27.07.2013 - 00:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Richard Vollath läuft in den 80er Jahren für Nürnberg und Augsburg auf Auge in Auge mit dem Kaiser

Als Franz Beckenbauer - Weltmeister, Europameister und personifizierte Lichtgestalt - an jenem Sommertag im Jahr 1981 beim Abschiedsspiel von Georg Volkert im HSV-Trikot auf dem Platz steht, hat er es mit einem ambitionierten Fußballtalent zu tun, das den Kaiser an diesem Tag gerne ein bisschen ärgern würde. Fast gelingt es: Der Jungspund erzielt um ein Haar den Siegtreffer für den 1. FC Nürnberg. Das Trikot der Franken trägt der Schwandorfer Richard Vollath.

von Benjamin Tietz Kontakt Profil

Anfang der 80er Jahre schafft der Fußballer aus der Großen Kreisstadt den Sprung in den Profifußball: Mit der Bayernliga-Torjägerkanone als Visitenkarte stehen die Interessenten Schlange, die das junge Talent verpflichten wollen. Auch Vereine aus der Zweiten Liga und der Bundesliga wollen sich die Dienste von Richard Vollath sichern. Der damals 21-Jährige entscheidet sich für den 1. FC Nürnberg, wo er hofft, seinem großen Traum vom Fußballstar ein ganzes Stück näher gekommen zu sein.

Doch die erste Saison verläuft schleppend: Meistens auf der Auswechselbank, debütiert Richard Vollath für den "Club" in der Bundesliga, als er im letzten Saisonspiel gegen Dortmund eingewechselt wird. "Da war ich schon sehr nervös", beschreibt er nun seine damaligen Gefühle, als ihm Trainer Udo Klug gesagt hatte, dass er sich fertig machen soll.

Wechsel nach Schwaben

Es bleibt sein einziger Bundesligaeinsatz für die Nürnberger. Wenige Monate später entschließt sich Vollath, der beim TuS Dachelhofen als Neunjähriger das Fußballspielen begonnen hatte, zu einem Vereinswechsel. Augsburg, Zweite Bundesliga: Hier läuft es für den Schwandorfer auf Anhieb besser. Vollath steht regelmäßig auf dem Platz und schießt auch das ein oder andere Tor für den FCA. Der Haken: Die Schwaben plagen immense finanzielle Probleme. "Teilweise", erinnert sich der damalige offensive Mittelfeldspieler, "haben wir drei Monate lang auf unser Geld warten müssen". Die Folge: Abstieg.
Vollath entscheidet sich dafür, zunächst in den Amateurfußball, der ihn groß gemacht hat, zurückzukehren: Er schürt seine Schuhe wieder in der Bayernliga - zum Beispiel für die SpVgg Weiden, Jahn Regensburg oder den VFL Frohnlach. Als er 27 Jahre alt ist, kommt ein einschneidendes Ereignis, das den weiteren Weg des Fußballtalentes aus dem Landkreis Schwandorf entscheidend prägen wird: Vollath bekommt ein gutes Jobangebot bei Krones in Nittenau. Das stellt den jungen Fußballer vor die Wahl: Sicherheit oder Risiko - und vielleicht doch noch den fußballerischen Sprung nach ganz oben schaffen?

Schwere Entscheidung

Der heute 54-Jährige entscheidet sich für den Beruf und beendet seine aktive Karriere - zumindest in den höheren Ligen. "Ich habe heute keine Existenznöte, andererseits mache ich mir schon öfters Gedanken, was gewesen wäre, hätte ich den großen Sprung gemacht. Ich bin irgendwo schon der Träumer, der sagt 'es wäre schön gewesen, ein paar mehr Bundesligaspiele gemacht zu haben', aber insgesamt gesehen war es dennoch eine Superzeit", erinnert er sich. Fortan ist Vollath bis Mitte der 90er Jahre in unteren Klassen aktiv, bevor er endgültig Schluss macht.
Nach einer kurzen Pause gibt er dann jahrelang sein Wissen als Trainer weiter. Seine letzte Station war der SV Haselbach, wo er bis vor ein paar Jahren an der Seitenlinie stand. "Es ist eine schöne Zeit als Trainer, aber auch ziemlich stressig. Der Beruf darf ja nicht darunter leiden", schildert der Ex-Profi, der mittlerweile seinen Lebensmittelpunkt in Ensdorf hat und nach wie vor als Abteilungsleiter bei Krones arbeitet. Der Kontakt zum FC Nürnberg ist auch nach wie vor noch vorhanden: Als der "Club" 2007 im DFB-Pokal-Finale in Berlin stand, lud er alle Profis ein, die 1982 im Frankfurter Waldstadion gegen den FC Bayern München um den DFB-Pokal gespielt hatten. Auch Richard Vollath war bei diesem legendären Spiel mit dem berühmten "Turban"-Tor von Dieter Hoeneß im Kader der Franken.

Die Fußballschuhe schnürt er nur noch ganz selten: Ab und an kickt er ein bisschen mit alten Freunden, aber hauptsächlich ist Richard Vollath mittlerweile Fan. Sohn René ist nämlich in die Fußstapfen seines Vaters getreten - auf einer ganz anderen Position, aber nicht minder erfolgreich: Als Torwart schaffte René Vollath sogar den Sprung in die Junioren-Nationalmannschaft.

In der zweiten Liga

Über Burghausen führte das Torwarttalent der Weg nun in die zweite Liga zum Karlsruher Sportclub. Vater Richard wird sicherlich oftmals auf der Tribüne sitzen, wenn der Sohn das Tor des KSC hütet - vielleicht denkt er das ein oder andere Mal daran, wie er fast den Kaiser geärgert hatte. Damals, 1981.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Nachrichten per WhatsApp und Facebook Messenger

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.