das Lebenswerk des in Darmstadt als Sohn des Dirigenten Karl Böhm geborenen Mannes. Zwei Pfeiler ragten dabei heraus: Die Karriere eines Schauspielers und die selbst auferlegte Rolle des Wohltäters. Dass beides eng miteinander verknüpft war, machte er in zahlreichen Gesprächen mit uns deutlich.

Wenn er redete, mussten Journalisten keine Fragen stellen. Böhm wusste, was sie hören wollten. "Ja, ich stehe zu meinen Sissi-Filmen", unterstrich er nachhaltig und erläuterte auch, wie sehr ihn diese insgesamt drei zusammen mit Romy Schneider, Josef Meinrad, Gustav Knuth und Vilma Degischer gedrehten Produktionen in den Fokus der Öffentlichkeit rückten. Eine fortdauernde Bekanntheit.

Am 1. Dezember 2008 wiederholte er dieses Bekenntnis bei seinem letzten Besuch in Schwandorf noch einmal. Karlheinz Böhm saß zusammen mit der Schauspielerin Elisabeth Trissenaar in der Kebbelvilla. Dabei erzählte der seinerzeit 80-Jährige, wie ihn wenige Tage zuvor eine japanische Autorin besucht und nach den Sissi-Filmen gefragt hatte. "Da", freute sich Böhm, "ist mir endgültig deutlich geworden, dass immer noch weltweites Interesse am Kaiser Franz Joseph herrscht."

Der mit vielerlei Talenten ausgestattete Protagonist trat in 45 Filmrollen auch noch auf ganz andere Rampen. International in "Peeping Tom", national in Rainer Werner Fassbinders "Martha". Auch dazu konnte man ihn befragen, als Karlheinz Böhm später immer wieder in der Oberpfalz erschien, um Spenden entgegen zu nehmen. In Bruck, Burglengenfeld und Wernberg-Köblitz beispielsweise. Dann aber auch in der Stadt Weiden bei den NT-Verlegern Barbara Panzer, German Vogelsang und Barbara Shanahan.

Dem Schwandorfer Landrat Schuierer eng verbunden, reiste der Schauspieler Mitte der 1980-er Jahre auch an, als die atomare Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) bei Wackersdorf errichtet werden sollte. Da stand er fassungslos an einem wuchtigen Bauzaun und drückte mit erkennbarer Erschütterung aus: "Was machen die hier? Wir müssen das gemeinsam verhindern." Es wurde verhindert. Irgendwo auch deswegen, weil er seine Stimme erhob. Am 16. Mai 1981 hatte sich Böhms Leben grundlegend verändert. Den Minimalbetrag von einer Mark erbat er sich von jedem Zuschauer der "Wetten, dass ..."-Sendung. Sein Verlangen scheiterte zwar. Doch es flossen 1,3 Millionen. Damit ging Karlheinz Böhm nach Äthiopien und begann damit, den Ärmsten der Armen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben. "Menschen für Menschen" wurde diese bis heute fortdauernde Aktion genannt.

Unterdessen sind in Äthiopien 428 Schulen, 2284 Wasserstellen und 101 Gesundheits-Institutionen entstanden. Weitgehend durch ihn, den "Mr. Karl", wie sie den mit höchsten Orden ausgezeichneten Schauspieler nannten. Über lange Zeit hinweg auch mit seiner aus Äthiopien stammenden Ehefrau Almaz. Böhms gigantisches Lebenswerk mündete zwischenzeitlich in eine Stiftung. Ihr Ratsvorsitzender ist der ehemalige Münchener Oberbürgermeister Christian Ude.

Am Ende seines Lebens war Karlheinz Böhm dement. Er konnte nicht mehr öffentlich auftreten. Doch in Erinnerung bleibt, wie er entspannt auf der Terrasse des Schwandorfer Gasthauses Baier an der Naab saß und uns in den Notizblock diktierte: "Es gibt keine erste, zweite und dritte Welt. Wir leben alle auf dem gleichen Planeten."

Buchtipp

Zum 90. Geburtstag ist eine Biografie von Karlheinz Böhm erschienen: Günter Krenn: "Die Welt ist Bühne" ( 432 Seiten mit 58 Abbildungen, 24 Euro, Aufbau-Verlag) . Der Autor schildert darin den Lebensweg des in Darmstadt geborenen Schauspielers, der als Protagonist große Mühe hatte, sich aus dem Schatten seines Vaters, des weltbekannten Dirigenten Karl Böhm, zu lösen und zu eigener Identität zu finden. Krenn schildert den Protagonisten Karlheinz Böhm in ähnlichen Worten, die der Schauspieler auch in Interviews gegenüber unserer Zeitung gebrauchte: "Ohne Sissi wäre mein ganzes Leben sicher anders verlaufen. Ich verdanke diesen Filmen vor allem meine große Bekanntheit."

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.