Wölfe und die Schweinepest
Gefahr von außen

"So ein Zaun ist dem Wolf völlig wurscht!" Zitat: Dr. Günther Baumer, Bezirksvorsitzender des Jagdverbandes
Politik
Schwandorf
14.11.2017
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Die Oberpfälzer Jäger sehen sich vielen Herausforderungen gegenüber. Nach Bibern und Kormoranen hält auch der Wolf wieder Einzug. Und nun kommt auch noch eine Suche hinzu.

Zwei große Themen sind es, die momentan die Waidmänner beschäftigen: Die näher rückende Afrikanische Schweinepest und der bereits eingetroffene Wolf. Bei ihrer Bezirksversammlung in Schwandorf diskutierten die Oberpfälzer Jäger durchaus kontrovers über die Problematik, doch zuerst stellte Dr. Günther Baumer, Bezirks-Chef und stellvertretender Vorsitzender des Bayerischen Jagdverbandes, einiges klar. Lob galt zunächst den Nachbarn in Tschechien, die nach Ausbruch der aus der Ukraine eingeschleppten Schweinepest dort äußerst konsequent ihre Sperrbezirke durchgesetzt hätten und radikal die Ausbreitung eindämmten.

Hier sprach Dr. Baumer ein Papier des Bayerischen Bauernverbandes aus Oberbayern an, das großes Kopfschütteln ausgelöst hatte. Zunächst werde den Jägern unterstellt, dass sie zu wenig Schwarzwild erlegten und dadurch den Seuchen-Ausbruch riskierten: "Das Virus wird von außen durch Hochrisikoträger wie Touristen oder Erntehelfer hierher transportiert, das ist völlig unabhängig von der Zahl der hier lebenden Wildschweine." Die "Pille" fürs Wildschwein, also Hormongaben über Köder, werde vom BBV hier ebenfalls empfohlen, das Fleisch sei ja problemlos verwertbar. "Das ist absoluter Unfug, ja Schwachsinn!", schimpfte der Veterinär. Selbstverständlich sei hormonbelastetes Fleisch nach dem Gesetz völlig genussuntauglich. "Man muss sich wundern, dass der Bauernverband solche Verlautbarungen zulässt!" Mit solchen Parolen werde man nicht ernst genommen.

In Oberfranken, so fügte Baumer zum Schwarzwild an, seien übrigens schon etwa zehn Jagdgenossenschaften pleite gegangen, weil sie ihre Reviere nicht mehr verpachten konnten und auf den Wildschäden durch Sauen sitzengeblieben seien. Beim Wolf gelte es, wachsam zu sein. Immerhin, erklärte der Bezirksvorsitzende, sei mittlerweile das erste bayerische Wolfsrudel mit zwei Welpen im Truppenübungsplatz Grafenwöhr bestätigt worden. Herdenschutzhunde für Viehhalter hätten sich in unseren Breiten als ungeeignet erwiesen, und bei der Schadensaufnahme bei gerissenen Schafen werde von den Experten noch über Zaunhöhen gestritten. "So ein Zaun ist dem Wolf völlig wurscht!"

Alexander Flierl, Landtagsabgeordneter der CSU und selbst Jäger, stellte den pragmatischen bayerischen Weg mit Augenmaß in den Mittelpunkt. Er erinnerte daran, dass es auch bei Biber und Kormoran später plötzlich massive Probleme gegeben habe und man gegengesteuert habe. Auch beim Wolf müsse man über den Schutzstatus nachdenken. Ein weiteres Problem werde der Fischotter darstellen, hier sei Monitoring dringend nötig, notfalls auch eine Bestandsentnahme wie in Österreich. Die Jäger würden die Fischer und Teichwirte bei diesen Problemen nicht alleine lassen. "Nur müssen letztere den Druck erhöhen auf die Politik!"

Letzter Punkt war ein großes Problem bei der Schwarzwildbejagung: Immer mehr Jäger, aus dem Raum Flossenbürg und Tännesberg, aber auch anderswo, klagten, dass riesige Schwarzwildrotten, die nachts massive Feld- und Wiesenschäden anrichteten, sich tagsüber ungestört in die riesigen Staatsforst-Abteilungen zurückziehen könnten. Revierübergreifende Drückjagden auch in diesen Gebieten seien unabdingbar. Baumer will darüber mit Landwirtschaftsminister Brunner sprechen.

So ein Zaun ist dem Wolf völlig wurscht!Dr. Günther Baumer, Bezirksvorsitzender des Jagdverbandes
2 Kommentare
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Dr. Peter Herold aus Alfeld | 15.11.2017 | 12:38  
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Tom Schulze-Helmke aus Nürnberg | 15.11.2017 | 13:54  
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