07.03.2018 - 20:00 Uhr
Schwandorf

Neue Strukturen stoßen nicht überall auf Begeisterung Zum VHS-Verbund gezwungen

Sollen alle Volkshochschulen im Landkreis künftig unter einem Dach firmieren? Geänderte Förderrichtlinien zwingen zu einem Verbund. Nabburgs Stadtoberhaupt Armin Schärtl ist Vorsitzender des Vereins Volkshochschulen im Landkreis Schwandorf und kann darüber nur den Kopf schütteln. Ohne Not werde ein System gesprengt, das seit Jahrzehnten funktioniere.

Kochkurse wie hier im Bild gehören zu den beliebten Angeboten der Volkshochschulen. Die Strukturen der Bildungseinrichtungen im Landkreis sollen nun vereinheitlicht werden. Bild: Dobler
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Die Strukturen der Volkshochschulen im Freistaat sollen möglichst einheitlich werden. So wünscht sich das der Volkshochschulverband, und preist auf seiner Website ein entsprechendes Förderprogramm als Lösung an, um Herausforderungen wie dem demografischen Wandel und veränderter Nachfrage zu begegnen.

Das Druckmittel dazu gibt es auch: Gefördert werden künftig nur noch Volkshochschulen, die mindestens 30 000 Teilnehmer-Doppelstunden anbieten können. Außerdem wird eine entsprechende Qualitätssicherung Pflicht. "Wenn man die Strukturen ändern will, ändert man die Förderkulisse," kommentierte das Landrat Thomas Ebeling bei einer Bürgermeister-Dienstversammlung am Dienstag im Landratsamt. Auf offene Ohren stößt das Ansinnen des Verbands nämlich nicht überall.

Zwei Vereine im Kreis

Da konnte Bürgermeister Martin Birner (Neunburg vorm Wald) in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Gemeindetags noch so dafür werben, auf gemeinsam Strukturen zu setzen. Die vermisse er nämlich auch im Landkreis, sagte er, nachdem er die neue Fördersituation dargelegt hatte. Ein Blick auf die Landkreiskarte gibt ihm erst einmal recht. Die Stadt Schwandorf hat eine kommunal verfasste Bildungseinrichtung, die Volkshochschulen im Städtedreieck sind im gleichnamigen Verein zusammengeschlossen.

Und dann ist da noch der Verein "Volkshochschulen im Landkreis Schwandorf e.V.", zu dem die Einrichtungen Nabburg, Neunburg, Nittenau-Bruck und Oberviechtach gehören. Letzterer erreicht die Vorgabe mit 30 000 Stunden nicht, er bietet rund 28 000 Doppelstunden. "Die Grenze haben sich wohl welche ausgedacht, die viel größer sind als wir," sagte Birner. Er regte an, dass das Landratsamt die Möglichkeiten für einen Verbund prüfen und die Fäden in die Hand nehmen solle. Neben einer Fusion der Vereine könnte auch ein Zweckverband oder eine andere Form der Zusammenarbeit entstehen. Das würde das Amt auch übernehmen, sagte Ebeling zu, verwies aber auf die Eigenständigkeit der Vereine, auf die der Kreis keinen Einfluss nehmen könne.

"Werden vergewaltigt"

Zumindest beim Vorsitzenden des Vereins Volkshochschulen im Landkreis Schwandorf, Nabburgs Bürgermeister Armin Schärtl, hält sich die Begeisterung für eine wie auch immer geartete Fusion in Grenzen. Die Zahl von 28 000 Doppelstunden nannte er "völlig aus der Luft gegriffen". Die Struktur würde seit 40 Jahren hervorragend funktionieren, sei bürgernah und kostengünstig. Außerdem: "Wenn die Qualität unseres Angebots und der Dozenten nicht passen würde, hätten wir keine Teilnehmer mehr", sagte Schärtl, "es ist mir vollkommen schleierhaft, wie die in München auf diese Idee kommen können." Die Veränderungen würden einem funktionierendem System ohne Not übergestülpt. Der Landkreis könne die Führung und Organisation auch nicht besser machen als der Verein. "Aber wir kommen nicht aus, wir werden dazu vergewaltigt", sagte Schärtl.

Ebeling bat den Schwandorfer Oberbürgermeister Andreas Feller, das Thema in der Stadt aufs Tableau zu bringen, auch die VHS im Städtedreieck wird sich damit beschäftigen. Der Landkreis-Verein mit Schärtl an der Spitze trifft sich am 19. März zu einem Workshop zu dem Thema. Den leitet ein Büro, das an vielen Volkshochschulen auch das Qualitätsmanagement begleitet.

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