28.05.2004 - 00:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Prozess um Bürgermeister Alfred Jäger setzt sich fort Das Ringen um Wahrheit

Der Prozess um den Wackersdorfer Bürgermeister Alfred Jäger geht weiter. Zumindest vorerst. Am gestrigen Verhandlungstag gab es von Seiten der Strafkammer in Amberg keine Äußerung zu einem anwaltschaftlichen Begehren, das Betrugsverfahren sofort zu beenden.

von Autor HOUProfil

Noch immer steht der Gärtnermeister Franz S. (54) im absoluten Mittelpunkt des Mammutverfahrens. Auch gestern wurde der Belastungszeuge der Staatsanwaltschaft wieder vernommen. Zwei Stunden lang und mit dem Blick auf eine Baumaßnahme in Teublitz. Das wiederum hatte wenig mit Alfred Jäger zu tun. Wohl aber mit dem neben ihm auf der Anklagebank sitzenden Landschaftsarchitekten Franz R. (55).

Bei der Errichtung des Teublitzer Kindergartens gab es seinerzeit eine Art "Regieschaden" an einer Terrasse, den Gärtner S. mit seinen Leuten zwar nicht angerichtet, aber dann beheben musste. 7000 Mark kostete das. "Wer zahlt?", will der Gärtnermeister gefragt haben. Daraufhin, so berichtete Franz S. gestern der Strafkammer, habe man ihm sinngemäß von Seiten des Landschaftsarchitekten R. wissen lassen: "Die eine Hälfte der Hochbauarchitekt, die andere Hälfte rechnest du in die Gemeindeverbindungsstraße Wackersdorf ein".

Die Vernehmungen des Belastungszeugen S. gehen mit größter Akribie vonstatten. Immer und immer wieder Fragen gleichen Inhalts, von der Anwaltschaft geforderte Wortprotokollierung und Gewichtung bei buchstäblich jeder Einzelziffer. Nicht immer kann sich Franz S. erinnern, mitunter kommt es zu Widersprüchen. Hier allerdings hält man ihm vor: Bei belastenden Momenten könne er sich sehr genau erinnern, bei anderen nicht.

Franz S. kann wegen seines Gesundheitszustandes nur zwei Stunden lang befragt werden. Auch gestern hielt der Kammervorsitzende Kurz Engelhardt diese Zeitspanne genau ein. Allerdings weiß der Gärtnermeister unterdessen, dass er am 22. Juni wiederkommen und weiter aussagen muss. Auch das wird dann mutmaßlicherweise nicht das letzte Mal sein.

Eine Äußerung zu dem anwaltschaftlichen Begehren, das Verfahren gegen Alfred Jäger zu beenden, gab die Strafkammer gestern nicht ab. Wohl aber antwortete sie auf einen anderen Antrag der Jäger-Anwälte Dr. Jan Bockemühl und Peter Grau. Sie hatten gewünscht, den "Kronzeugen" Franz S. zum jetzigen Zeitpunkt auf einen Teil seiner bisherigen Aussagen zu vereidigen. Das wurde vom Gericht abgelehnt. "Seine Vernehmungen sind nicht abgeschlossen, auch nicht im Hinblick auf den Hausgarten des Angeklagten Jäger", unterstrich Engelhardt und ließ wissen, Franz S. habe nach dem Ende der insgesamt gemachten Aussagen mit einem Eid zu rechnen.

Den heutigen Prozesstag wird die Kammer mit dem Verlesen von Schriftstücken zubringen, danach setzt sich das bisher längste Verfahren in der Amberger Justizgeschichte erst am 8. Juni fort.

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