17.08.2017 - 20:10 Uhr
SchwandorfOberpfalz

20-jähriger Student vor Gericht wegen halbem Gramm Marihuana Wie ein Ritt auf der Rasierklinge

Es war der letzte Warnschuss. Denn wenn jemand an der Uni studiert und Vorstrafen wegen Rauschgiftdelikten hat, dann kann es durchaus sein, dass seinem angestrebten Berufsziel ein Riegel vorgeschoben wird. Von daher stand ein Prozess vor der Schwandorfer Jugendrichterin quasi auf des Messers Schneide.

Symbolbild: Daniel Reinhardt/dpa
von Autor HWOProfil

Wer in der Provinz als Drogenkonsument gilt, muss mit Polizeikontrollen rechnen. Anders in Berlin, wo ein Schwandorfer in der Techno-Szene ein halbes Gramm Marihuana für zehn Euro kaufte, es in seinem Rucksack verstaute und mit heim nahm. "Dort schaut keiner hin, da ist das gang und gäbe", sagte der Student jetzt zu Jugendrichterin Petra Froschauer. Sein Pech allerdings: Im Schwandorfer Stadtpark hatten ihn Uniformierte schon einmal mit Marihuana erwischt. Das merkten sie sich.

Problematisch für Berufsziel

Als er dann im April dieses Jahres mit seinem Rucksack des Weges kam, nahmen die Ordnungshüter den Studenten ins Visier, hielten den jungen Mann an und starteten zur Durchsuchung. Die Folge: Marihuana gefunden, Anzeige zur Staatsanwaltschaft und ein erneutes Verfahren. Damit wurde die Lage des 20-Jährigen brenzlig. Der Schwandorfer studiert nämlich einen Fachbereich, in dem man ungern Vorstrafen wegen Rauschgiftdelikten duldet. Anders ausgedrückt: Noch bevor die Berufslaufbahn des Mannes hätte beginnen können, wäre sie womöglich abrupt beendet gewesen. Ein Ritt also, wenn man so will, auf der Rasierklinge. "Sie wussten, dass Sie sauber bleiben müssen", tadelte ihn Jugendrichterin Petra Froschauer.

Letzter Warnschuss

"Ich hätte es wirklich besser wissen sollen", bedauerte der Angeklagte, dessen erstes Verfahren wegen Drogenbesitzes von der Staatsanwaltschaft vor zwei Jahren eingestellt worden war. Und jetzt? Eine Verurteilung und damit auch eine Vorstrafe lagen nahe. Doch damit wären Lebenshürden mit schweren Folgen aufgerichtet worden.

Die Jugendrichterin wog ab. Dann schlug sie vor: "Man könnte das Verfahren auch jetzt noch einmal einstellen." Allerdings gegen eine Geldauflage von 200 Euro und, so Petra Froschauer, "mindestens drei Gesprächen beim Drogenberater". Staatsanwalt Wolfgang Doblinger und Verteidiger Josef Niedermeier stimmten zu.

Der 20-Jährige konnte aufatmen. Er bekommt keinen Eintrag ins Strafregister und kann sein späteres Berufsziel weiter anstreben. Nun allerdings versehen mit einem lauten Warnschuss, der im Wiederholungsfall in solcher Form sicherlich nicht noch einmal abgegeben wird.

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