27-Jähriger wegen fahrlässiger Tötung vor dem Amtsgericht
Tödliches Drama nach Sekundenschlaf

(Foto: Volker Hartmann/dpa)
Vermischtes
Schwandorf
11.07.2017
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In seinem Schlusswort sagte der Angeklagte: "Ich habe einen Fehler gemacht, der nie mehr behoben werden kann. Es tut mir unendlich leid." Dieser Fehler kostete einer 16-Jährigen das Leben und führte bei der Mutter des Mädchens zu dauerhaft schweren Verletzungen.

Es waren drei sehr bewegende Stunden im Schwandorfer Amtsgericht. In einem Prozess mussten die Umstände eines Verkehrsunfalls geklärt werden, der sich am Nachmittag des 8. Februar letzten Jahres auf der Bundesstraße 85 zwischen Heselbach und Wackersdorf ereignet hatte. Der Verursacher, heute 27 Jahre alt, kam von der Frühschicht. Er fuhr in Richtung Schwandorf und schlief für wenige Augenblicke am Steuer seines Wagens ein. "Kein Alkohol und auch kein Verkehrsrowdy", sagte später Richter Thomas Heydn in seinem Urteil. Der Pkw des jungen Mannes geriet voll auf die linke Fahrbahnseite.

In den Gegenverkehr

Dann ereignete sich eine Tragödie: Das durch den Sekundenschlaf des Fahrers führerlos gewordene Auto rammte einen entgegenkommenden Kleinwagen. An dessen Steuer saß eine 52-Jährige. "Ich konnte nicht mehr ausweichen", berichtete sie. Die Frau wurde beim Aufprall schwer verletzt, erlitt durch die Beschädigung einer wichtigen Ader einen Schlaganfall. An den Folgen wird sie zeitlebens leiden. Hinter der 52-Jährigen saß deren damals 16 Jahre alte Tochter auf der Rückbank. Sie hatte dort Platz genommen, weil kurz vor dem Unfall eine weitere Familienangehörige, bis dahin am Beifahrersitz mit unterwegs, ausgestiegen war. Das Mädchen hatte sich offenbar nicht angegurtet. Es erlitt schwerste Kopfverletzungen und starb drei Tage später.

Der Verursacher des Dramas blieb weitgehend unverletzt. Als Polizeibeamte eintrafen, sagte er zu einem von ihnen: "Es tut mir leid." Diesen Satz wiederholte der Mann im Gerichtssaal. Im Prozess stellte sich heraus: Er hatte keinerlei Vorstrafen und auch keinen Eintrag in der Verkehrssünderkartei. Immer dann, wenn es um fahrlässige Tötung im Straßenverkehr geht, stellt sich die Frage: Wie ist ein solches Delikt angesichts nicht mehr reparabler Folgen zu bestrafen? Staatsanwältin Franziska Wilhelm hielt dem 27-Jährigen vor: "Sie hätten die Übermüdung vorher erkennen können." Die Anklagevertreterin verlangte sechs Monate Freiheitsstrafe zur Bewährung, ein Jahr Führerscheinentzug und 3000 Euro Geldauflage.

Haftstrafe beantragt

Die Nebenklageanwälte, im Prozess die Interessen der Frau und ihrer getöteten Tochter vertretend, hielten das für zu niedrig. Sie beantragten ein Jahr Haft mit Bewährung und 18 Monate Entzug der Fahrerlaubnis. "Vier Monate Bewährungsstrafe und 2000 Euro Geldauflage reichen aus", sagte Verteidiger Kurt Mieschala. Dabei bat er um Berücksichtigung des Umstands, "dass die 16-Jährige den Sicherheitsgurt nicht angelegt hatte."

Das Urteil orientierte sich an keinem der Strafanträge. Richter Thomas Heydn verhängte 10 400 Euro Geldstrafe (180 Tagessätze zu 60 Euro) und setzte ein dreimonatiges Fahrverbot hinzu. "Was wir hier an Schuld haben, liegt auf einer ganz anderen Ebene, als wenn jemand besoffen durch die Gegend fährt", sagte er. Von daher könne von einer Freiheitsstrafe und längerem Führerscheinentzug abgesehen werden.

Vor dem Urteil war die Mutter der Getöteten auf den Unfallverursacher zugegangen und hatte das Gespräch mit ihm gesucht. Ein Geschehen, das in solchen Prozessen selten bis nie zu beobachten ist. Gleichwohl aber ein Zeichen der Aufarbeitung. Mit einem jungen Mann, der nach eigenen Angaben "nicht mehr von diesem Fehler loskommen wird", und einer Frau, für die sich das Leben an diesem 8. Februar 2016 in ein fortdauerndes Chaos wandelte.
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