Maikundgebung im Stadtpark: Redner für Mindestlöhne - KAB bei DGB-Veranstaltung
Existenzsicherung durch gute Arbeit

Unter die Gewerkschaftsmitglieder mischten sich auch Vertreter der Katholischen Arbeitnehmerbewegung. 150 Teilnehmer an der DGB-Kundgebung in Schwandorf marschierten vom Marktplatz zum Stadtpark. Bilder: rid (2)
Lokales
Schwandorf
01.05.2013
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Von Steuerhinterziehung bis Schwarzarbeit, von Leiharbeit bis Lohndumping und von sozialer Schieflage bis Altersarmut reichten die Themen, die der mittelfränkische Regionalleiter der Industriegewerkschaft BAU, Hans Beer, bei der Kundgebung zum 1. Mai im Stadtpark ansprach. Er rief die 150 Zuhörer auf, an der "Modernisierung der Gesellschaft in einem sozialen Europa" mitzuarbeiten.

In Begleitung der Musikkapelle Dachelhofen marschierten die Teilnehmer vom Marktplatz hinüber zum Stadtpark. Dort erinnerte DGB-Kreisvorsitzender Wolfgang Kurzendorfer an das Motto des diesjährigen Gewerkschaftstages und bekräftigte die Forderung nach "guter Arbeit, sicheren Renten und einem sozialen Europa". Oberbürgermeister Helmut Hey vertrat angesichts wachsender sozialer Ungerechtigkeit die Meinung: "Wir brauchen den 1. Mai dringender denn je".

Angebot reicht nicht

Der Kreisvorsitzende der Katholischen Arbeitnehmerbewegung, Franz Pointl, wiederholte die Forderung des kirchlichen Verbandes nach einem "gesetzlichen Mindestlohn von 9,70 Euro in der Stunde". Gute Arbeit brauche eine existenzsichernde Lohnuntergrenze. Der Sonntag müsse für die Familien arbeitsfrei bleiben und dürfe nicht zur Gewinnmaximierung der Unternehmer missbraucht werden, so Pointl. Der KAB-Vertreter forderte eine "Energiewende, die die Kosten sozial gerecht verteilt". Wörtlich sagte Franz Pointl: "Es ist ein Skandal, dass die Energiewende auf Kosten von Umwelt und Ressourcen verschleppt wird, um die Gewinner der Unternehmen zu steigern".
Thomas Hiltl, Betriebsrat bei der Firma Krones, kündigte für die nächsten Tage erste Warnstreiks der IG Metall an. Auf die Gewerkschaftsforderung von 5,5 Prozent mehr Lohn habe der Arbeitgeberverband mit einem Angebot von 1,9 Prozent reagiert. Für den Arbeitnehmervertreter "eine bodenlose Frechheit". Dies sei weniger als der Inflationsausgleich und käme damit einer Senkung des Reallohnes gleich.

Konkrete Vorschläge

Hauptredner Hans Beer bekannte sich zu einem gemeinsamen Europa und wünschte sich einen "Marshall-Plan" für die gebeutelten Arbeitnehmer in Griechenland und Spanien. Auch Deutschland sieht er angesichts drohender Altersarmut vor einer "riesigen Herausforderung". Der DGB-Regionalleiter machte Vorschläge zur Finanzierung der Renten: Stärkere Besteuerung der Spekulantengewinne und hohen Einkommen, Verteilung der Lasten auf alle Schultern, Abschaffung der Beitragsbemessungsgrenze und Deckelung der Rente bei 4000 Euro im Monat. Nach 44 Arbeitsjahren sollte ein Arbeitnehmer ohne Abzüge in Rente gehen können.
Beer trat für einen gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde ein und stellte fest: "Über fünf Millionen Menschen in Deutschland arbeiten für weniger". Der DGB-Vertreter sah durch die Leiharbeit, die Werksverträge und befristeten Arbeitsverhältnisse das Mitspracherecht der Arbeitnehmer in Gefahr. Er forderte zudem die politischen Entscheidungsträger auf, Steuerhinterziehung und Schwarzarbeit stärker zu verfolgen und härter zu ahnden.
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