08.02.2018 - 20:00 Uhr
Schwandorf

Groko-Riss in den Ortsvereinen

Große Koalition - ja oder nein? 463 723 Sozialdemokraten können bei der Mitgliederbefragung über den Vertrag mit der Union abstimmen. Tausende Bürger sind deshalb in den letzten Wochen der SPD beigetreten. Im SPD-Unterbezirk Schwandorf-Cham waren es 36 - sowohl Groko-Gegner als auch -Befürworter.

"Ich bin schwer am Überlegen, ob ich nicht aus der Partei austrete." Zitat: Der Schwarzenfelder SPD-Vorsitzende und bekennende Groko-Gegner Günter Karl (60) fühlt sich von den eigenen Leuten "belogen"
von Claudia Völkl Kontakt Profil

(cv/td) Die Abstimmungsunterlagen werden seit Donnerstag in der Parteizentrale in Berlin fertig gemacht und sollten bis 27. Februar von den Mitgliedern wieder retour geschickt werden, damit die Briefe bis 2. März rechtzeitig in der Berliner Parteizentrale sind, so Sonja Grünheit, Geschäftsführerin des SPD-Unterbezirks Schwandorf-Cham.

Die SPD hat bundesweit zwischen Neujahr und dem Stichtag für die Abstimmung, dem 6. Februar, insgesamt 24 339 neue Mitglieder aufgenommen. "Im 1622 Mitglieder starkem Unterbezirk Schwandorf-Cham waren es 36", so Grünheit. Davon 23 im Kreisverband Schwandorf, der nun 1269 Mitglieder zählt. Das sei auf den Zeitraum gesehen viel und eine Zahl, die vielleicht sonst in einem Halbjahr erreicht werde. Doch prozentual gesehen ergebe sich ein anderes Bild. "Gut zwei Prozent, das wird das Ergebnis kaum verfälschen", meint Sonja Grünheit, zumal unter den altersgemischten Neueintritten sowohl Gegner als auch Befürworter der Groko sind. In den Ortsvereinen - es gibt 44 im Unterbezirk, davon 30 im Kreisverband Schwandorf und 14 im Kreisverband Cham - sei die Meinung konträr. Grünheit schätzt, dass "die Entscheidung knapp wird".

Der Kampagne der Jusos, mal schnell für zehn Euro in die Partei einzutreten, um die Groko zu verhindern, lehnt Grünheit entschieden ab: "Unmöglich, so eine Auffassung". Auf Unterbezirksebene habe man die Ortsvereine um eine entsprechende Überprüfung ihrer Mitgliedsanwärter gebeten. Es musste kein Bewerber abgelehnt werden.

Dass die Mitgliederbefragung knapp ausgehen wird, meint auch der Pfreimder SPD-Ortsvorsitzende Norbert Auer. 61 Mitglieder zählt die Pfreimder SPD. Die Beiträge in der Whatsapp-Gruppe sind laut Auer zweigeteilt. Sie reichen von "Nichts ist besser, als das, was jetzt gemacht wurde" bis zu enttäuschenden Kommentaren über SPD-Chef Martin Schulz, der nicht zu seinem ursprünglichen Nein zur Groko und seinem Ja zur Oppositionsrolle gestanden habe. Auch Auer persönlich meint, "dass Schulz das hätte durchziehen sollen". Der Mitgliederbefragung prophezeit er ein sehr knappes Ergebnis, aber vermutlich wohl pro Groko. Auer selbst will sich noch nicht festlegen, erst noch diskutieren und auch andere Meinungen hinterfragen, bevor er sein Votum abgibt. Auer schätzt das Instrument der Mitgliederbefragung, deren Ergebnis sich die SPD-Spitze dann stelle.

Richtigen Frust schiebt Günter Karl, der Vorsitzende der Schwarzenfelder SPD. "Ich bin absolut gegen Groko", versichert er und setzt sogar noch eins drauf: "Ich bin schwer am Überlegen, ob ich nicht aus der Partei austrete." Mit Blick nach Berlin grämt er sich, "man kann doch nicht von der Basis verlangen, dass sie bei der Stange bleibt, und die dort oben machen, was sie wollen." Karl fühlt sich auf jeden Fall von den Spitzen-SPD-lern "belogen". Seite 3

Ich bin schwer am Überlegen, ob ich nicht aus der Partei austrete.Der Schwarzenfelder SPD-Vorsitzende und bekennende Groko-Gegner Günter Karl (60) fühlt sich von den eigenen Leuten "belogen"

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