17.11.2017 - 14:46 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Franz Sichler und Josef Zilch erzählen Freunde und Ehrenbürger

Es ist die Geschichte zweier Männer, die nun bald 90 Jahre alt werden und noch immer faszinierend erzählen können. Seit Donnerstag haben Professor Dr. Josef Zilch und Franz Sichler eine weitere Gemeinsamkeit: Sie sind Ehrenbürger ihrer Heimatstadt.

Franz Sichler (rechts) und Prof. Dr. Josef Zilch (links) sind seit Jahrzehnten Freunde und haben viel zu erzählen. Nun sind sie auch beide Ehrenbürger.
von Autor HOUProfil

Er reiste aus dem oberbayerischen Neufahrn an, um ein weiteres Mal zu beweisen, dass ihm Franz Sichler nahe steht und seine Finger nicht klamm geworden sind. In der Spitalkirche entwickelte Komponist, Dirigent und Musiker Josef Zilch am Flügel seine eigenen Vorstellungen zur Bayern-Hymne von Konrad Max Kunz. Getragen in der Originalfassung, dann plötzlich aber mitreißend und faszinierend in den Tempi, genial aber auch in den Überlegungen, dieser Komposition von 1860 auf die modernen Notensprünge zu verhelfen.

Zurecht ein Ehrenbürger, dieser Josef Zilch. Wie auch sein Schulkamerad Franz Sichler. Nach dem Festakt wurde im Schmidt-Bräu gespeist: Leberspätzlesuppe, Schweinelende mit Nuß-Kartoffelbällchen, heiße Himbeeren zu kaltem Eis. Die Stadt hatte dazu eingeladen. Um, wenn man es genau nahm, zwei Männer an einem Tisch zusammen zu bringen, die irgendwann - falls es das fortgeschrittene Alter zulässt - doch noch ein Buch schreiben sollten.

Wehner und Brandt

Dieser Band, man darf sicher sein, würde eine Sammlung von Erlebnissen öffentlich machen, die das Interesse nachfolgender Generationen gewiss fänden. Bei Tisch wurde ausführlich erörtert, wie das war, als der legendäre SPD-Fraktionsvorsitzende Herbert Wehner gelegentlich das Haus von Franz Sichlers Vater besuchte und dort heftig der Widerstreit zur Bedeutung von Willy Brandt vernehmbar war. Der Wehner mochte ihn nicht. Der Sichler schon.

Und auch das: Wie Wehner, in Parteikreisen "Onkel Herbert" genannt, und seine Ehefrau Greta samt Franz Sichler sen. hinauf in die Weinberg-Wälder gingen, um dort den Steinpilz und andere Sporengewächse zu finden. Im Gummimantel von Klepper und wasserdichten Stiefeln. Alle europäischen Zeitungen hätten Spitzenhonorare für ein solches Bild bezahlt. Alles ein Stück Schwandorfer Geschichte. So wie die weißen Hosenträger, die der neue Ehrenbürger Sichler dem Ehrenbürger Zilch dereinst zum Konzertgastspiel in die Oberpfalzhalle brachte, nie mehr zurück bekam und Jahre später vom Maestro erfuhr: "Schade, dass Du nicht bei meinem Konzert im Müncher Herkulessaal dabei warst." Sichler konterte mit trockenem Humor: "Ich nicht. Aber meine Hosenträger."

Viele Erinnerungen

Vieles kam im Schmidt-Bräu unter die Erinnerungs-Lupe. Man dachte an den NT-Redakteur Achim Kubeng, der journalistisch zwölf Jahre lang in Schwandorf arbeitete, eigentlich Schauspieler war und in der Nachbarstadt Amberg später das Stadttheater zu dem machte, was es heute ist. Mit ständigen Auftritten von Dirigent Zilch.

Aus Schwandorf stammte Franziska Berger, die Frau des in der Stadt praktizierenden Arztes Otto Berger. In Amberg betrieb sie als Wirtin die dort legendäre "Pfälzer Weinstube", wo Sichler und Zilch gerne auf einen Schoppen einkehrten. Nicht nur sie. Auch Schauspielerlegenden wie Götz George. Der verdiente sich damals in den Winnetou-Filmen erste Sporen. Alles Jahrzehnte her. Lesezeichen aber in der Lebensgeschichte von zwei Männern, die Brüder hätten sein können. Das, was sie zu Freunden macht, ist allemal gleichwertig.

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