26.05.2017 - 20:24 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Innenminister Joachim Herrmann besucht GZ Klare Ansagen

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) ist am Freitagabend voll des Lobes für das Gemeinsame Zentrum der deutsch-tschechischen Polizei- und Zollzusammenarbeit (GZ): "Wenn es das jetzt nicht gäbe, müsste man es erfinden." Eine klare Ansage macht er an die Kriminellen.

GZ-Leiter Reinhard Roßbach (vorne links) erklärt Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (rechts daneben) die deutsch-tschechische Zusammenarbeit am Beispiel einer Verfolgungsjagd. CSU-Ortsvorsitzende Martina Englhardt-Kopf, MdL Alexander Flierl, Landrat Thomas Ebeling, Oberbürgermeister Andreas Feller, MdB Karl Holmeier und FU-Kreisvorsitzende Marianne Forster (von links) hören aufmerksam zu. Bild: Held
von Irma Held Kontakt Profil

"Wenn Ganoven die Grenze überschreiten, muss die Polizei nicht an der Grenze stoppen." Und genau das, sei das Verdienst des GZ auf dem Schwandorfer Weinberg. Lange Zeit, so der Innenminister, habe Bayern gemeint, die Zusammenarbeit mit Österreich klappe so gut. Doch nun sei mit zehnjähriger Verspätung ein GZ nach Schwandorfer Vorbild in Passau eingerichtet worden. Die Schwandorfer Einrichtung mit seinem Pendant im tschechischen Petrovice feiert am 17. Dezember dieses Jahres bereits das zehnjährige Bestehen.

"Ich war immer ein Fan des Schengen-Systems", betont Minister Herrmann. Der Wegfall der Binnengrenzen schaffe mehr Freiheiten, das sei aber nicht mit weniger Sicherheit gleichzusetzen. Sicherheit würden die Menschen vom Staat erwarten. Deshalb sei mit dem Beitritt Tschechiens zum Schengen-Raum das GZ geschaffen worden. Die deutschen und tschechischen Mitarbeiter von Zoll und Polizei auf dem Weinberg rücken nicht selbst aus, sie tauschen Daten und Wissen aus. Ihr rotes Telefon beim Dauerdienst ist schwarz.

Jürgen Dodell, stellvertretender Leiter des GZ, nennt Arbeitsbeispiele: ein Traktorendiebstahl in Sachsen-Anhalt. Die Transporter mit rumänischen Kennzeichen werden in Tschechien und der Slowakei gestoppt, die Diebe dingfest gemacht. Drei Wohnungseinbrecher werden in Amberg festgenommen - die Vierte im Bunde wird dank einer vom GZ übersetzten SMS geschnappt. Bei zwei spektakulären Raubüberfällen in Grafenwöhr und Weiden ist das GZ die Informationsdrehscheibe.

"Wir fahnden auch nach vermissten Personen und leisten Hilfe, wenn sich Wanderer oder Schwammerlsucher verlaufen", ergänzt der Leiter des GZ, Reinhard Roßbach. Er gibt den Gästen einen Überblick über die tägliche Arbeit. Von den 63 gemeinsamen Zentren in Europa ist laut Roßbach das Schwandorfer das größte. Für Vratsilav Hubka von der tschechischen Polizei, der der erste Koordinator für Tschechien in der Eröffnungsphase war, ist es nicht nur das: "Es ist eines der Besten in Europa." Er meint damit ebenso die kameradschaftliche Zusammenarbeit.

Der Neubau

Das GZ mit 98 Mitarbeitern bearbeitet rund 14 000 Fälle jährlich. Derzeit ist es auf dem früheren Gelände des BGS im Fortbildungszentrum der Bundespolizei München zur Miete. Leiter Reinhard Roßbach zufolge wird die Planung des 3,9 Millionen Euro teuren Neubaus nun europaweit ausgeschrieben. Er rechnet mit einer Bauzeit von zwei Jahren und fünf Monaten. 2021 soll das GZ umziehen. "Das muss schneller gehen", sagt MdB Karl Holmeier. Er gibt Minister Herrmann mit auf den Weg, die Bauzeit etwas zu beschleunigen. (ihl)

Wenn Ganoven die Grenze überschreiten, muss die Polizei nicht an der Grenze stoppen.Bayerns Innenminister Joachim Herrmann
Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Für Sie empfohlen

 

 

Videos aus der Region

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.