18.04.2018 - 16:14 Uhr
SchwandorfOberpfalz

"Aktuelle Stunde" im Stadtrat zum Tehma Leerstände Wohnen statt Einzelhandel

Handel ist Wandel, und der bedeutet leider auch: Leerstände. Das Problem macht die SPD am Montag zum Thema im Stadtrat. Die Forderung: Den direkten Kontakt zu Hauseigentümern weiter intensivieren.

Die Leerstände in der Stadt, wie hier in der Bahnhofstraße, waren Thema einer "aktuellen Stunde" im Stadtrat. Bild: Hirsch
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Das Werkzeug der "Aktuellen Stunde" wird im Stadtrat selten genutzt. Am Montag griff die SPD auf diesem Weg die Leerstandsproblematik auf. Es sei klar, sagte Fraktionschef Franz Schindler, dass Leerstand kein Schwandorf-spezifisches Problem sei, auch das Rathaus trage keine Schuld. Verändertes Einkaufsverhalten oder auch unrealistisch hohe Mieten führte Schindler als beispielhafte Gründe aus.

Kein Patentrezept

Ein Patentrezept gebe es nicht, so Schindler, er verwies aber auf die Initiative der Staatsregierung, Leerstände in Wohnungen umzunutzen. Auch die Stadt müsse das Problem angehen, "wenn man zuschaut, wird es jeden Tag schlimmer". Gerade am Wendelinplatz, in der Ebert- oder der Bahnhofstraße seien die Leerstände auffällig. "Wir dürfen nicht den Eindruck entstehen lassen, die Stadt sei tot", sagte Franz Schindler.

City-Manager Roland Kittel schilderte die Aktivitäten der Stadt. Auch er verwies auf das geänderte Einkaufsverhalten, auch auf die in den vergangenen Jahrzehnten gewachsenen Einzelhandelsflächen, die nun nicht mehr alle benötigt werden. Dazu komme die anstehende Sanierung in der Friedrich-Ebert-Straße, die Interessenten abhalte, jetzt ein Geschäft zu eröffnen, wenn sie "zwei Jahre eine Baustelle vor der Nase haben". Nach dem Umbau werde sich die Situation verbessern, ist sich Kittel sicher. Aber: Man werde sich daran gewöhnen müssen, dass "B- und C-Lagen nicht mehr mit Einzelhandel zu füllen sind". Die Innenstadt müsse sich zum Erlebnisraum wandeln, mit mehr Dienstleistungs- und Gastronomieangebot. Leerstände ließen sich mit Aktionen wie "Pop-Up-Stores" oder Kunstausstellungen, wie sie das Rathaus plant, lediglich kaschieren. Die Stadt müsse sich, was Handelsflächen anbetrifft, gesundschrumpfen. "Das ist ein schwieriger Prozess", sagte Kittel. Hauseigentümer zu Nutzungsänderungen zu bewegen, sei schwierig. Hohe Kosten oder schwierige Eigentumsverhältnisse etwa bei Erbengemeinschaften machen die Ansprache nicht leichter. Die Umwandlung in Wohnungen gehe dazu noch mit geringeren Mieteinnahmen je Quadratmeter einher. Was Baumaßnahmen angeht, sei Stadtumbaumanager Dr. Stefan Leuninger mit Eigentümern in Kontakt.

Wichtigste Maßnahme sei, langfristig die Frequenz in der Stadt zu erhöhen. Aktionen wie die Gartentage, Festivals oder der "Schwandorf 10er" seien ein Ansatz. Derzeit gehen wöchentlich bei Kittel im Schnitt zwei Anfragen für Geschäftsräume ein, die er an die Interessenten weiterleitet. "Wir hoffen, dass einiges fruchten wird", sagte Oberbürgermeister Andreas Feller.

Aktiv begleiten

Das reine Weiterleiten von Interessenten war Franz Schindler zu wenig, sie müssten "aktiv begleitet werden", sagte er. Es dürfe nicht gewartet werden, bis die Ebert-Straße fertig ist. "Der oberste City-Manager ist der OB", sagte Schindler, er erwarte sich mehr Initiativen, die sich an Eigentümer richten. Und auch, dass für das Schmidt-Bräu-Gelände möglichst schnell eine Idee gefunden wird, die für Leben in der Stadt sorgt.

Kurt Mieschala (UW) kritisierte, dass Aktionen wie die Gartentage an Sonntagen stattfinden, an denen die Geschäfte geschlossen sind. Dieter Jäger (FW) meinte, viele Leerstände seien nicht mehr zu füllen und müssten umgenutzt werden. Er stellte gleich die Grundsatzfrage: "Brauchen wir den Herrn Kittel, wenn es noch einen Stadtumbaumanager gibt?" Kittel verwies auf die aufwendigen Beratungen, die bei Umbauten oder Sanierungen und zu den entsprechenden Förderrichtlinie notwendig seien. Die könne er nicht auch noch leisten. "Der Handlungsbedarf ist groß, und ab und zu gibt es einen Erfolg", sagte der OB,. ehe er die "Aktuelle Stunde" beendete.

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