19.08.2009 - 00:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Die stellvertretende Vorsitzende der Schwandorfer Jusos über Nazis und Karl Marx Lieber mit Links als mit der FDP

Bärbel Roidl (21) gehört eine Gründergeneration an, denn 2008 hob sie nach langer Pause in Schwandorf wieder einen Juso-Verband aus der Taufe und ist nun stellvertretende Vorsitzende. Im Interview spricht sie unter anderem über den Kampf gegen Nazis.

Nicht nur auf dem Papier sozial: Barbara Roidl engagiert sich bei einem Kindertag der Jusos in Wackersdorf. Bild: Götz
von Wolfgang Würth Kontakt Profil

Die SPD-Umfrageergebnisse sind momentan ziemlich schlecht. Macht es dir überhaupt Spaß, Mitglied bei Jusos und SPD zu sein?

Roidl: In unserer Region steht die SPD sehr gut da. Wir stellen den Schwandorfer Bürgermeister und den Landrat. Für die SPD insgesamt scheint die Lage tatsächlich nicht so gut. Aber bis zur Wahl ist noch Zeit und viele Wähler wissen noch nicht, wen sie wählen. Deshalb kann sich die Situation noch sehr verändern.

Die Jusos machen oft den Eindruck, dass sie relativ unabhängig von der SPD sind, eine andere Meinung vertreten.

Roidl: Wir sind tatsächlich sehr eigenständig. Man kann Juso-Mitglied sein, ohne in die SPD einzutreten. Insgesamt sind wir Jusos etwas sozialer und idealistischer als die SPD.

Auf der Homepage der Schwandorfer Jusos steht ein Zitat Karl Marx' als Spruch der Woche. Das scheint eher zur Linkspartei zu passen.

Roidl: Die Ideen Karl Marx' sind schon immer ein Bestandteil der Sozialdemokratie und besonders der Jusos. Aber eben nur ein Teil. Ein Teil, der euch mit der Linkspartei verbindet. Wie stehst du zu dieser Partei, die sich ja teilweise von der SPD abgespalten hat?

Roidl: Naja, deren Ansichten sind schon recht utopisch. Allerdings glaube ich, dass es einfacher wäre, mit ihnen Kompromisse zu finden, als mit der CSU oder der FDP. Nur in Sachen Außenpolitik geht meine Meinung in eine andere Richtung.

Wie kamst du zu den Jusos?

Roidl:Das hat mit meinen Eltern zu tun. Meine Mutter ist SPD-Vorsitzende im Schwandorfer Stadtteil Fronberg und zweite Bürgermeisterin. Sie hat mich gefragt, ob ich Mitglied werden will. So war ich in der SPD bevor ich den Jusos beitrat, denn die gab es hier noch gar nicht.

Seit eurer Gründung müsst ihr euch in Schwandorf mit Nazis herumschlagen. Wieso gibt es bei euch relativ viele Rechtsradikale und was macht ihr gegen sie?

Roidl: Viele der Nazis, die in Schwandorf ihr Unwesen treiben, kommen von außerhalb, weil die Stadt zentral liegt und gut an den Verkehr angebunden ist. Das heißt aber nicht, dass es nicht auch Schwandorfer Nazis gibt, auch wenn das viele Schwandorfer Bürger noch unterschätzen. Deshalb versuchen wir zu informieren und aufzuklären. Die Nazis sind meist gut geschult, so dass es schwer ist, mit Argumenten gegen ihre Hetze anzukommen. Wir machen mit dem Juso-Landesverband häufig Seminare, die helfen, die falschen Argumente aufzudecken. Welche Aktivitäten stehen bei den Schwandorfer Jusos ansonsten auf dem Plan?

Roidl: Wir sind natürlich auch eine Jugendorganisation und beteiligen uns an Bürgerfesten und anderen kulturellen Aktivitäten. An jedem ersten Montag im Monat treffen wir uns um 19 Uhr im Gasthaus Mehrl in Schwandorf. Allerdings geht es bei uns natürlich vor allem um Politik. Der Bezirksverband veranstaltet für Neumitglieder Sommerschulen, in denen politische Grundlagen vermittelt werden. Wir sind keine reine Spaßvereinigung.

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