Künstler Gunter Demnig verlegt Stolpersteine und erinnert an Schicksal von verfolgten Familien
Verbeugung vor den Opfern

Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte gestern in der Schwandorfer Innenstadt 17 "Stolpersteine" zur Erinnerung an Nazi-Opfer. Bilder: rid(2)
Lokales
Schwandorf
24.04.2013
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In der Friedrich-Ebert-Straße 13 wohnte einst die jüdische Familie Friedmann und führte dort ein Herrenbekleidungsgeschäft. Von den Nazis enteignet, gedemütigt und entrechtet, floh die Mutter mit ihren Söhnen nach Kuba, nachdem Vater Jakob 1937 verstorben war. Seit gestern erinnern fünf Stolpersteine an das Schicksal dieser Familie.

Verlegt hat die Steinquader der Kölner Künstler Gunter Demnig, der seit 20 Jahren in ganz Europa unterwegs ist, um die Miniatur-Denkmäler in den Boden einzusetzen. Schwandorf war gestern seine 840. Station. "Die Menschen, die hier vorbei gehen, sollen mit dem Kopf und dem Herzen stolpern", wünscht sich der Steinmetz. Deshalb meißle er auch keine Platten in die Wand, sondern setze Steine in den Boden, "damit sich die Menschen vor den entrechteten, verschleppten und ermordeten Opfern verbeugen müssen".

Für Oberbürgermeister Helmut Hey ist es ein Stück Kultur, sich der Vergangenheit zu erinnern, "auch wenn sie nicht immer rühmlich war". Die heutige Generation müsse sich für Frieden und Freiheit einsetzen und verhindern, "dass sich die Geschichte wiederholt". Die Gedenksteine sollen an das Schicksal der Betroffenen erinnern und uns "gedanklich darüber stolpern lassen".

Für die beiden Geistlichen Hans Amann und Milton Jandrey symbolisieren die Mahnmale "ein kollektives Gedächtnis und die Erinnerung an die Gräueltaten". Imam Hakif Sekmen von der türkisch-islamischen Kulturgemeinde zitierte den Propheten Mohammed, "für den alle Menschen gleich waren, unabhängig von ihrer sozialen und kulturellen Herkunft".
Gunter Demnig verlegte insgesamt 17 Steine (Kosten pro Stück 120 Euro) an vier verschiedenen Standorten: Friedrich-Ebert-Straße 12 und 13, Dr.-Martin-Luther-Straße 2 und Höflinger Straße 2. Schülerinnen der Mädchrealschule St. Josef berichteten jeweils über das Schicksal der dort lebenden Familien Friedmann, Karl, Bloch und Waldmann. Das Bläserensemble der Stadt begleitete die Aktion musikalisch. An der Aktion beteiligte sich auch Wolfgang Meischner, der bei einer Bürgerversammlung den Antrag zur Verlegung der Stolpersteine gestellt hatte.
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