31.08.2014 - 00:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Kartierer nehmen Biotope im Landkreis unter die Lupe - Neue Bestandsaufnahme nach 25 Jahren Große Inventur in der Natur

1525 Biotope gibt es laut letzter Kartierung im Landkreis Schwandorf. Doch sie liegt 25 Jahre zurück. Existieren die wertvollen Lebensräume noch im gleichen Umfang? Wie haben sie sich entwickelt? Sind Flächen "verschwunden"? Es ist Zeit für eine Inventur: Fünf Kartierer sind im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Umwelt im Landkreis unterwegs.

Zwergstrauchheide und Bärlapp sind auf dem Skiliftgelände zu finden. Makus Ducheck vermerkt alles in seinen Kartier-Unterlagen. Bild: Völkl
von Claudia Völkl Kontakt Profil

In den Karten des Landesamtes für Umwelt (LfU) sind auf 150 000 Hektar Fläche des Landkreises Schwandorf 4230 Hektar mit über 10 000 Biotop-Einzelflächen verzeichnet. Doch das Material ist 25 Jahre alt. Mit der Neukartierung möchte das Landesamt für Umwelt feststellen, wie es aktuell um die schützenswerten Flächen mit ihrer Artenvielfalt bestellt ist. Wie sieht es damit im Landkreis Schwandorf aus? "Hier beträgt die Biotopfläche drei Prozent", so Michael Stellmach vom LfU in Augsburg, der dieses Projekt zusammen mit Diplom-Geoökologen Rudolf Necker betreut. Man liegt also etwas unter dem Bayern-Schnitt von vier Prozent.

Bis zum Winter

"In 25 Jahren kann sich viel verändert haben", so Michael Stellmach. Offenlandbiotope wachsen zu, verbuschen. Die Beschattung macht manchen Arten das Leben schwer. Nass, trocken, steil: Was nicht wirtschaftlich bearbeitet werden kann, wird nicht selten aufgeforstet. Andere Flächen hingegen werden planiert und entwässert, um sie wirtschaftlich nutzen zu können.

Die Ergebnisse der fünf Kartierer werden die Veränderungen an den Tag bringen. Sie orientieren sich an Kartenblättern im Maßstab 1:25 000, an Luftaufnahmen. Derzeit haben die Kartierer Hochsaison. Sie arbeiten bis Wintereinbruch, dann geht es im nächsten Frühjahr weiter. Insgesamt sind für die Aktion zwei Jahre veranschlagt.

Genauer Schlüssel

Markus Ducheck ist einer der erfahrenen Fachleute. Im Bereich seiner Kartenblätter ist er bereits "zu einem Drittel durch". Es geht gut voran. Mit Karte und Kartierschlüssel ist er unter anderem am Nabburger Skilift unterwegs. Er entdeckt Zwergstrauchheide und Bärlapp - etwas Besonderes. Registriert werden Flächen über 1000 Quadratmeter. "Das heißt aber nicht, dass kleinere Flächen nicht schützenswert wären", so Ducheck. Doch für die Kartierung müsse im Sinne der Übersichtlichkeit eine Grenze festgesetzt werden.

Untersucht werden übrigens auch die Lebensraumtypen der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH). Das ist wichtig für die Managementplanung in den FFH-Gebieten. Ausgenommen sind hingegen Waldgebiete.

Michael Stellmach hat eine detaillierte Anleitung erarbeitet. Die Biotope werden im Maßstab 1:5000 kartiert. Dabei erfassen und beschreiben die speziell ausgebildeten Kartierer die für den Naturschutz wichtigen Flächen und die dort wachsenden Pflanzen. Für ein Biotop muss die darin vorkommende typische Pflanze 25 Prozent der Fläche bedecken. Weitere Pflanzen, die im speziellen Biotoptyp vorkommen könnten, werden ebenfalls gesucht. Sind sie in einer bestimmten Stückzahl vorhanden, wird das bei der Kartierung vermerkt. "Noten" gibt es auch, wenn eine besonders schützenswerte Art das Biotop auszeichnet. Der Kartierer vermerkt auch den Pflegezustand und was zu tun ist, um eine Fläche wieder in Idealform zu bringen. Die Umweltschützer haben im Sinne der Artenvielfalt bei ihrer Arbeit ein großer Ziel im Auge: Biotopverbünde statt "Verinselungen".

Basis für Planungen

Die Biotopkartierung hat noch einen zweiten Grund: Auf die Daten ist die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt bei der Beurteilung von flächenvereinnahmenden Bauprojekten angewiesen. Wenn es um Ausgleichsmaßnahmen oder Förderungen geht, muss man auf einen exakten Ist-Stand zurückgreifen können. Diese Basis-Infos über wertvolle geschützt Flächen benötigen auch Kommunen bei Landschafts- und Grünordnungsplänen für Bau- und Gewerbegebiete. (Hintergrund)

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