28.01.2018 - 20:00 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Versammlung des Stadtgemeindeverbandes [Aktualisierung] Stichtag für Mitgliederentscheid

Über den aktuellen Mitgliederzulauf müsste sich die SPD eigentlich freuen. Allein der Bezirksverband Oberpfalz meldete in der vergangenen Woche 100 Zugänge. Doch manche Genossen sind skeptisch. "Treten die Leute nur deshalb in die SPD ein, weil sie gegen die Große Koalition stimmen wollen?"

Der SPD-Stadtgemeindeverband stellt sich neu auf. Das Bild zeigt von links Franz Schindler, Peter Wein, Karin Frankerl, Petra Hiltl, Manfred Schüller, Matthias Kuhn, Sandra Gierl und Andreas Weinmann. Bild: Hirsch
von Rudolf Hirsch (RHI)Profil

Das fragte sich Vorsitzender Andreas Weinmann bei der Versammlung des Stadtgemeindeverbandes im Gasthaus Obermeier in Klardorf. Mahnende Worte richtete Stadtrat Max Schuierer an die Jusos: "Ihr dürft eure Meinung sagen, aber nicht auf diese Art und Weise." Bezirksvorsitzender Franz Schindler machte deutlich, dass Neumitglieder ausdrücklich willkommen seien. Selbstverständlich sei es auch, dass es einen Stichtag für die Beteiligung an dem bevorstehenden Mitgliederentscheid über einen Koalitionsvertrag geben müsse.

Bei der Gründung 1978 hatte der SPD-Stadtgemeindeverband 800 Mitglieder, mittlerweile ist die Zahl in den fünf Ortsverbänden Bubach, Fronberg, Klardorf, Dachelhofen und Schwandorf auf 226 geschrumpft. Dreieinhalb Jahre lang stand Andreas Weinmann an der Spitze der Dachorganisation. Beruf, Leitung des Ortsvereins Klardorf, Stadtrat und Stadtverbandsvorsitzender - das sei ihm auf Dauer zu viel geworden, gab Weinmann zu verstehen.

Besonderes Anliegen

Die Nachfolge tritt der Schwandorfer Ortsvorsitzende Manfred Schüller an. Er will neue Impulse setzen und die Arbeit der SPD-Mandatsträger in der Öffentlichkeit "besser verkaufen". Die Anwesenheit der drei Ehrenbürger Hans Schuierer, Franz Sichler und Helmut Hey wertete Schüller als Beweis für die Spuren, die die SPD in den vergangenen Jahrzehnten in der Stadt hinterlassen habe.

Der scheidende Vorsitzende verabschiedete sich mit einem besonderen Anliegen. Andreas Weinmann möchte in der "Kunthau" einen Gedenkstein zur Erinnerung an die 70 Häftlinge setzen, die auf dem Weg vom Konzentrationslager Flossenbürg nach Dachau vor den Toren der Stadt von den Nazi-Schergen umgebracht wurden. Wenn nicht ein couragierter Schwandorfer Bürger dort ein Holzkreuz aufgestellt hätte, wäre die Stelle nicht einmal erkennbar, so Andreas Weinmann. Er will dieses schlimme Ereignis nicht in Vergessenheit geraten lassen und hat deshalb vor einem Vierteljahr bei der Stadt Antrag auf Errichtung eines Gedenksteines aus Flossenbürger Granit gestellt. Er habe bisher nichts gehört, bedauerte der Klardorfer Vorsitzende und versicherte: "Wir bleiben in dieser Sache dran."

Für den Direktkandidaten zu den Landtagswahlen, Peter Wein, geht es um die Glaubwürdigkeit seiner Partei. "Die Menschen glauben nicht mehr, dass die SPD ihr Leben ein Stück besser machen kann", so der 29-jährige Diplom-Finanzwirt aus Burglengenfeld. Dabei habe die Partei eine stolze Geschichte und einen Wertekompass aus Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität. "Wir sollten uns der landläufigen Parteien- und Demokratieverdrossenheit stellen", forderte der SPD-Politiker seine Partei auf. Demokratie verlange mündige Bürger, "die mitdenken und mitarbeiten".

Ergebnis der Wahl

Bezirksvorsitzender Franz Schindler sieht die gesamte europäische Sozialdemokratie in der Krise. Die Partei brauche ein neues Image und ein neues Grundsatzprogramm. Der derzeitigen Spaltung gewinnt Schindler auch Positives ab: "Immer, wenn wir uns streiten, sind wir stark." Wenn die SPD mitregiert habe, dann sei dies gut für das Land und die Menschen gewesen, nicht aber für die Partei.

Dem neuen Vorstand des SPD-Stadtgemeindeverbandes gehören an: Vorsitzender Manfred Schüller, zweite Vorsitzende Matthias Kuhn und Karin Frankerl, Kassier Karl-Heinz Kagermeier, Schriftführerin Sandra Gierl, Organisationsleiterin Petra Hiltl, Kassenrevisoren Helmut Hey und Christa Fleischmann.
(Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version des Artikels hatte es geheißen, die SPD erwäge einen Aufnahmestopp. Das ist nicht der Fall)  

Ihr dürft eure Meinung sagen, aber nicht auf diese Art und Weise.Stadtrat Max Schuierer an die Jusos
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