04.04.2018 - 15:42 Uhr
SchwandorfOberpfalz

Verzicht auf Rückbau Sohlgleite statt Stauwehr

"Wir wollen den Rückbau nicht mit aller Macht durchziehen", sagt Manuel Schlegel. Der Abteilungsleiter am Wasserwirtschaftsamt hat mit seinen Kollegen nach einer Lösung für das Stauwehr Dachelhofen gesucht - und eine gefunden, mit der auch die Anlieger zufrieden sein können.

Das Bayernwerkwehr in Dachelhofen wird abgerissen, der Stausee soll bleiben. Dafür soll künftig eine Sohlgleite sorgen. Gegen die Absenkung des Stausees hatte es erhebliche Bedenken der Anlieger gegeben. Bilder: Hösamer (2)
von Clemens Hösamer Kontakt Profil

Die Pläne des Wasserwirtschaftsamts stießen bei Anliegern und Stadtrat auf Widerstand: Das Stauwehr in Dachelhofen, einst für die Wasserversorgung des Bayernwerks gebaut, sollte abgebaut werden. Die Dachelhofer befürchteten, dass mit der schrittweisen Absenkung des Naab-Pegels um insgesamt rund 1,20 Meter Schäden an ihren Häusern einher gehen. Das Wasserwirtschaftsamt hielt das nach entsprechenden Gutachten für unwahrscheinlich, hatte auch Beweissicherungsmaßnahmen zugesichert. Der Widerstand blieb. Der Stadtrat schloss sich im September 2017 den Bedenken der Anlieger an und bat das Amt einstimmig, den Antrag auf Absenkung des Pegels am Bayernwerkswehr zurückzuziehen. Ziel des Wasserwirtschaftsamtes war, erläuterte Schlegel den Oberpfalz-Medien, die Naab wieder ein Stück durchlässiger zu machen. Das Querbauwerk bremst nicht nur Fische auf ihren Wanderungen aus, sondern auch andere Wasser-Lebewesen. Weil das ausgediente Wehr dem Freistaat gehört, hätte das Amt hier - anders als bei vielen Wehren in Privatbesitz - Zugriff und die Möglichkeit, einer entsprechenden EU-Richtlinie zu folgen und die Durchgängigkeit des Gewässers zu verbessern.

Zwar bleibt das Amt dabei, dass ein Rückbau ideal wäre, will diesen aber nicht mit aller Gewalt durchsetzen. "Wir suchten nach einer probaten Lösung", sagte Schlegel, der als Abteilungsleiter für den Landkreis Schwandorf zuständig ist. Das Ergebnis wurde in einer "Sohlgleite" gefunden. Das ist eine flache Rampe aus Kies und Wasserbausteinen, die statt des Wehrs gebaut werden soll. Sie ist für Fische genauso zu überwinden wie für die im Wasser lebenden Kleinlebewesen wie Fliegenlarven. Diese lange Rampe wird dann eine Art kleine Stromschnelle bilden. "Die Technik ist erprobt", sagte Schlegel, "der Stau bleibt erhalten". Das 89 Jahre alte Wehr wird abgerissen und durch die Rampe ersetzt. Die sei in der Instandhaltung auch günstiger als das nutzlose Querbauwerk, so Schlegel. Die Planungen sollen zusammen mit den Hochwasserschutzmaßnahmen des Naabtalplans erfolgen. Deshalb konnte Schlegel noch keinen konkreten Zeitraum für die Umsetzung nennen. Vorher ist auf jeden Fall wieder eine Planfeststellung notwendig. Mindestens drei Jahre würden noch vergehen, schätzte Schlegel, "bis der Bagger rollt".

Alfred Wimmer aus Dachelhofen, der sich mit Nachbarn gegen die Absenkung stark gemacht hatte, zeigt sich vorsichtig zufrieden. "Wenn die Stauhöhe bleibt, haben wir unser Hauptziel erreicht", sagte er den Oberpfalz-Medien. Mit ihm hatten weitere 270 Bürger Einwendungen erhoben. Larry Hoffmann, ebenfalls ein Gegner der Absenkung, will erst die konkreten Planungen abwarten, bevor er Entwarnung gibt. "Ich bin gespannt, wie das klappen soll. Wenn die 1,20 Meter gehalten werden, bin ich zufrieden", sagte er. Wichtig sei, dass der Grundwasserspiegel nicht abgesenkt werde.

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