24.09.2017 - 23:56 Uhr
SchwandorfOberpfalz

So erleben die Direktkandidaten den Wahlabend Die "Kleinen" legen zu

Das war klar: Die Direktkandidaten von FDP, Grüne, Die Linke, Freie Wähler und ÖDP müssen sich bei der Erststimme mit Platz drei bis sieben zufrieden geben. Die Reihenfolge war aber trotzdem spannend.

Dritter bei der Direktwahl: Frank Aumeier (Freie Wähler).
von Gertraud Portner Kontakt Profil

Der Bundestagswahlkreis Schwandorf umfasst die Landkreise Schwandorf und Cham. Acht Direktkandidaten freuten sich über ein Kreuzchen bei der Erststimme. Obwohl traditionell wieder die CSU den Wahlkreis-Abgeordneten stellt, konnten auch die Direktkandidaten der kleinen Parteien im Vergleich zu 2013 zulegen. Was sie alle wurmt: Das gute Zweitstimmen-Ergebnis der AfD.

Dritter bei der Direktwahl wurde Frank Aumeier (Freie Wähler) . Der Kandidat holte 15 496 Erststimmen und damit sehr gute 9,74 Prozent (2013: Jürgen Neuber 4,7 Prozent). Zur Wahlparty mit Spanferkel im "Havana" in Cham hat der ledige Sozialversicherungsfachangestellte (41) alle Freunde und Weggefährten eingeladen, die ihn in den letzten sieben Monaten "ertragen" und unterstützt haben. In seiner Heimatstadt Cham sahnte Aumeier sogar 13,91 Prozent ab. "Ich habe alle Termine wahrgenommen, die ich bekommen konnte", erklärt er sich das gute Abschneiden. Enttäuschend findet er das AfD-Ergebnis: "So schlecht geht es uns im Wahlkreis nicht, dass man so extrem wählen muss!"

Marius Josef Brey (Die Linke) setzte sich bei den Erststimmen auf Platz vier mit 4,98 Prozent (2013: Georg Kaschner 2,7 Prozent) und schaffte in seinem Heimatort Chamerau sogar 9,36 Prozent. "Ich bin kaputt", gibt der 20-Jährige zu, der den Bundestagswahlkampf am Sonntagabend in der "Wasserwirtschaft" in Cham ausklingen lässt. Knapp verfehlt: Fünf Prozent waren sein persönliches Ziel für den Wahlkreis. Brey freut sich aber, dass seine Partei bayernweit darüber liegt. "Damit sind uns jetzt die Türen in den Rathäusern geöffnet!" Im Oktober steigt er in das zweite Semester seines Politik-Studiums in Berlin ein, nachdem er vor der Wahl ein halbes Jahr pausiert hat. Den "Linken" bleibt er erhalten.

Platz fünf geht an Ines Tegtmeier (FDP) technische Angestellte (46) aus Roding. Sie will als Politneuling (erst seit eineinhalb Jahren aktiv) etwas verändern und zeigt sich mit 4,65 Prozent an Erststimmen (2013: Alfred Johann Stuiber 1,7 Prozent) zufrieden. Was sie stört ist, dass die AfD so extrem dazugewonnen hat. Der Wahlkampf hat der gebürtigen Thüringerin viele neue Erfahrungen gebracht und auch Spaß gemacht. Der Wahlabend klang in gemütlicher Runde beim "Inder" aus.

Tina Winklmann (Grüne) aus Wackersdorf ist die einzige der fünf Kandidaten, die im Landkreis Schwandorf wohnt. Sie holte 6172 Erststimmen und damit 3,88 Prozent (2013: Reinhold Schmalzbauer 3,2 Prozent). Der "Grünen-Treff" am Wahlabend war das Gasthaus "Kräuterbeck" in Nabburg. "Unser Ergebnis im Wahlkreis ist nicht spektakulär. Aber bayernweit ist es hervorragend", freut sich die 37-Jährige. Schockiert ist sie über die AfD: "Es ist unsere Aufgabe, die Protestwähler zurückzuholen." Als Grünen-Kreisvorsitzende ist Tina Winklmann im Landtagswahlkampf wieder aktiv dabei und "kämpft für ein gutes grünes Ergebnis".

Der ÖDP-Direktkandidat Stefan Scheingraber (48) kam auf 2,28 Prozent (2013: Wolfgang Meischner 1,5 Prozent). Ihm geht es nicht um Macht, sondern um bessere Alternativen. Das ÖDP-Ergebnis bewertet der Arzt und Theologe daher als "enttäuschend" und sieht eine fehlende Flexibilität im Wahlverhalten. Das gute Abschneiden der CSU ihm "tiefschwarzen Wahlkreis" wurmt den Chamer: "Es ist eine arrogante Partei, die sich zurücklehnt." Deshalb freut ihn der Dämpfer auf Landesebene. Vorm Landtagswahlkampf klinkt sich Scheingraber aber aus persönlichen Gründen aus: Seine Weihe zum Diakon steht an. Ewald Ehrl war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Für Sie empfohlen

 

 

 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.