27.05.2004 - 00:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Ausschuss erörtert Situation der Spätaussiedler - Kriminalitätsrate drastisch gesenkt Großes Bedauern um Schließung des Treffs

von Autor HOUProfil

Die Nachricht für den Jugendhilfeausschuss des Kreistages zwar zweigeteilt. Die erste: Spätaussiedler aus den GUS-Staaten sind keineswegs in Besorgnis erregendem Maße an der Kriminalitätstatistik in der Stadt Schwandorf beteiligt. Die andere Botschaft: Die Caritas wird ihren Treff für jugendliche Übersiedler in Schwandorf schließen. Ausschließlich fehlender Mittel wegen, wie der Ausschuss erfuhr.

Massiv eingeschritten

Vor dem Jugendhilfeausschuss, der im Landratsamt unter Vorsitz von Landrat Volkler Liedtke tagte, referierte der Schwandorfer Polizeihauptkommissar Hans Winklmann und nannte dabei Zahlen, die dazu angetan waren, Vorurteile auszuräumen. Der stellvertretende Inspektionsleiter erinnerte daran, dass es vor wenigen Jahren immer wieder Ärger und Verdruss mit jungen Aussiedlern gegeben habe. Besonders am Marktplatz.

Daraufhin, so Winklmann, sei massiv eingeschritten worden. Mit durchaus respektablem Erfolg. Nicht nur, dass die Polizei permanent Präsenz zeigte und sofort einschritt. Sie suchte auch Eltern auf, informierte sie vom Treiben ihrer Sprösslinge. Die wussten meist nicht, was die so in der Schwandorfer Innenstadt angestellt hatten.

Seither gibt es bei der Polizei in Schwandorf eine Langzeitstudie, der sich Entwicklungen sehr genau entnehmen lassen. "Ein wichtiges Instrument", sagte Hans Winklmann und beschrieb den gegenwärtigen Kriminalitätsanteil von Spätaussiedlern als sehr normal und im üblichen Rahmen. Zahlen dazu: Letztes Jahr wurden in Schwandorf 1801 Straftaten verübt und 1246 davon geklärt. An diesen 1246 geklärten Delikten waren 114 Leute aus den GUS-Staaten beteiligt. Das entsprach 8,6 Prozent.

Interessant dabei: Es gab nur eine gefährliche Körperverletzung, die Übersiedlern zugeschrieben werden musste. Hinzu kamen zehn vorsätzliche Körperverletzungen, neun Drogendelikte, vier Sachbeschädigungen und zwei Raubverbrechen. Außerdem standen 46 Ladendiebstähle in der Statistik, bei denen Übersiedler die Täter waren. Demgegenüber, so berichtete der Hauptkommissar, seien im Jahr 2001 noch genau 50 Prozent Anteil bei allen gefährlichen Körperverletzungen auf Personen aus GUS-Staaten entfallen. Jetzt mache dieser Anteil nur noch drei Prozent aus.

Sehr zufrieden

"Wir sind sehr zufrieden mit dieser momentanen Sachlage", unterstrich Hans Winklmann und äußerte "größtes Bedauern" über die Schließung des Treffs für junge Spätaussiedler durch die Caritas. "Das war ein beliebter Anlaufpunkt", sagte der Hauptkommissar und sah den Landrat an seiner Seite. Allerdings fügte Volker Liedtke hinzu: "Es ist wie überall in dieser Zeit: Es fehlt am Geld".

Lässt sich noch etwas tun? Obzwar die Räume bereits gekündigt sind, regten mehrere Mitglieder des Ausschusses Gespräche an. Ganz besonders der evangelische Pfarrer Arne Langbein, der darauf verwies, dass er bei Schwandorfs Oberbürgermeister Helmut Hey gewesen sei und für einen "runden Tisch" plädiert habe, um die Situation zu besprechen. Dieser "runde Tisch" aber sei bisher nicht einberufen worden.

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