Der Saxofonist und Klarinettist Werner Riedhammer im Porträt - Erste Auftritte schon in den ...
Ein musikalisches Leben voller Swing

Lokales
Schwandorf
04.05.2013
27
0

Musik hält jung. Anders kann man sich kaum erklären, dass Werner Riedhammer trotz seiner 83 Jahre so vital ist. Wenn der Vollblutmusiker erzählt, blättern sich Jahrzehnte voller Swing und Dixie auf. Jazz war sein Leben und ist es immer noch, auch wenn Riedhammer nicht mehr auftritt.

Viele Geschichten haben sich in jener halben Ewigkeit angesammelt, in der der Schwandorfer mit wechselnden Big Bands auf den Bühnen der Oberpfalz und weit darüber hinaus stand. Eine schöne Episode trug sich gleich zu Beginn zu, 1943. Werner Riedhammer war damals ein junger Teenager und paddelte auf der Naab bei Krondorf. Plötzlich hörte er moderne Musik. "Ich bin den Tönen nach und habe Bert Kehrer kennen gelernt, einen deutschstämmigen Ungarn, den es nach Schwandorf verschlagen hatte. Der hat mir dann das Saxofon spielen beigebracht."

Nur für die Amerikaner

Jung-Werner, der in der Schule bereits Geige gelernt hatte, fand mit dem Saxofon und der Klarinette die Instrumente seines Lebens. Und mit Bert Kehrer einen Mann, der ihn in seine Band aufnahm. Das Land war nach dem Krieg im Umbruch, Swing und Dixie die Musik der Zeit. "Und wir haben diese Musik gespielt, ausschließlich für die Amerikaner." Das machte Spaß und war einträglich.

In der Bert-Kehrer-Band, die drei Jahre lang in den vielen Clubs der GIs zu hören war, absolvierte Werner Riedhammer zahllose Auftritte - mit ihm in der Combo unter anderem der Schwandorfer Trompeter Manfred Humbs, der später in der CSU Karriere machte und langjähriger Landtagsabgeordneter war.

Ab 1953 eigene Big Band

Als mit der Währungsreform 1948 die Bert-Kehrer-Band auseinanderbrach, trat Werner Riedhammer beruflich in die Fußstapfen seines Vaters Michael, eines bekannten Schwandorfer Schneidermeisters, der sein Geschäft an der Friedrich-Ebert-Straße hatte (etwa gegenüber dem heutigen Finanzamt). Wie sich zeigen sollte stand Sohn Werners große Zeit als Musiker erst noch bevor. . .

Sie kam, als Riedhammer 1953 eine eigene Big Band gründete, die "Kapelle Riedhammer". Die Band produzierte eine damals hochmoderne Tanzmusik, die sich an amerikanischen Vorbildern wie Glenn Miller oder Benny Goodman orientierte. 17 Jahre lang war diese Gruppe Stammgast auf den Bühnen zwischen Weiden und Regensburg, Amberg und Oberviechtach. Bis nach München eilte ihr ein guter Ruf voraus, so dass auch aus der Landeshauptstadt Einladungen für Auftritte kamen. Und immer war es der Swing, der den Ton angab. Als sich der allgemeine Musikgeschmack Ende der 1960er Jahre aber in Richtung Hardrock und Pop änderte, stellte Riedhammer das Saxofon für einige Zeit ins Eck. "Das war nicht das meine." Nicht, dass er gar nicht mehr gespielt hätte, "denn ein Musiker macht immer Musik und irgendwas zu spielen gibts immer". Aber die Kapelle löste sich auf und Riedhammer orientierte sich auch beruflich neu, weil das Schneiderhandwerk nicht mehr rentabel genug war.

Amberg als neues Zentrum

Schließlich ereilte ihn 1984 ein Ruf aus Amberg. Die Big Band "Swing & Dixie Locomotion" benötigte einen fähigen Leiter und dieser Aufgabe widmete er sich die nächsten 19 Jahre mit Hingabe. "Ihr Sound fegte die Zuhörer von den Sitzen" jubelte damals die "Amberger Zeitung" über den alten Swing im Stil der 1940er Jahre, über Latin, Rock und Funk und schrieb von "Volldampf-Jazz mit internationalem Touch".

Musikalische Geburtshilfe leistete Riedhammer kurz vor der Jahrtausendwende bei der neuen Schwandorfer Big Band "Swing-A-Ling-Ding" - damals war er 69 Jahre alt, was seiner Spiellaune keinen Abbruch tat. 2004 war es dann aber doch soweit. Mit 75 Jahren sagte der begnadete Virtuose der Bühne Lebwohl.

Wenn jemand sein ganzes Leben Musik gemacht hat, dann darf man auch die Frage nach seinem Lieblingsstück stellen. Werner Riedhammer muss nicht lange nachdenken. "Das ist Stardust, ein Stück von 1929, meinem Geburtsjahr." Es findet sich auf der CD "Jazz from Amberg" (1991) der Swing & Dixie Locomotion. Ein dreiminütiges, gefühlvolles Klarinetten-Solo, das viel über den Jazz-Musiker Werner Riedhammer sagt, der mit Titeln wie diesem in der Region zur Jazz-Legende wurde. . .
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.