19.08.2014 - 00:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

"Steinzeit live" mit Lothar Breinl seit 17 Jahren eine Ferienaktion im Stadtmuseum Feuerstein und Smartphone

"Warum graben Archäologen eigentlich so gerne in Gräbern?" fragte Lothar Breinl in die Runde. Er erklärte sofort, dass die Steinzeitmenschen dachten, die Toten würden weiterleben. Dafür haben sie sie mit Grabbeigaben ausgestattet. Diese Utensilien sind in Gräbern besser erhalten als in anderen Fundgruben.

Benedikt (rechts) bekommt beim Aktionsnachmittag auch das richtige Make-up: Lothar Breinl bemalt ihn mit aus Steinen hergestellten Farben.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Findet ein Archäologe ein Skelett in einem Grab, dann lässt sich meist ganz gut erkennen, ob es sich um eine Frau oder einen Mann handelt. Ein Armreif am Oberarm, Feuersteinmesser und Äxte sind typische Grabbeigaben bei Männern. Manchmal hatten die Toten auch Mützen auf, "die sind total schön mit Schnecken verziert, die gab's nur in der Donau", erzählte Breinl den Kindern bei der Aktion "Steinzeit live" im Stadtmuseum und zeigte das Bild mit dem Diaprojektor.Für einige Kinder gehöre das Gerät schon zur Steinzeit, scherzte Museumsleiterin Eva Maria Keil. Einen Diaprojektor kennen nicht mehr alle. Und wie groß waren die Häuser der Steinzeitmenschen? "Ganz klein", meinte ein Junge - aber weit gefehlt.

Breinl weiß, dass sie "riesig waren, bis zu 55 Meter lang". Ein solches Haus, 36 Meter lang, wurde erst ein einziges Mal in Deutschland aufgebaut, im Tiergarten Straubing kann man es besichtigen. Der Steinzeit-Experte erklärte auch, wie die Leute damals Kleber aus Birkenrinde hergestellt haben und wie man am Skelett die Herkunft der Menschen erkennen konnte.

Die wichtigsten Handwerkstechniken damals waren das Feuermachen und das Herstellen von Werkzeugen und Waffen. Ein Kind vermutete, dass auch das Baumfällen wichtig war, doch der experimentelle Archäologe entgegnete, "wir werden heute aber kein Holz fällen. Der Stadtpark ist zu weit weg."

Wie man Feuer mit Feuerstein und Katzengold, Zunderwolle und Heu entfachen kann, zeigte Breinl im Hof. Einer der Teilnehmer hat das gleich mit seinem Smartphone festgehalten. "Kehlheim war praktisch ein Industriegebiet für Feuersteine. Gute Feuersteine gab es nur dort, da mussten sie alle hin", meinte Breinl. Bei aller Liebe hätte die Steinzeit für ihn einen Nachteil: "Steine sind schwer." Bevor die Kinder selbst als kleine Steinzeitmenschen töpfern und Muscheln schleifen durften oder sich von Breinl passend schminken ließen, musste noch eine wichtige Frage geklärt werden.

Der Archäologe wollte von ihnen wissen, was der Unterschied zwischen Alt- und Jungsteinzeit sei. Zusammen haben die Kleinen die richtige Lösung gewusst: Während die Menschen in der Altsteinzeit noch als Jäger und Sammler wanderten, waren sie in der Jungsteinzeit bereits sesshafte Bauern.

Seit 17 Jahren kommt der experimentelle Archäologe Lothar Breinl jeden Sommer ins Stadtmuseum Schwandorf, um beim Ferienprogramm Kinder über die Steinzeit zu informieren. Über dieses Engagement freute sich auch Keil. "Steinzeit live" war ihre erste museumspädagogische Aktion, die sie als neue Leiterin der Einrichtung eingeführt hat. In diesen Ferien bietet das Stadtmuseum noch weitere Aktionen für Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren an. Heute um 14 Uhr ist Kinder-Führung im Museum. Es gibt noch freie Plätze, nur die Wollwerkstatt am 3. September ist bereits ausgebucht.

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