16.03.2018 - 20:10 Uhr
Schwandorf

"Equal Pay Day" am 18. März 77 Tage Unterschied

Geringe Bezahlung, niedrige Eingruppierung, wenig Aufstiegsmöglichkeiten - für viele berufstätige Frauen in Deutschland ist das leider noch immer die Realität. Einen wichtigen Beitrag zum Umdenken leistet der "Equal Pay Day", der in diesem Jahr am Sonntag, 18. März, begangen wird.

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Er markiert symbolisch den Entgeltunterschied zwischen Männern und Frauen, der in Deutschland derzeit bei 21 Prozent liegt. Das bedeutet, Frauen müssen nach Ablauf des Jahres bis zum 18. März arbeiten, um das durchschnittliche Vorjahresgehalt von Männern zu verdienen. Diesen beachtlichen Lohnunterschied nehmen die Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt der Agentur für Arbeit Schwandorf, Dorothea Seitz-Dobler und die Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises, Helga Forster, zum Anlass, auf den "Equal Pay Day" hinzuweisen.

Unter den Schlusslichtern

In einer Pressemitteilung rechnen sie vor, Frauen arbeiten statistisch gesehen noch 77 Tage umsonst. Deutschland bleibt unter den Schlusslichtern in Europa. Die Lohnlücke hat sich in den letzten Jahren kaum geändert. Die Zahlen wirken wie in Stein gemeißelt. Um einen Aspekt der Lohnlücke schließen zu können, ist im Juli 2017 das "Gesetz zur Förderung der Entgelttransparenz zwischen Männern und Frauen" (Entgelttransparenzgesetz) in Kraft getreten. "Transparenz gewinnt" ist darum das Motto des Equal Pay Day. Das Gesetz untermauert das Verbot der Entgeltdiskriminierung aufgrund des Geschlechts. Frauen haben in Betrieben ab einer Größe von 200 Mitarbeiter das Recht, zu erfahren, welche Kriterien zum Beispiel ihrem Entgelt zugrunde liegen.

Das Gesetz ist nur der Einstieg zu mehr Lohngerechtigkeit, da zum einen ein Großteil aller angestellten Frauen in Betrieben mit weniger als 200 Mitarbeitern arbeitet und allein das Wissen um eine schlechtere Bezahlung noch keine Lösung ist. Deshalb ist nach Ansicht von Seitz-Dobler und Forster ein allgemeines Entgeltgleichheitsgesetz, das alle Betriebe verpflichtet, fair zu bezahlen, erforderlich.

Minijobberinnen

In Sachen Entgeltungleichheit sind es viele verschiedene Punkte, die sich als besonders prägend herausstellen. Dorothea Seitz-Dobler verweist darauf, dass Frauen ihre Erwerbstätigkeit häufiger und länger familienbedingt als Männer unterbrechen oder reduzieren. "Auch dass viele Frauen in sogenannten Minijobs arbeiten, in denen keine oder nur sehr geringe eigenständige Ansprüche in der Kranken-, Renten- oder Arbeitslosenversicherung erworben werden, verschärft die Problematik." Helga Forster benennt als wesentlichen Grund die traditionell schlechtere Bewertung und der prekären Ausgestaltung von Tätigkeiten, die als Frauenberufe gelten oder überwiegend von Frauen ausgeübt werden. Ziel des Aktionstags ist es, die Debatte über die Gründe der Entgeltunterschiede in die Öffentlichkeit zu tragen.

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