Rotary-Club spendet für Polio-Opfer - Leiden lindern
Impfung scheitert an Fundamentalisten

"Interplast"-Arzt Dr. Jan Matussek berichtete über Hilfsmöglichkeiten für Polio-Kranke. Bild: rid
Lokales
Schwandorf
04.05.2013
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Auf allen Vieren kriechen die Jugendlichen dahin, denen der Polio-Virus die Gelenke verstümmeln ließ und die zeitlebens seelisch und körperlich an der Kinderlähmung zu leiden haben. Einen Eindruck vom Leid der Betroffenen vermitteln die Bilder des französischen Fotografen Jean-Mark Giboux, die bis 24. Mai in der Sparkasse zu sehen sind.

Bei der Eröffnung der Ausstellung am Donnerstag berichtete Dr. Jan Matussek den Mitgliedern und Gästen des Rotary-Clubs Schwandorf über seine Arbeit in den Entwicklungsländern. Der Leitende Oberarzt am Asklepios-Klinikum Bad Abbach ist Mitglied von "Interplast", einer gemeinnützigen Organisation für plastische Chirurgie in den Ländern der Dritten Welt.

Gemeinsam mit seiner Kollegin Dr. Barbara Dünzel, Anästhesistin am Schwandorfer St. Barbara-Krankenhaus, fliegt er regelmäßig nach Indien, um sich dort um Polio-Opfer zu kümmern. "Wir können Polio nicht rückgängig machen", stellte der Chirurg klar. In einzelnen Fällen könne eine Operation eine Verbesserung bringen. In erster Linie gehe es aber darum, orthopädische Hilfestellungen zu leisten. "Dazu aber fehlt vor Ort das Geld", so Dr. Matussek. Einen Rollstuhl könne sich in Indien kaum jemand leisten.
Die Betroffenen mit Spendengeldern zu unterstützen, sei aber nur ein Teil der humanitären Hilfe. Viel wichtiger ist für den Mediziner die Prävention. In seinem Bemühen, in den Entwicklungsländern Impfkampagnen zu starten, stößt er aber regelmäßig auf den Widerstand religiöser oder politischer Fundamentalisten.

So bringe die "Polio-Geißel" in Nigeria oder Pakistan nach wie vor ungeheures Leid über die Kinder. Dort seien die Neuerkrankungsfälle "nicht wesentlich gesunken", so das Mitglied von "Interplast". Deutschland dagegen sei seit 1990 und Europa seit 2002 poliofrei.

Drei gefährdete Länder

Dass dies einmal auch weltweit so sein wird, dafür setzt sich der Service-Club "Rotary" seit mittlerweile 25 Jahren ein. "Unser Ziel ist es, die Welt von der Kinderlähmung zu befreien", betonte Präsident Franz-Josef Schneider. Gemeinsam mit Behörden, Hilfswerken und Stiftungen sei es gelungen, im vergangenen Vierteljahrhundert 2,5 Milliarden Kinder zu impfen und die gefährdeten Länder von 125 auf drei zu reduzieren. Rotary habe sich weltweit mit 1,2 Milliarden Euro an den Kampagnen beteiligt, so Schneider. Jetzt gelte es, alle Anstrengungen zu unternehmen, um den Virus auch in Afghanistan, Pakistan und Nigeria auszurotten.
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