Humorvolles Bekenntnis des Landrats im Jugendhilfeausschuss
"Hang zu Ungehorsam"

Die Mittelschule Nabburg, hier ein Blick auf den Pausenhof, war erfolgreich in ihrem Bemühen, einen Jugendsozialarbeiter zugeteilt zu bekommen. Er oder sie erhält eine halbe Vollzeitstelle. Bild: Dobler
Politik
Schwandorf
06.12.2017
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Die Jugendsozialarbeit an Schulen nimmt seit einigen Jahren an Zahl und Bedeutung zu. Immer mehr Bildungsstätten beantragen entsprechende Unterstützung. Auch die Mittelschule Nabburg ist jetzt auf diesen Zug aufgesprungen. Vier Punkte sind der Schule besonders wichtig. Schützenhilfe gibt es vom Jugendhilfeausschuss des Kreistags. Und der Landrat überrascht mit einem Geständnis.

Der Nabburger Rektor Robert Häusler von der Mittelschule hat Ende November dieses Jahres einen Antrag auf Jugendsozialarbeit an seiner Schule gestellt. Sie wird derzeit von 173 Kindern aus acht Nationen besucht. In diesem Schuljahr gebe es keine Übergangsklasse, was schlecht sei für Flüchtlingskinder - sie müssten nämlich in reguläre Klassen, mit allen Problemen, die das für jene bringt, die kein oder kaum Deutsch sprechen. Häusler sieht deswegen "Frustration allerorten". Diese und andere Probleme könnten nicht allein mithilfe der Schulpsychologin gelöst werden.

Um den Schülern die Möglichkeit zu geben, kulturelle Barrieren zu überwinden, die Integration in die Schulfamilie zu fördern und soziale Abgrenzungstendenzen aufzufangen wünscht sich Häusler Jugendsozialarbeit an seiner Mittelschule, und zwar täglich von 8 bis 13 Uhr (halbe Stelle). Diese Fachkraft müsste auch Einzelfallhilfe leisten für Schüler in besonders schwieriger privater Lage.

Claudia Hösamer vom Kreisjugendamt, die dem Ausschuss den Antrag vorstellte, bezeichnete die Jugendsozialarbeit an Schulen "die intensivste Form der Zusammenarbeit von Jugendhilfe und Schule unter Federführung des Jugendamtes". Für den Wackersdorfer Bürgermeister Thomas Falter, der Mitglied des Jugendhilfeausschusses ist, ist Jugendsozialarbeit an Schulen "unverzichtbar" geworden. "Da wird gute Arbeit geleistet, es gibt sehr positive Resonanz", wusste er. Nabburg sei die letzte Mittelschule, die so einen Antrag gestellt habe.

Heidi Eckl, Ausschussmitglied aus Nabburg, zeigte sich überzeugt, dass es "Standard wird, dass Sozialpädagogen in der Schule unterstützen". In der weiteren Diskussion wurde deutlich, dass man dieses Angebot, das es zwischenzeitlich schon an vielen Schulen gibt, nicht quantifizieren kann, etwa indem man die Zahl der Verweise in verschiedenen Jahren miteinander vergleicht. Dass nicht jeder Schüler, der einen Verweis erhält, Beratung benötigt, machte Landrat Thomas Ebeling mit einer augenzwinkernden Erinnerung an seine eigene Jugend deutlich: "Auch Landräte sollen schon Verweise erhalten haben", gab er schmunzelnd zu. Im übrigen hatte er "als Jugendlicher einen leichten Hang zur Insubordination". Was Lateinisch ist und schlicht "Ungehorsam" meint.

Nach dieser humorvollen Einlage sprach sich der Ausschuss einstimmig für eine halbe Vollzeitstelle für Jugendsozialarbeit an Schulen in Nabburg aus. Sie wird derzeit unter Trägerschaft der Johanniter Unfallhilfe angeboten. Die Kosten dafür trägt der Schulverband anteilig.
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