07.03.2018 - 17:32 Uhr
Schwandorf

Informationsabend zum Kiesabbau in Klardorf "Jetzt die Reißleine ziehen"

Muss es bald "Klardorf im See" heißen? Die Erweiterungspläne für den Kiesabbau zwischen Klausensee und Stadtteil schlagen hohe Wellen. Die Bewohner fürchten steigende Grundwasserpegel und wollen die Landschaft ums Dorf erhalten wissen, wird bei einer emotional geführten Diskussion am Montag deutlich.

Der Abteilungsleiter für den Landkreis Schwandorf am Wasserwirtschaftsamt, Manuel Schlegel (rechts), traf im Obermeier-Saal auf kritische Zuhörer.
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

"Die große Mehrheit im Ort hat den Kiesabbau satt", ist Andreas Weinmann überzeugt. Das große Interesse der Bevölkerung an der Informationsveranstaltung am Dienstag im voll besetzten Saal des Turmrestaurants Obermeier gab ihm Recht. Die Klardorfer haben Angst vor Wasserschäden in ihren Häusern.

Gäbe es einen Bürgerentscheid auf Ortsteilebene, dann ist sich Andreas Weinmann sicher: "Wir würden uns mit einer satten Mehrheit vom Kiesabbau verabschieden". Die Ortschaft sei umgeben von Kiesgruben, Tagebau-Seen, der Naab und unzähligen Fischweihern. Die "Salami-Taktik" der vergangenen Jahrzehnte mit ständigen Einzelgenehmigungsverfahren habe das Fass letztlich zum Überlaufen gebracht, so der SPD-Stadtrat. Dem neuerlichen Genehmigungsverfahren müsse eine "Gesamtbetrachtung" zugrunde gelegt werden.

Gefahren ausschließen

Das "schiere Ausmaß" und die Summenwirkung betrachtet Andreas Weinmann als "großes Problem für Klardorf und Zielheim". Für ihn nehme die Schreckensvision "Klardorf im See" immer konkretere Züge an. "Jetzt muss die Reißleine gezogen werden, bevor es zu spät ist", lautete die Forderung der Kommunalpolitikers an die Genehmigungsbehörden. Deren Argumente lässt Andreas Weinmann nicht gelten. Er wundert sich über den Hinweis der Gutachter, ein neuer Kiesweiher würde weiteren Lebensraum für Pflanzen und Tiere schaffen, "wo sich in unmittelbarer Nähe doch schon 30 solcher Weiher befinden". Aufgabe der Naturschutzbehörde müsse es eher sein, so Weinmann, "das zu schützen, was konkret in Gefahr ist".

Der gebürtige Klardorfer stellt fest: "Wir hatten hier einmal eine ausgewogene Flora und Fauna". Mit der Zunahme der Kiesgruben kippe das Verhältnis. Die Landwirte würden längst von einer "Gänseplage" sprechen. Weinmann wehrt sich auch gegen den Einwand, der Wald, der dem Kiesabbau zum Opfer falle, sei "qualitativ nichts Besonderes". Der Stadtrat pocht auf das Grundrecht auf Heimat und appelliert an die Fachstellen, dem weiteren Kiesabbau die Genehmigung zu verweigern. Jede Gefährdung durch Grund- und Oberflächenwasser müsse ausgeschlossen werden.

Landrat Thomas Ebeling verwahrte sich gegen die Unterstellung, seine Mitarbeiter seien parteilich. "Kein Sachbearbeiter hat ein persönliches Interesse, sondern entscheidet nach Aktenlage". Man dürfe einem Gutachter auch nicht von vorne herein unterstellen, "dass er im Sinne des Antragsstellers urteilt". Das Landratsamt habe die Aufgabe, so Ebeling, das Verfahren nach den gesetzlichen Vorschriften abzuhandeln. "Wer kommt für die Schäden auf, wenn wir Wasser im Keller haben?" Bei dieser Frage verwies der Landrat auf den zivilen Rechtsweg. Aber, so Ebeling: "Wir werden alles tun, damit es erst gar nicht so weit kommt".

Manuel Schlegel, Abteilungsleiter am Wasserwirtschaftsamt Weiden für den Landkreis Schwandorf, schließt Schäden durch Grundwasser aus und schätzt das vom Kiesabbauunternehmen in Auftrag gegebene Gutachten für "plausibel" ein. Die nächste Bebauung sei so weit entfernt, sagte der Vertreter des Wasserwirtschaftsamtes, dass keine Gefahr eines Anstiegs bestehe.

Furcht vor Kosten

Das glaubt man dem Experten aber offensichtlich nicht. In einer emotional geführten Diskussion brachten die Klardorfer Bürger ihre Ängste zum Ausdruck und äußerten die Befürchtung, dass sie auf etwaigen Kosten für Schäden an ihren Häusern sitzen bleiben werden.

Die große Mehrheit im Ort hat den Kiesabbau satt.Stadtrat Andreas Weinmann (SPD)

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