30.01.2017 - 20:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Leserbrief Zynismus ohne Grenzen

"Zynismus ohne Grenzen"

von Redaktion OnetzProfil

Die Info-Veranstaltung der Firma Tennet zum Ostbayernring nimmt Walter Ostheim aufs Korn. Er ist auch Sprecher der "Bürgeraktion Naabtal", verweist aber ausdrücklich darauf, dass es sich bei seinem Schreiben um eine persönliche Stellungnahme handelt.

"Die Selbstdarstellung des Ostbayernring-Vorhabenträgers Tennet während einer Info-Veranstaltung in der Spitalkirche am 20. Januar gibt Anlass zur Kritik: Die Beschreibung der West-Variante als ,über' die Ortsteile Grain, Irlbach und Kreith verlaufend ist falsch. Die Trasse würde unter Einhaltung des Mindestabstandes von 400 Meter und ohne Beeinträchtigung der Siedlungspotenziale in Kreith und des Industriegebietes Sitzenhof diese weiträumig umgehen. Richtig ist: Beim Bau einer Stromtrasse sind Eingriffe in Natur und Landschaft zu minimieren.

Im Landesentwicklungsprogramm heißt es aber auch, dass erneute Überspannungen von Siedlungsgebieten auszuschließen sind, eine längere Alternativtrasse zu akzeptieren ist und der vorsorgliche Schutz der Menschen größere Eingriffe in die Landschaft rechtfertigt. Die Äußerung von Tennet, auf der Naabtal-Trasse werde die Situation der Menschen verbessert und sogar in der Bevölkerung gebe es Pluspunkte für diese Variante, ist purer Zynismus. Politik und Bevölkerung wurde in einem ,Beteiligungsverfahren' suggeriert, "man nehme die Menschen mit" - die Ettmannsdorfer waren im Tennet-Team nicht vertreten. Darum wundert es nicht, dass Tennet hausintern mal eben so ein Punktesystem aufstellt, beide Trassen danach bewertet und siehe da: Als Ergebnis kommt das heraus, was man von Anbeginn wollte, die Naabtal-Trasse.

Damit ignoriert Tennet sowohl den politischen Willen zu Mindestabständen als auch die Abstufung der beiden Trassenvarianten durch die Genehmigungsbehörde mit Vorrang für die West-Variante. Die Anwohner im Naabtal wissen sehr wohl, dass auch im Bereich der West-Trasse Menschen mit berechtigten Interessen leben. Nur: Wenn es dort nicht zumutbar sein soll, in 400 oder 600 Meter Entfernung eine Stromleitung zu bauen, warum dann für die Menschen in Ettmannsdorf in weniger als 100 Metern? Grundsätzlich profitieren doch die Menschen aller betroffenen Gebiete von den Mindestabständen.

Vor diesem Hintergrund ist es völlig unverständlich, zugunsten einer angeblich 'unberührten Landschaft' entlang der West-Trasse (mit Industriegebiet, Mülldeponie, Gasleitung und Bundesstraße) die Schutzzone für Kindergärten, Schulen und Wohngebiete zu missachten. Auch die Umzingelung Krondorfs ist prekär: im Norden die B 85, im Osten die Bahnlinie und das Umspannwerk, im Süden eine 110KV-Leitung und im Westen einen neuen ,Monster'-Ostbayernring, der von derzeit 360 Abstand auf 200 Meter an die Wohnbebauung heranrückt. Diese Bedingungen gegenüber den Medien als Verbesserung der Gesamtsituation darzustellen, zeigt die Symptome einer Hybris.

Daher wird gefordert: Priorität für eine Erdverkabelung des Ostbayernrings im Raum Schwandorf oder alternativ die stringente Einhaltung der Mindestabstände zur Wohnbebauung. Gerade zur Vermeidung von 'Hot Spots' wie Ettmannsdorf wurde diese Regelung getroffen. Die Fehler der Vergangenheit dürfen nicht für die nächsten 60 Jahre wiederholt werden. Tennet hat mit der Vorentscheidung für die Naabtal-Trasse endgültig die Maske einer angeblichen Bürgerorientierung abgelegt und das wahre Gesicht gezeigt: die Vorsorge für das 'Schutzgut Mensch' ist - zumindest in Schwandorf- nur mehr Makulatur."

Walter Ostheim, Schwandorf

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