27.04.2004 - 00:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Die "Kulinarische Stadtführung" feierte Premiere - Vier Stunden, die ihre Reize haben Ein Spaziergang und vier Gänge

Der Tourismus ist ein hart umkämpftes Geschäft. Wer da Erfolg haben will, muss zündende Einfälle haben. Pfiffige Ideen, die andernorts noch nicht im Angebot stehen. Zum Beispiel eine "Kulinarische Stadtführung", wie es sie seit dem vergangenen Sonntag in Schwandorf gibt.

von Autor HOUProfil

Im Eiltempo ist eine solche Exkursion nicht zu absolvieren. Denn schließlich sollen sich delikates Essen und wissenswerte Informationen zu etwas verbinden, von dem man später sagt: "Da machen wir wieder mit". Vier Stunden dauert die "Kulinarische Führung", deren Premiere dank Rosmarie Riedel und Irene Duscher von der Stadt zu einem erinnernswerten Ereignis geriet.

Lockere Plauderei

Treffpunkt beim Glockenspiel am Marktplatz, dann ein kurzer Spaziergang hinüber zur alten Stadtmauer, hinein in die engen Gassen. Rosmarie Riedel, die Gästeführerin, versteht sich auf die Kunst, zu keiner Sekunde Langeweile aufkommen zu lassen. Wenn sie den Leuten "ihre" Stadt Schwandorf zeigt, dann geht das nie mit Zahlenbergen, Statistiken und einem Paket erdrückender Geschichtsdaten einher. Die gibt's woanders. Bei ihr nicht.

Stattdessen wird locker geplaudert. Über die Frage, wie der Stiefel ins Stadtwappen kam und auf welche Weise Schwandorf seinen Namen erhielt. Von Hufschmieden erfährt man und von Färbern, vom lange zurück liegenden Viehmarkt auf der Breite Straße und vom Brand, der anno 1504 den größten Teil der Stadt zerstörte.

Da hörten selbst solche aufmerksam zu, die von sich glaubten, viel über Schwandorf zu wissen. Auch sie erfuhren Neues. Essen und Trinken hält nach einem guten bayerischen Spruch Leib und Seele zusammen. Besonders dann, wenn etwas auf die Tische kommt, das von sich behaupten kann, typisch für die Oberpfalz zu sein. So kehrte man ein und bekam in der "Alten Hufschmiede" dunkles Bier samt einem Vorspeisenteller serviert. Mit "O'batztem" und kaltem Schweinebraten, Forellenfilet und einem Häubchen aus Sahnemeerrettich darauf. Lecker.

Die Geschichte der "Post"

Droben in der "Post" am Marktplatz wartete eine gute halbe Stunde später der zweite Gang. Kartoffelsuppe wurde aufgetragen, fein mit Majoran vom Koch gewürzt und versehen mit einer Reihe "eingestreuter" Informationen der Gästeführerin.

Zum Beispiel, dass vor Jahrhunderten bereits durch das Geschlecht derer von Thurn und Taxis eine Posthalterei in Schwandorf eingerichtet wurde. Manche wussten es schon. Dies aber bestimmt nicht: Die Postgartenstraße hat ihren Namen, weil dort ein gewisser Postmeister Meier in dem ihm gehörenden Gärten die von langer Kutschenreise müden Pferde weiden ließ. Natürlich darf bei einer Schwandorf-Tour das schier endlose Kellerlabyrinth nicht fehlen. Tief stiegen die Teilnehmer am Sonntag hinab und waren sich einig: "Immer wieder ein Erlebnis". Vielleicht auch, weil diese handbehauenen Gewölbe ein so gigantisches Ausmaß haben und sich damit Fragen verbinden, die man wohl niemals wird restlos klären können. Das aber macht ganz sicher den besonderen Reiz dieser für Einheimische wie Touristen sehenswerten Keller aus.

Lendchen und Pralinen

Dann brach die Nacht herein und die vierte Stunde der "Kulinarischen Führung" an. Im "Maxx" am oberen Marktplatz wurde der Hauptgang in Form Schweinelendchen in Blätterteig serviert. Nicht lange darauf neigte sich die allererste Veranstaltung dieser Art ihrem Ende zu. Mit einer Einkehr im Café Brunner. Köstliche Confiserien ließ Konditor Hans Brunner reichen und erzählte allerlei über sein Handwerk. Brunner ist ja als Schöpfer der "Konrad-Max-Kunz-Pralinen" bekannt.

Natürlich hat der kulinarische Gang durch Schwandorf seinen Preis. Der ist allerdings mit 20 Euro durchaus zivil angesetzt und liegt, gemessen am Gebotenen, wirklich an einem sehr gästefreundlichen Limit.

Wichtig erschien Irene Duscher aus dem Tourismusbüro der Stadt ein Hinweis: "Man kann eine solche Kulinarische Führung auch als Geschenkgutschein haben". Gute Idee für solche, die Freunden oder Verwandten einmal zeigen wollen, dass Schwandorf neben vielen geschichtsträchtigen Winkeln auch eine äußerst passable Gastronomie besitzt.

Bildergalerie im Internet:

oberpfalznetz.de, Netzcode 50548779

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