Tennet trifft Entscheidung
Ostbayernring bleibt im Tal

Der Ostbayernring (rechts) läuft in Ettmannsdorf durch die Flutmulde. Dort soll auch der Ersatzneubau entstehen, etwas weiter östlich. Die 110kV-Leitung des Bayernwerks (links) würde auf den neuen Masten mitgenommen,
Politik
Schwandorf
07.01.2017
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Projektleiter Thomas Ehrhardt-Unglaub von Tennet zeigt ein Leiterseil, wie es beim Ostbayernring verwendet werden soll. Vier davon werden in Bündeln zusammengefasst. Dadurch soll die Lärmbelästigung durch Entladungen sinken. Bilder: Hösamer (2)

Der Ersatzneubau des Ostbayernrings wird in Schwandorf durch das Naabtal verlaufen. Nach einer internen Abwägung kam Netzbetreiber Tennet zu dem Entschluss, die Starkstromleitung etwa entlang des Bestandes zu führen. Einige Maßgaben sind aber zu erfüllen.

Der Netzbetreiber hält die Naabtrasse vor allem aus zwei Gründen für geeigneter, als die Alternative weit im Stadtwesten über die Kreither Höhen, wie Projektleiter Thomas Ehrhardt-Unglaub und Referentin Ina-Isabelle Haffke bei einem Pressetermin am Donnerstag im Schwandorfer Rathaus erläuterten. Die Tennet-Juristen halten die Naabtrasse mit weniger Klage-Risiken verbunden, wenn das Projekt in die Planfeststellung geht. In diesem Verfahren, das 2018 beginnen soll, bestehen Einwendungs-Möglichkeiten - nicht nur für Anlieger und Grundstückseigentümer, sondern auch für Behörden und Verbände. Ein Großteil der Verbände sprach sich im Vorfeld für die Naabtrasse aus. Auch die Akzeptanz der Trasse spielte eine Rolle. "Macht es lieber beim Nachbarn und nicht bei mir, das ist kein Argument", sagte Ehrhardt-Unglaub.

Zweiter Grund: Mit der Westtrasse würden komplett neue Betroffenheiten geschaffen. Die untersuchte Trasse von Kögl über Kreith und den Höhenzug Richtung des Umspannwerks Büchelkühn ist derzeit noch frei von Leitungen. Demgegenüber könne im Naabtal auch bei einer Trassenverlegung keine komplette Entlastung erreicht werden: Die 110-kV-Leitung des Bayernwerks würde auch weiterhin durch die Flutmulde führen.

Im Raumordnungsverfahren hatte die Regierung der Oberpfalz beide Trassen als verträglich eingestuft. Die Naabtrasse allerdings mit wesentlich mehr Maßgaben. Die muss Tennet nun erfüllen und will dadurch sogar eine Verbesserung erreichen - allerdings nur, wenn man auf die Betroffenheiten insgesamt sieht. Der neue Ostbayernring wird die 110kV-Leitung mitnehmen, es wird also nur noch eine Trasse geben. Allerdings werden die Masten dann 60 bis 70 Meter hoch.

In der Flutmulde wird die neue Trasse etwas östlich der bestehenden verlaufen. Das bedeutet, dass zwar einerseits die Abstände zur Bebauung am Ettmannsdorfer Berg größer werden. Das Anwesen Ziegelhütte 1 liegt momentan 30 Meter neben dem Ring, dann 130 Meter. Andererseits wird die Leitung um etwa 100 Meter näher an Ettmannsdorf heranrücken, In der Trift 1 beispielsweise von 280 auf 173 Meter. Abstände von weniger als 100 Metern von Bebauung zur Trasse wird es nicht mehr geben.

Die im Landesentwicklungsplan geplanten Abstandsvorgaben zur Wohnbebauung mit 200 Metern im Außenbereich und - wie in Ettmannsdorf - 400 Metern zur geschlossenen Bebauung sind laut Ehrhardt-Unglaub nicht zu erfüllen, allerdings auch gegen andere Einflüsse aufrechenbar. Es gilt der Grundsatz, eher bestehende Betroffenheiten zu erhöhen, als komplett neue zu schaffen. Das wäre im Westen der Fall. Auch wirtschaftliche Gründe spielten bei der Entscheidung eine Rolle: Die Westvariante wäre 11 Prozent teurer als die Naabtrasse, vor allem weil mehr Masten gebaut werden und etwa 31 Hektar Wald eingeschlagen werden müssten. Der wäre natürlich zu ersetzen.

Tennet werde nun die potenziell betroffenen Grundstückseigentümer zu Gesprächen einladen, so Haffke. Die Öffentlichkeit wird bei drei Veranstaltungen (jeweils von 10 bis 12 und von 14 bis 17 Uhr) in der Region informiert: Am Montag, 18. Januar, im Rathaus Wernberg-Köblitz; am Donnerstag, 19. Januar, im Rathaus in Schmidgaden und am Freitag, 20. Januar, in der Spitalkirche in der Großen Kreisstadt.

Macht es lieber beim Nachbarn und nicht bei mir, das ist kein Argument.Thomas Ehrhardt-Unglaub, Tennet-Projektleiter für den Ostbayernring
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