06.09.2014 - 00:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Dr. Hein im Künstlerhaus: "Happening, Performance, Bildinszenierungen" Das Ungewöhnliche zeigen

Wie Künstlerhaus - Leiterin Andrea Lamest schon ankündigt: Im Künstlerhaus trifft man sie alle, ob sie jetzt Yoko Ono, Marina Abramovic oder sonst wie heißen. Nicht gerade allzu viele, aber doch hochinteressierte Zuhörer hatten sich eingefunden, um den Ausführungen von Dr. Helmut Hein über Aktionskünstler zu lauschen. Der Vortrag war Teil der Reihe "Kunst und Philosophie" .

Dr. Helmut Hein bei seinem Vortrag im Künstlerhaus. Bild: tie
von Reinhold TietzProfil

Immerhin handelt es sich bei "Happening" oder "Performance" um Kunst jenseits des üblichen Rahmens, oder wie Hein meinte, weniger um zeitüberdauernde fertige Schöpfungen als vielmehr um Zeitfetische, wie sie sich aus neu zusammengestellten Handlungsabläufen ergeben.

Diese Stilrichtungen moderner Kunst, die als "Happening, Performance, Bildinszenierungen" bezeichnet werden, zielen eben nicht auf möglichst vollendete Werke in Bewegungslosigkeit, sondern gestalten einen so noch nicht erlebten Bewegungsablauf. Nach Ansicht dieser Akteure sind vollendete Kunstwerke von Stimmungen des Betrachters beeinflusst und beeinflussen ihn ebenso, bleiben dabei aber immer statisch. Aktionen jedoch entstehen jedes Mal neu und fordern deshalb vom Erfinder immer neue Ideen zur Verwirklichung.

Die Hoffnung der Kunstschöpfer: Weil ihre Kunst sich ständig verändern kann, vermag sie ins Leben übergehen, Teil des Lebens werden, mehr sein als etwas, das man Minuten lang anschaut oder anhört, und wenn man nächstes Mal kommt, steht es immer noch so da oder klingt genauso. Dadaisten und Futuristen dachten diese Ideen zuerst an. Hein widmete sich der künstlerischen Entwicklung dieses Denkens in unsere Zeit hinein. In den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gab es die "Performance", in welcher der Künstler tonangebend eine Handlung vollführte, die sein Publikum gebannt verfolgte.

Im "Happening" dagegen wurde die Trennung von Produzierendem und Zuhörerschaft aufgehoben, die Zuhörer waren Bestandteil des Aktionismus. Diese neuen Denkweisen kombinierten eingespielte Verhaltensweisen mit dem vergänglichen Augenblick, forderten neue Sehens- oder Hörensweisen und erweiterten damit den Bereich der Kunst. Christoph Schlingensief war ein Regisseur, der Performance in Opern von Richard Wagner aufleben ließ und in neuartigen Bildinszenierungen alte Seh- und Hörgewohnheiten überwand. Yoko Ono, die Witwe von John Lennon, ließ drei Akteurinnen vom Publikum mit Scheren bearbeiten, worauf die Frauen schließlich keine Haare mehr am Kopf hatten und kaum noch Kleidung am Körper trugen. Nahe an der Grenze von Kunst zu Kitsch war das vielleicht.

Die Entgrenzung von Kunst wird aber schon seit rund 240 Jahren vorangetrieben, seit allmählich die Emanzipation von Auftraggebern und Regeln voranschritt. Und dazu meint Hein, dass alles, was Künstler tun, Kunst ist. Marina Abramovic und ihr Lebensgefährte stellten sich in einem engen Türrahmen einander gegenüber. Das Publikum ihrer Veranstaltung musste sich zwischen ihnen durchdrängeln. Angekleidet natürlich, während die beiden Happening-Künstler nackt waren. Ein Themenkomplex (körperliche Nähe) wurde in einem neuen Kontext vorgestellt.

Und damit zeigte sich: Ein Aktions-Kunstwerk muss gemäß den Ansichten von Dr. Helmut Hein seismische Qualitäten besitzen, dann berührt es - äußerlich und innerlich - diejenigen, die mit ihm zu Akteuren verwandelt werden. Und die Fähigkeit, den Menschen zu berühren, war schon immer der aufwühlende Sinn und die selbsterkundende Fähigkeit von Kunst.

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