30.09.2012 - 00:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

24-Jähriger klaut in Drogeriemarkt Duftwässer und läuft Polizeibeamten in die Arme - ... Typischer Fall von Beschaffungskriminalität

von Autor HWOProfil

Pech für den Dieb: Mit geklauten Duftwässern im Mantel lief der 24-Jährige aus einem Schwandorfer Drogeriemarkt und rannte direkt in die Arme eines Polizeibeamten. Von einem Amberger Schöffengericht bekam der Übersiedler aus Regensburg nun 21 Monate Haft und wurde, da hochgradig drogenabhängig, in eine langfristige Entzugstherapie eingewiesen.

Staatsanwalt und Verteidiger waren sich einig: Es handelte sich um einen typischen Fall von Beschaffungskriminalität. Der 24-Jährige, während der gesamten Verhandlung schweigsam, konsumierte zuletzt bis zu vier Gramm Heroin am Tag, brauchte deshalb hohe Geldbeträge und war im Grunde genommen völlig mittellos. Am 7. März dieses Jahres tauchte er in Schwandorf auf, stahl in einem Drogeriemarkt an der Breite Straße drei teuere Parfums im Wert von nahezu 250 Euro und türmte Hals über Kopf, als beim Verlassen des Geschäfts ein Warnsignal ertönte.

Entscheidende Frage

Eine Verkäuferin beobachtete die rasche Flucht und rief auf die Straße hinaus: "Halten Sie den Mann fest!" Wie es der Zufall wollte, war draußen gerade ein Bundespolizeibeamter mit seiner Frau unterwegs. Der Beamte, zu diesem Zeitpunkt nicht im Dienst, reagierte sofort. Er schnappte sich den Ladendieb, drückte ihn an eine Wand und hielt den Täter, der sich gegen seine Festnahme wehrte und Beleidigungen wie "Sch...bulle" von sich gab, an eine Wand. Die Frau des Bundespolizisten alarmierte unterdessen eine Schwandorfer Funkstreifenbesatzung.
War es ein räuberischer Diebstahl? Diese Frage beschäftigte jetzt das Amberger Schöffengericht unter Vorsitz von Amtsgerichtsdirektor Ludwig Stich. "Nein", befanden die Richter. Denn nach dieser Rechtsgrundlage könne ein Beschuldigter nur dann verurteilt werden, wenn er versucht habe, seine Beute mit Gewalt in Sicherheit zu bringen. Das sei hier nicht der Fall gewesen. Bei seiner beherzten Aktion hatte sich der Beamte ein Knie verdreht, er musste eine Woche im Krankenstand zubringen. Was blieb, war Diebstahl im Einklang mit Beleidigung. Das reichte aus für eine längere Haftzeit. Denn nur wenige Wochen nach dem Vorfall in Schwandorf hatte der zuvor schon erheblich vorbestrafte 24-Jährige in Regensburg ebenfalls diverse Ladendiebstähle begangen. Da dort die Justiz unterdessen ein Urteil sprach, musste jetzt eine Gesamtstrafe gebildet werden. Der Übersiedler erhielt 21 Monate Haft. Er nahm das Urteil sofort an.

Vor dem Amberger Schöffengericht legte der medizinische Sachverständige Dr. Georg Lotter dar, dass der Angeklagte "hochgradig drogenabhängig" sei. Bis zu vier Gramm Heroin am Tag soll er zuletzt konsumiert haben. Lotter sah eine verminderte Schuldfähigkeit gegeben und empfahl den Richtern dringend, den Mann in eine mindestens zweijährige Therapie zu schicken. Diese Maßnahme wurde dann auch angeordnet. In den letzten Jahren hatte der 24-Jährige mehrfach Therapien abgebrochen. Jetzt muss er den Entzug im Regensburger Bezirksklinikum zwangsweise machen.

"Er handelte unter Suchtdruck", sagte Richter Stich in seiner Urteilsbegründung und fügte hinzu: "Wir haben es hier mit einem typischen Fall von Beschaffungskriminalität zu tun."

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