17.03.2012 - 00:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Uwe Kass zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt - Der tiefe Fall eines Hoffnungsträgers Die Mär vom integren Kandidaten

"Sie können sich darauf verlassen, dass das, was ich heute sage, auch morgen noch gilt." So klang Uwe Kass als OB-Kandidat der CSU im Jahr 2008. Seit gestern gilt: Uwe Kass ist ein Betrüger, Urkundenfälscher. Dafür schickte ihn die Wirtschaftsstrafkammer am Landgericht Regensburg für vier Jahre und sechs Monate in Haft.

Uwe Kass (links) wurde von der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts Regensburg zu einer Haftstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt. Seine Verteidiger Michael Haizmann und Jörg Meyer (von rechts) hatten auf maximal vier Jahre plädiert. Dennoch nahm Kass das Urteil noch im Gerichtssaal an. Bild: Hösamer
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Als Uwe Kass damals an Haustüren der Schwandorfer klingelte, unterstützt von ehrbaren CSU-Mitgliedern für sich warb, hatte er den Unternehmer Hans W. gerade um drei Millionen Euro betrogen. Wie ein Phönix aus der Asche war Kass 2007 wieder auf der politischen Bühne aufgetaucht, nachdem er 2003 den Fraktionsvorsitz und später auch sein Mandat im Stadtrat abgegeben hatte. Bald wurde öffentlich, dass Kass Oberbürgermeister werden will. Am 26. Juli 2007 gab ihm die CSU ein einstimmiges Nominierungs-Votum mit auf den Weg.

Sagenhafte Rendite

Da war es fast auf den Tag genau einen Monat her, dass Uwe Kass mit dem Unternehmer einen Darlehensvertrag über drei Millionen Euro unterzeichnet und das Geld auch bekommen hatte. Sagenhafte 100 Prozent Rendite versprach der da schon designierte CSU-Kandidat, binnen eines Jahres. Hans W. glaubte dem integer auftretenden Kass, zumal der eine gefälschte Honorarvereinbarung mit der RWE Power AG vorlegte, nach der dem Steuerberater 10,5 Millionen Euro aus einem Griechenlandgeschäft zustünden.
"Ich möchte, dass Schwandorf geplant und gut in eine bessere Zukunft geht," versprach Kass in einem Fernsehinterview vor der Wahl. Geplant hatte Kass ganz Anderes, schrieb ihm nun die Kammervorsitzende Elke Escher ins Urteil: Nämlich mit den Millionen von Hans W. erst einmal eigene Schulden zu begleichen. Angesichts der hohen Summe wertete das Gericht das als einen besonders schweren Fall des Betrugs.

Klotzen, nicht kleckern, so lief auch der Wahlkampf 2008: Beinahe keine Plakatwand, von der nicht Kass mit leuchtend oranger Krawatte dafür warb, "besser für Schwandorf" zu sein. Kraftstrotzende Auftritte bei zahllosen Wahlkampfabenden inklusive, bei denen Uwe Kass als der künftige "Macher" keinen Zweifel aufkommen ließ, dass er mit aller Kraft der künftige Oberbürgermeister werden will. Wie er als Amtsinhaber seine riesigen Schulden hätte abtragen wollen, wird wohl sein Geheimnis bleiben. Er habe auf ein Geschäft im Irak gehofft, sagte Kass dazu vor Gericht. Man konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, dass er zumindest zum Schluss selbst an sein eigenes Lügengebäude geglaubt hat.
Wahltag war der 2. März 2008 - und Uwe Kass verlor. Mit gut 40 Prozent der Stimmen gegen den amtierenden OB Helmut Hey. Auch das, so schien es zumindest nach außen, trug Uwe Kass mit Fassung. Bis zum Zahltag für sechs Millionen Euro an den Unternehmer waren es da noch vier Monate.

Das gewonnene Mandat als Stadtrat trat Uwe Kass an. Ende Juli 2008 brach das betrügerische Kartenhaus, das der heute 46-Jährige aufgebaut hatte, dann zusammen. Eine Bank forderte 800 000 Euro. Kass fälschte einen Wechsel über 10,5 Millionen, wollte so von der Raiffeisenlandesbank Oberösterreich einen Kredit erreichen. Mitarbeitern von Hans W. legte er ein weiteres gefälschtes Schreiben vor, um den Zahltag hinaus zu zögern. Dann ging nichts mehr. Uwe Kass gestand in einem Brief an die Regensburger Bank den Betrug, ließ Frau und Kind im Stich und tauchte unter, bis ihn die Polizei im Juli 2011 in Düsseldorf festnahm.

Fünf Millionen Schulden

Strafrechtlich ist die Geschichte für Kass abgeschlossen, er nahm das Urteil noch im Gerichtssaal an. Möglicherweise kommt er Ende 2013 frei, wenn er sich gut führt. Rund fünf Millionen Euro an Schulden, so Anwalt Jörg Meyer, warten dann auf Uwe Kass. Er wolle soviel wie möglich zurück bezahlen, versprach der in seinem Schlusswort. Arbeiten, irgendwo, nicht in Schwandorf. In seiner Heimatstadt, hatte sein Verteidiger Michael Haizmann im Plädoyer gesagt, sei Kass von vielen Bürgern geächtet. Ein harter Begriff. Aber wohl nahe an der Wahrheit. (Seite 3)

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