26.05.2004 - 00:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Kunden gingen Versicherungskaufmann auf den Leim - Auch CSU-Parteikasse geplündert Gelder in Millionenhöhe abkassiert

von Autor HOUProfil

Der Mann schien seinen Kunden überaus kompetent zu sein. So vertrauten sie ihm ihr Geld an und wurden es los. Seit gestern verhandelt die Große Strafkammer beim Landgericht Amberg gegen einen 28 Jahre alten Versicherungskaufmann, der Leute aus dem gesamten Landkreis Schwandorf um insgesamt eine Million Mark gebracht haben soll.

Über eine halbe Stunde lang brauchte der Staatsanwalt, bis er alle 44 Einzelfälle aufgelistet und danach einen Bilanzstrich unter den Schaden gezogen hatte: Annähernd eine Million Mark. Diese Währung spielt vor der Strafkammer deswegen noch eine Rolle, weil sich die Anlagebetrügereien vornehmlich zwischen den Jahren 2000 und dann bis August 2003 zutrugen.

Es ging um Wertpapieranlagen und Aktien, um das Vorgaukeln bester Gewinnchancen und um Kunden, die dann, wenn sie ihre Verluste merkten, mit ein paar Tausendern ruhig gestellt wurden. In jedem Fall aber waren sie die "Lackierten" und mussten den Hauptteil ihrer investierten Summen als nicht mehr beibringbar abschreiben.

Nur einer machte Gewinn

Der 28-Jährige, seit August letzten Jahres in U-Haft, pflegte von seinem Büro in Maxhütte-Haidhof aus mit Klienten zu telefonieren und ihnen große Renditen in Aussicht zu stellen. Die meisten gingen ihm auf den Leim. Warum das so war, deutete der Kammervorsitzende LG-Präsident Klaus Demmel in einem Nebensatz aus den Akten an: "Sie müssen uns erklären, warum es da einen einzigen Kunden gab, der 200 000 Mark Gewinn einstrich". Da, so Demmel, könne schon der Verdacht aufkommen, "dass da jemand sein sollte, der Reklame für Sie macht".

Der Versicherungskaufmann schien in der Tat eine Art "Geheimtipp" für Geldanlagen und Renditen zu sein. Meist investierten die Leute fünfstellige Summen bei ihm. Mal 30 000 Mark, dann wieder auch "nur" 10 000. Mit diesen Beträgen, so ergab sich zum Auftakt des auf drei Tage angesetzten Prozesses, wurden dann mitunter solche Kunden einstweilen zufrieden gestellt, denen der 28-Jährige Geld schuldete.

Der Angeklagte, im modischen Anzug erschienen, beschrieb sein über mehrere Jahre gehendes "Geschäft" so: "Es war der reinste Schwachsinn, was da passiert ist". Vor 1999, sagte er der Strafkammer, "habe ich ein ganz normales Leben geführt". Doch dann habe er sich vorgenommen, Immobiliengeschäfte zu machen, außerdem auch ein teueres Grundstück gekauft. "Da bin ich dann zu diesen Machenschaften gekommen".

Auch Partei geprellt

Es gab noch einen weiteren gravierenden Sachverhalt, den ihm der Staatsanwalt vorhielt. Der 28-Jährige soll in seiner Eigenschaft als Ortskassier der CSU Maxhütte-Haidhof die Parteikasse um rund 20 000 Mark geplündert haben. Dies geschah zwischen Juli 1999 und Dezember des Jahres 2000.

Fast 14 000 Mark hat er davon zurück bezahlt. Doch den Haidhofer Christsozialen blieb bis heute ein 6000-DM-Loch in ihrer Kasse. In diesem einen Fall spricht der Anklagevertreter von Untreue, in allen anderen von Betrug.

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