09.02.2018 - 20:10 Uhr
Schwandorf

1380 Tonnen Schokolade Hunger auf Süßes im Landkreis

58 Sattelschlepper voll mit Schokolade: So groß ist der Hunger auf Süßes im Landkreis Schwandorf pro Jahr. Von der Tafel über die Praline bis zum Riegel: 1380 Tonnen Schokolade aßen die Menschen einer Pressemitteilung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) hier zuletzt rein statistisch. Das entspreche gut 9,5 Kilo pro Kopf. Beim Käse waren es 3550 Tonnen - 24,5 Kilo pro Einwohner. Und beim Bier wurden 151 000 Hektoliter im Jahr getrunken. Das sind laut Mitteilung 104 Liter pro Kopf. Alleine diese drei Beispiele zeigen laut NGG, welche Bedeutung Lebensmittelindustrie und -handwerk haben.

An Tafeln, Pralinen oder Schokoriegeln hängen viele Arbeitsplätze. Darauf hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten hingewiesen. Bild: Julia Ernesti
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Rund 2760 Arbeitsplätze hängen im Kreis Schwandorf laut Arbeitsagentur an der Herstellung und Verarbeitung von Lebensmitteln. "Die Branche ist aber nicht nur regional ein Schwergewicht. Nimmt man den Umsatz, ist sie der drittgrößte Industriezweig in Deutschland - ein Großteil der Produktion geht in den Export - und schafft es damit auf die internationalen Teller", sagt Rainer Reißfelder von der NGG Oberpfalz. So seien Hersteller aus der Region auch regelmäßig auf der Grünen Woche - der weltgrößten Agrar- und Verbrauchermesse - in Berlin präsent.

Neue Food-Trends wie gluten- oder laktosefreies Essen seien eine Herausforderung auch für die heimische Ernährungswirtschaft, so Reißfelder. Die sei gut aufgestellt und belege bei Produktions- und Hygienestandards weltweit einen Spitzenplatz. "Kaum irgendwo ist die Lebensmittelsicherheit höher als bei uns", sagt der Geschäftsführer der NGG Oberpfalz.

Eine Voraussetzung für gutes Essen und Trinken sei jedoch, dass dieses fair produziert werde - angefangen vom Anbau der Zutaten bis hin zu den Arbeitsbedingungen in der Verarbeitung. Dazu habe die NGG eine lebensmittelpolitische Initiative gestartet. "Gute Ernährung und gute Arbeit gehören zusammen. Hygiene unter Zeitdruck - das kann zum Beispiel nicht gut gehen", betont Rainer Reißfelder. Dies bedeute auch, dass Unternehmen Tarifverträge einhielten und sich an der Berufsausbildung beteiligten, unterstreicht der Gewerkschafter. Mit Sorge sieht die NGG in der Mitteilung den Trend zur Verramschung: "Gerade bei Getränken, Fleisch und Süßwaren erleben wir regelrechte Rabatt-Schlachten in den Supermärkten. Damit werden Lebensmittel oft weit unter Wert verkauft", kritisiert Reißfelder. Weniger als 70 Cent für eine Tafel Marken-Schokolade sei in einer fairen und umweltgerechten Produktion nicht machbar. Solche Preise erhöhten den Druck auf die Beschäftigten und ihre Arbeitsbedingungen.

An die Verbraucher appelliert die NGG daher, nicht nur auf den günstigsten Preis zu achten: "Gute Lebensmittel sollten den Menschen beim Einkauf etwas wert sein. Gleichzeitig können sie damit die heimische Wirtschaft stärken - und beim Essen neben dem Genuss auch noch ein gutes Gewissen haben."

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