22.02.2018 - 20:00 Uhr
Schwandorf

21-Jähriger vor der Strafkammer wegen diverser Delikte angeklagt Verwirrt oder für Taten verantwortlich?

Amberg/Schwandorf. Es ist eine schwere Entscheidung für die Erste Strafkammer des Landgerichts Amberg. Vor ihr sitzt ein 21-Jähriger aus Schwandorf, der im vergangenen Jahr immer wieder für Aufregung in seiner Heimatstadt sorgte. Vor den Richtern sagt er nun, er habe "Stimmen gehört", die ihn zu Straftaten veranlassten.

von Autor HWOProfil

Was in der Anklageschrift von Staatsanwältin Christine Apfelbacher steht, sind keine Delikte, die in der Regel das Landgericht erstinstanzlich beschäftigen. Doch in der Summe von acht angeklagten Straftaten ergeben sie ein Bild, das dem normalen Verhalten eine Menschen nicht zugeordnet werden kann. Völlig aberwitzige Vorgänge sind das, von denen besonders die Schwandorfer Polizeibeamten während des vergangenen Jahres in Atem gehalten wurden.

Der junge Mann fuhr mit dem Wagen seiner Mutter nach Holland, sah sich in Drogendealerkreisen um und tankte auf dem Heimweg an einer Rastanlage bei Amberg. "Stimmen haben mir gesagt, dass ich immun gegen Strafverfolgung bin", hat er nun vor der Strafkammer berichtet. Von daher zahlte er auch nicht.

Es gab weitere Begebenheiten. Der heute 21-Jährige schlug seine Mutter in der gemeinsamen Wohnung und er ging ihr auch völlig ansatzlos an den Hals. "Um ihn einzurenken", wie er nun der staunenden Kammervorsitzenden Roswitha Stöber berichtete. Ein gewalttätiger Akt. Von ihm, nach eigener Darstellung, wohl eher gut und als Wohltat für die unter Kreuzbeschwerden leidende Frau gedacht. Als sie ihn vor die Tür setzte, kam er als Einbrecher zurück. Weil für ihn die absurde Vermutung bestand, da liege ein anderer Mann im Bett der Mutter. Sein Vater war kurz zuvor gestorben.

Es gab noch andere merkwürdige Vorfälle in Schwandorf. Massive Auseinandersetzungen mit Polizeibeamten und einen Ladendiebstahl, bei dem sich der Angeklagte mit einem neuen T-Shirt eindeckte und auf Socken davonlief, als ihm Verkäuferinnen auf die Schliche kamen. Als Uniformierte eintrafen, wussten sie wegen der abgegebenen Beschreibung sofort, um wen es sich handelte.

Für die Richter geht es nun darum, die Kette der Strafdelikte einzuordnen. Der Schwandorfer hat zwischenzeitlich zugegeben, dass er seinerzeit öfter einmal Marihuana rauchte. Doch war das der Auslöser dafür, dass Stimmen zu ihm sprachen? Eine psychiatrische Sachverständige soll darüber Auskunft geben. Erst dann wird sich zeigen, ob dieser 21-Jährige ein Fall für die Zelle in der Strafanstalt oder in der Forensik ist.

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