06.09.2017 - 20:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Absenkung der Naab am Bayernwerk-Wehr: Anlieger in Dachelhofen fürchten Schäden an ihren Häusern Aufgestaute Verunsicherung

Die Anwohner verunsichert und sauer, der Stadtrat erst mal ratlos: Die geplante Absenkung des Naabpegels am ehemaligen Bayernwerkwehr in Dachelhofen sorgt für Wirbel. Das Wasserwirtschaftsamt (WWA) Weiden hat die Absenkung um zunächst 40 Zentimeter beantragt. Genehmigungsbehörde ist das Landratsamt.

Das ehemalige Bayernwerk-Wehr, in Dachelhofen auch "Stauwehr" genannt, soll auf lange Sicht zurückgebaut werden. Im ersten Schritt soll der Pegel des Stausees um 40 Zentimeter abgesenkt werden. Das Stauwerk besteht seit 87 Jahren und stellte einst die Kühlwasserversorgung des Dampfkraftwerks sicher.
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Im Ferienausschuss des Stadtrates am Montag war das Thema vertagt worden - weil unklar war, ob die Stadt "nur" als Grundstückseigentümer oder als "Träger öffentlicher Belange" Stellung zu dem Verfahren nehmen soll, wie Franz Schindler (SPD) moniert hatte. Laut Beschlussvorlage sollte dies nur als Grundstückseigentümer erfolgen. Das ist offenbar falsch, wie der Sprecher des Landratsamtes, Hans Prechtl, auf Nachfrage erläuterte. Die Stadt sei sehr wohl als Träger öffentlicher Belange gefragt, sagte er. Die Stellungnahme kann weitreichender sein, als die pure Forderung nach Beweissicherung. Eine befürwortende Stellungnahme der Stadt zu einem ersten Verfahren bezüglich des Stauwehrs aus dem Jahr 2009 sieht das Landratsamt laut Prechtl als nicht mehr relevant an. "Darauf werden wir nicht herumreiten", so Prechtl.

Damals wollte das WWA die Komplettabsenkung um 1,20 Meter und den Rückbau des Wehrs über ein Planfeststellungsverfahren genehmigt haben. Das bremste das Landratsamt wegen "erheblicher Bedenken" ab, schon vor einem Erörterungstermin: Den Antragsunterlagen seien noch "Unterlagen zur Beweissicherung, zur Bewertung von Setzungsrisiken und zum Umgang mit diesen Risiken hinzuzufügen", heißt es in einem Schreiben des Landratsamtes an das WWA vom März 2013.

"Hören sofort auf"

Daraufhin schraubte das WWA seinen Antrag zurück, zielt nun in einem ersten Schritt auf die Absenkung um 40 Zentimeter. Gutachten wurden vorgelegt, die Auswirkungen auf den Grundwasserspiegel berechnet. Maximal soll der um 20 Zentimeter fallen - angesichts der natürlichen Schwankungen von bis zu einem Meter sei das als gering einzustufen. Aber: Berechnungen sind das eine, die Realität etwas anderes. Das sieht auch der Chef des WWA, Mathias Rosenmüller so. Deshalb sei jetzt die schrittweise Absenkung beantragt. "Wir wollen natürlich nicht, dass irgendwelche Schäden entstehen", sagte er zu den Oberpfalzmedien. "Wenn etwas auftritt, hören wir natürlich sofort auf." Das Wehr habe aber nunmal seinen Zweck verloren, ein Rückbau würde dem Fluss Naab ökologischen Nutzen bringen. Außerdem ist das Wehr baufällig. Der Freistaat hatte die Anlage vom Bayernwerk gegen eine Abstandszahlung übernommen und steht jetzt in der Pflicht. Das WWA teile die Bedenken des Landratsamtes hinsichtlich der drohenden Schäden nicht, betonte Rosenmüller, aber Auflagen der Genehmigungsbehörde sind natürlich zu erfüllen. Dazu gehört eine umfangreiche Beweissicherung, die neben den Wohngebäuden im fraglichen Gebiet auch das Gewerbegebiet Bayernwerk, die Nabaltec und den ZMS mit dem Müllkraftwerk betrifft.

Wer haftet wie lange?

Bei den Anliegern herrscht indes Verunsicherung und Verärgerung vor. Verärgerung deshalb, weil die Bekanntmachung des Verfahrens samt der Frist für Stellungnahmen ausgerechnet in die Urlaubszeit fiel. Das machen die sieben Männer deutlich, die sich bei Alfred Wimmer im Wohnzimmer getroffen haben, um mit den Oberpfalzmedien zu sprechen. Sie haben die weitere Nachbarschaft über das Vorhaben informiert, hoffen auf viele Einwendungen. Larry Hofmann verweist darauf, dass viele Gebäude im betroffenen Gebiet entlang der Naab auf einfachen Fundamenten stehen. "Mehr konnte sich doch damals keiner leisten", sagt er. Außerdem: Wer bezahlt denn Schäden beispielsweise an Straßen oder Kanälen, sollte es dazu kommen? Und natürlich fürchten alle Schäden an ihren Gebäuden, sollte der Grundwasserspiegel langfristig abgesenkt werden. Dafür müsse dann der Freistaat einstehen, sind sich alle einig - und zwar auch für Schäden, die langfristig eintreten. Die beabsichtigte Frist, in der Schäden anerkannt werden, beträgt fünf Jahre. Das sei zu kurz, meint Gerhard Reinert. Er hatte schon Schäden am Haus nach einer Kanalbaumaßnahme. Die traten fünf Jahre nach dem Bau auf, wurden aber ersetzt. Wie seine Nachbarn glaubt er, dass Setzungen durch die Absenkung auch erst später auftreten können. Schließlich gebe es des Stausee schon seit 87 Jahren.

Anton Graf treibt auch eine andere Sorge um. Im gehört das Fischereirecht ober- und unterhalb des Stauwehrs, er hat es an den Sportanglerverein verpachtet. Das Fischwasser werde an Wert verlieren, ist sich Graf sicher. Außerdem fürchten die Dachelhofer die Altlasten im Boden. Bis zur Abdichtung der Rotschlammdeponien sickerte jahrzehntelang belastetes Wasser Richtung Naab. Werden die im möglicherweise im Boden angereicherten Giftstoffe wie Arsen mit dem sinkenden Grundwasserspiegel ausgeschwemmt und in der Naab landen? Ihre Forderung ist deshalb klar: Das Stauwehr soll bleiben, möglichst zur Energiegewinnung genutzt werden. Die Anlieger wollen sich nun an die Dachelhofener Stadträte wenden, außerdem weiter ihre Nachbarn auf das Verfahren und die Einwendungsfrist hinweisen, die am 2. Oktober endet. Eine Stadtteilversammlung mit Verantwortlichen von Wasserwirtschaftsamt und Stadt hätten sich die Anlieger ohnehin gewünscht. Eine solche sei nun geplant, hatte Oberbürgermeister Andreas Feller am Montag angekündigt.

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