29.05.2004 - 00:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Vier Jahre und drei Monate für einen, der viele Leute um ihr Geld brachte Wegen Betrugs lang in Haft

Ein paar konnten die Finanzverluste wohl verschmerzen. Andere aber wurden um ihre Existenz- und Altersversorgung gebracht. Ganz besonders das wurde einem 28-Jährigen aus Maxhütte-Haidhof verübelt, als ihn die Große Strafkammer beim Landgericht Amberg zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilte.

von Autor HOUProfil

Der Mann hatte im Jahr 2000 damit begonnen, einem immer größer werdenden Kundenkreis hohe Renditen bei Aktien- und Anlagengeschäften zu versprechen. In einem Fall zahlte sich dies zunächst mit rund 200 000 Mark Gewinn für einen Klienten aus. Ab dann strömten die Interessenten nur so ins Haus des damals 25 Jahre alten Versicherungskaufmanns.

Der als "Fachmann" und "Experte" empfohlene Haidhofer aber war ein Betrüger. Er legte nicht einen Pfennig an, prellte seine Kunden um über eine Million Mark und sorgte, nach einigen kleineren Rückzahlungen, für einen effektiven Vermögensschaden von 800 000 Mark. "Ob er den wohl je zurück zahlen kann?", fragte sich jetzt die unter dem Vorsitz von LG-Präsident Klaus Demmel tagende Strafkammer.

Mehrere Stunden lang hatte der 28-Jährige am Dienstag ein umfassendes Geständnis abgelegt und damit, so Demmel, "dem Gericht enorm geholfen". In diesem Geständnis kam auch vor, dass der Mann weit über seine Verhältnisse lebte und durch einen Grundstückskauf hoch verschuldet war.

Unter denen, die er mit den angeblichen Gewinngeschäften an der Nase herum führte, befanden sich Leute, die ihm das für ihre Altersversorgung und Lebensexistenz gedachte Geld zur "Vermehrung" gaben. Besonders darin sah die Staatsanwaltschaft einen groben Vertrauensbruch und hielt dem Angeklagten vor, gewerbsmäßig vorgegangen zu sein. Der Strafantrag: Vier Jahre und acht Monate Haft.

Drei Jahre seien genug, hielt die Verteidigung dagegen. Im Plädoyer war von einer "Selbstdarstellungsneurose" des Kaufmanns die Rede. "Er ist immer von Tat zu Tat gestolpert", hörte man danach. Letztlich, so der Regensburger Anwalt Schmidl, habe die ganze Sache "eine Art Eigendynamik entwickelt". Diese "Eigendynamik", dies zur Anmerkung, führte schließlich dazu, dass sich die Betrugsopfer irgendwann solidarisierten und sogar eigene Versammlungen einberiefen. Ihr Geld sahen sie dadurch nicht wieder.

In seiner Urteilsbegründung beschäftigte sich der Kammervorsitzende Klaus Demmel ausführlich mit der Person des 28-Jährigen. Der Mann habe bis 1999 ein "viel versprechendes Leben geführt", den Ruf eines glänzenden Geldfachmanns besessen. Das habe ihm arglose Kunden in die Arme getrieben - "Leute, die praktisch anstanden, um ihr Bares los zu werden".

"Doch alles", so LG-Präsident Demmel, "war ein Dominospiel, bei dem die Steine fallen mussten". Denn der Versicherungskaufmann habe seine Kunden von Anfang an bewusst betrogen. An die Adresse des aus der U-Haft vorgeführten Angeklagten sagte Demmel danach: "Ob Sie das Ausmaß Ihres Tuns wirklich erkennen, daran zweifele ich".

In einem weiteren Anklagepunkt war dem 28-Jährigen vorgehalten worden, in seiner Eigenschaft als Schatzmeister die Parteikasse des Haidhofer CSU-Ortsvereins geplündert zu haben. Auch das räumte er ein. (Siehe dazu nebenstehenden Artikel).

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